Matroschka-Puppen mit Trump- und Merkel-Porträts | Bildquelle: dpa

Merkel bei Trump Zwei Welten treffen aufeinander

Stand: 13.03.2017 18:12 Uhr

Unterschiedlicher könnten Trump und Merkel nicht sein: Während sich der US-Präsident oft von seiner Impulsivität leiten lässt, schlägt die Kanzlerin meist nüchterne Töne an. Daher birgt das erste persönliche Treffen der beiden durchaus Konfliktpotenzial.

Von Stephan Ueberbach, ARD-Hauptstadtstudio

Ein einfacher Antrittsbesuch ist das ganz sicher nicht, denn die Charaktere könnten unterschiedlicher kaum sein. Pragmatisch, sachlich, nüchtern - das ist die Bundeskanzlerin Angela Merkel. Aufbrausend, polternd, impulsiv - das ist Donald Trump, der Anti-Politiker, der in der Vergangenheit offen gegen die Kanzlerin austeilte: "Ich war ein großer Fan von Angela Merkel. Ich dachte, sie wäre eine fantastische Anführerin. Aber was sie mit Deutschland gemacht hat, ist eine Schande. Ich werde mit ihr zu tun haben, aber ein Fan bin ich nicht mehr."

Es sind Attacken wie diese aus dem hitzigen US-Wahlkampf, die das Treffen der beiden zusätzlich pikant machen. Die deutsche Flüchtlingspolitik: Für Trump wahlweise eine Katastrophe oder schlichtweg geisteskrank. Im Gegenzug hatte die Bundeskanzlerin dem amerikanischen Präsidenten ihre Bedingungen für eine Zusammenarbeit diktiert: Demokratie, Freiheit, Respekt. Unabhängig von Hautfarbe, Religion oder Geschlecht: "Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an."

Persönlichen Draht aufbauen

Zweimal haben Merkel und Trump inzwischen miteinander telefoniert, jetzt geht es darum, einen persönlichen Draht aufzubauen. Themen gibt es genug, Fragen auch. Was will der neue amerikanische Präsident? Was hat er außen- und sicherheitspolitisch, in der Wirtschaft, vor allem beim Handel vor? Ungewohnt deutlich machte die Bundesregierung schon vorab klar, was sie von Strafzöllen hält, von Abschottung, von Protektionismus - nämlich nichts.

"Deutschland als Handelsnation ist im besonderen Maße darauf angewiesen, einen guten Zugang, nicht nur zum europäischen Binnenmarkt, sondern auch zu den Weltmärkten zu haben und sich dort ohne Hindernisse und Benachteiligungen dem globalen Wettbewerb stellen zu können", sagte Merkel.

Druck aus der Politik

In der deutschen Politik sind die Erwartungen an die Merkel-Reise hoch. Die Fraktionschefin der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, will, dass Merkel auf ein Ende der NSA-Spionage pocht. Und auf mehr Abrüstung: "Was ich mir vor allem wünschen würde - aber da ist Frau Merkel auf der gleichen Linie wie Herr Trump - ist, dass deutlich gemacht wird, dass diese aktuelle Aufrüstungswelle, die Trump und leider auch andere europäische Staaten vorantreiben, gestoppt werden muss."

Die Kanzlerin müsse in Washington Haltung zeigen und dürfe vor Trump nicht einknicken, sagt SPD-Generalsekretärin Katharina Barley: "Ich erinnere mal daran, dass ein Kanzler Gerhard Schröder sehr klar gemacht, wie die Position, nicht nur der SPD, sondern Deutschlands zum Irak-Krieg damals war." Sie erwarte, dass die Kanzlerin hier ähnliches Rückgrat zeigt.

Deutsche Wirtschaft für freien Handel

Auch die deutsche Wirtschaft erwartet klare Ansagen. Und dass sich die Kanzlerin für einen freien Welthandel stark macht - weil alles andere für Deutschland als Exportnation Gift wäre. Industrie-Präsident Dieter Kempf stellte im Deutschlandfunk klar: "Wirtschaftspolitische Vorstellungen etwa, die der amerikanische Präsident ja im Wesentlichen über Twitter-Botschaften geäußert hat, werden so nicht funktionieren. Und zwar nicht nur für uns oder unsere Wirtschaft, sondern auch für seine Wirtschaft."

Schließlich sind mehr als 800.000 Amerikaner bei deutschen Unternehmen beschäftigt, die damit zur Wertschöpfung in den USA einen gehörigen Teil beitragen. Ob diese Botschaft bei Trump ankommt? Vielleicht hilft es, dass mit den Chefs von Siemens und BMW zwei Industriebosse im Weißen Haus mit dabei sind. Denen traut der US-Präsident ja angeblich mehr zu als Vertretern der Politik.

Immerhin: Als außenpolitische Ratgeberin ist Merkel in Washington gefragt. Die Ukraine-Krise, der Krieg in Syrien, das Verhältnis zu Wladimir Putin, die Europäische Union - das alles soll und will die Kanzlerin dem US-Präsidenten erklären. Die nächste Gelegenheit dazu gibt es schon bald, bei den Treffen der NATO und der G7. Und im Sommer kommt Trump dann nach Deutschland, zum G20-Gipfel in Hamburg.

US-Reise: Merkel & Trump - Zwei Welten treffen aufeinander
S. Ueberbach, ARD Berlin
13.03.2017 15:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. März 2017 um 17:00 Uhr.

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