Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Macron halten sich an der Gedenkstätte in Compiègne im Arm. | Bildquelle: dpa

Deutschland und Frankreich Am Ort der "allerletzten Versöhnung"

Stand: 10.11.2018 16:59 Uhr

Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Macron haben mit einer symbolträchtigen Zeremonie an das Ende des Ersten Weltkriegs erinnert: Gemeinsam besuchten sie den Ort, an dem die Deutschen 1918 kapitulierten.

Mit einer symbolträchtigen Zeremonie haben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Compiègne in Nordfrankreich an das Ende des Ersten Weltkriegs erinnert.

In einem Eisenbahnwaggon einer Waldlichtung nahe der Stadt hatte 1918 die deutsche Delegation ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet - und damit zugleich die Kapitulation des deutschen Kaiserreichs vor den Alliierten. Der Erste Weltkrieg war damit beendet - er hatte Millionen Soldaten und Zivilisten das Leben gekostet.

Merkel und Macron besuchten eine nationale Gedenkstätte bei Compiègne. Gemeinsam beschritten sie die Lichtung, um sich in einem Nachbau des historischen Eisenbahnwaggons in das Goldene Buch der Gedenkstätte einzutragen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel tragen sich in das Goldene Buch des Museums der Gedenkstätte bei Compiègne ein. | Bildquelle: dpa
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Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Emmanuel tragen sich in das Goldene Buch des Museums der Gedenkstätte bei Compiègne ein. Sie sitzen in einem Eisenbahnwaggon, der den Waggon von 1918 symbolisieren soll, in dem der Waffenstillstand geschlossen wurde.

Frieden "nicht selbstverständlich"

Zudem enthüllten beide eine neue Gedenktafel, die die "Bedeutung der deutsch-französischen Aussöhnung im Dienste Europas und des Friedens" würdigt. Bisher liegt dort eine Platte mit der französischen Inschrift "Hier unterlag am 11. November 1918 der verbrecherische Hochmut des Deutschen Reiches, besiegt von den freien Völkern, die zu unterjochen es beansprucht hatte."

Die gemeinsame Zeremonie in Compiègne bezeichnete die Kanzlerin als "bewegend". Sie sei mit vielen Persönlichkeiten in Kontakt gekommen, die ihr und Macron noch einmal klargemacht hätten, dass Frieden nicht selbstverständlich sei, sondern die Menschen dafür weiter arbeiten müssten. "Insofern ist dieser Tag nicht nur Mahnung, er ist auch Ansporn", betonte Merkel.

Aus Macrons Umfeld hieß es, der historische Ort solle durch den gemeinsamen Besuch mit Merkel vom "Ort der Revanche" zum Ort der "allerletzten Versöhnung" zwischen Deutschland und Frankreich werden.

Nach dem deutschen Einmarsch in Frankreich 1940 hatte Adolf Hitler in einer Rachegeste denselben Waggon von 1918 auf die Lichtung ziehen lassen, um dort Frankreich persönlich die Kapitulationsbedingungen zu diktieren.

Zeremonie am Triumphbogen in Paris

Mit Merkel besuchte nun zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg ein deutscher Regierungschef die Stätte. Sie nahm zum zweiten Mal an einer Gedenkfeier zum Ersten Weltkrieg in Frankreich teil: 2009 hatte der damalige Präsident Nicolas Sarkozy sie zu einer Zeremonie am Nationalfeiertag des 11. November eingeladen.

Für morgen ist eine Gedenkzeremonie am Pariser Triumphbogen geplant, an der zahlreiche Staats- und Regierungschefs teilnehmen sollen. Als Geste der Versöhnung sollen alle Spitzenpolitiker eine Hand auf die Schulter ihres Nachbarn legen.

Am Nachmittag soll Merkel mit UN-Generalsekretär Antonio Guterres in einer Ansprache eine dreitägige Diskussionsveranstaltung zu Themen Frieden, Umweltschutz und Entwicklungshilfe eröffnen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. November 2018 um 16:50 Uhr.

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