Das Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien

Merkel im Libanon und in Jordanien Verbündete in Gefahr

Stand: 21.06.2018 10:38 Uhr

Mitten im Flüchtlingsstreit besucht Kanzlerin Merkel Jordanien und den Libanon. Beide Länder gelten als wichtige Verbündete in der Flüchtlingspolitik und Stabilitätsanker.

Von Marie-Kristin Boese, ARD-Studio Kairo

Während in Berlin heftig um die Flüchtlingspolitik gerungen wird, besucht die Kanzlerin zwei Länder, die über die deutschen Probleme wohl nur müde lächeln können: Jordanien und Libanon. Beide haben überproportional viele Flüchtlinge aus dem Nachbarland Syrien aufgenommen. Merkel braucht beide als Stabilitätsanker in der Region.

Tina Hassel, ARD Berlin, zzt. Amman, zu Merkels Besuch in Jordanien
tagesschau 12:00Uhr, 21.06.2018

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Wichtige Partner in der Region

Das Besuchsprogramm der Kanzlerin ist eng getaktet: In Amman etwa besuchte sie die deutsch-jordanische Universität, danach folgt ein Treffen mit König Abdullah II. Im Libanon plant sie eine Stippvisite an einer Schule, in der nachmittags syrische Kinder unterrichtet werden. Auch trifft sie Präsident Michel Aoun. Aufnahmen von Merkel in einem Flüchtlingscamp wird es nicht geben.

Doch Jordanien und der Libanon sind wichtige Verbündete für Europa, vor allem seitdem der Krieg im Nachbarland Syrien zu einer Flüchtlingskatastrophe geführt hat. Gut sechs Millionen Menschen hatten Ende 2017 das Land verlassen, die meisten flohen in Anrainerstaaten wie die Türkei - und eben in den Libanon und nach Jordanien. In beide Länder pumpt Deutschland Millionen, ist nach den USA zweitgrößter Geldgeber. Damit sich nicht noch mehr Menschen nach Europa aufmachen, sollen die Flüchtlinge in der Region halbwegs menschenwürdig leben.

Syrische Flüchtlinge im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien
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Syrische Flüchtlinge im Flüchtlingslager Zaatari in Jordanien

Nachhaltige Zusagen nötig

Hilfsorganisationen wie das "International Rescue Committee" (IRC) loben zwar die Initiativen der Bundesregierung, wünschen sich aber gleichzeitig langfristigere Finanzzusagen für die Region. "Die Syrien-Krise dauert jetzt schon sieben Jahre", sagt IRC-Geschäftsführer Ralph Achenbach, "die Vorstellung, dass Flüchtlinge drei bis sechs Monate versorgt werden und dann zurückkehren können, ist unrealistisch".

Sowohl im Libanon als auch in Jordanien sind Syrer mit großen Problemen konfrontiert: Das IRC geht in Jordanien von 1,3 Millionen syrischen Flüchtlingen aus (registriert sind gut 700.000) bei etwa 9,5 Millionen Einwohnern. Der Hälfte der Flüchtlinge, so das IRC, fehle ein legaler Status und damit der wichtige Zugang zu Arbeit, Bildung oder medizinischer Versorgung.

Die Organisation unterstützt mit ihren Projekten - etwa zur Arbeitsmarktintegration - aber nicht nur die Syrer, sondern auch die einheimische Bevölkerung. Jordanien hat keine Bodenschätze, kein Öl, kein Gas. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 18 Prozent im Schnitt. Gleichzeitig gilt Amman als eine der teuersten Hauptstädte in der arabischen Welt. Und mit der wachsenden Zahl an Flüchtlingen wächst die Konkurrenz um Wasser, Jobs und Wohnungen. Denn ein Großteil der Flüchtlinge, so das IRC, lebe nicht in Lagern, sondern in städtischen Gebieten – und greife damit auf die gleiche Infrastruktur zu wie die Einheimischen.

Vor wenigen Wochen stürzten Massenproteste Jordanien in eine kurzfristige Krise. Zehntausende gingen gegen eine angekündigte Steuererhöhung auf die Straße - aus Furcht, dass die Politik die Mittelklasse in Armut treiben könnte. Erst nach dem Rücktritt des Ministerpräsidenten und der Ernennung eines Neuen entspannte sich die Lage. Für Merkel ist das beruhigend, denn Jordanien ist ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den radikalen Islam - und Ruhepunkt in der Region.

Libanon: Rekord bei Flüchtlingszahlen

Im Libanon, dem zweiten Ziel von Merkels Reise, ist die Lage noch angespannter. Jeder vierte Einwohner hier ist Flüchtling: Etwa eine Million bei 4,5 Millionen Einheimischen – gemessen an der Einwohnerzahl sind das die meisten Flüchtlinge weltweit. Vergangenes Jahr schon richtete Präsident Aoun einen Hilferuf an die internationale Gemeinschaft. Das Land könne die Flüchtlingskrise nicht mehr bewältigen.

Syrer sind häufig auf Schwarzarbeit oder die Versorgung durch Hilfsorganisationen angewiesen - ein Großteil lebt in extremer Armut, doch teils seien die Menschen schwer erreichbar, berichtet IRC-Geschäftsführer Achenbach. Denn Flüchtlingslager im herkömmlichen Sinne gebe es im Libanon nicht. Die Menschen lebten oft in alten oder nicht fertig gestellten Gebäuden. Das berge die Gefahr der Ausbeutung.

Eine Syrerin kocht in einem Flüchtlingslager in der libanesischen Bekaa-Ebene Essen für ihre Familie. (Juli 2016) | Bildquelle: AP
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Eine Syrerin kocht in einem Flüchtlingslager in der libanesischen Bekaa-Ebene Essen für ihre Familie. (Archiv)

Fast 60 Prozent der syrischen Flüchtlinge sind Kinder. Etwa 250.000 der 6 bis 14-Jährigen gehen nicht zur Schule, so IRC-Geschäftsführer Achenbach. Eine "verlorene Generation" an jungen Menschen ohne schulische Ausbildung drohe. Zudem verdienten Flüchtlinge teils 40 Prozent unter dem Mindestlohn. Weil die Syrer für wenig Geld zu arbeiten bereit sind, machen viele Libanesen sie für den Einbruch der Löhne verantwortlich. Die Stimmung wendet sich zunehmend gegen die Syrer.

Weitere finanzielle Hilfen?

Keine einfache Reise für die Kanzlerin, während auch in Deutschland heftig über die Haltung gegenüber den Flüchtlingen gestritten wird. Merkel braucht den Libanon und Jordanien als stabile Partner. Und so dürfte die Kanzlerin warme Worte des Dankes an beide Länder richten und womöglich weitere finanzielle Hilfen in Aussicht stellen.

Merkel reist nach Jordanien und in den Libanon
Marcel Heberlein, ARD Berlin
21.06.2018 08:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 21. Juni 2018 die tagesschau um 04:59 Uhr und NDR Info um 06:45 Uhr.

Korrespondentin

Marie-Kristin Boese  Logo SWR

Marie-Kristin Boese, SWR

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