Merkel und Bennett | AP

Merkel in Israel "Eine echte Freundin"

Stand: 11.10.2021 04:43 Uhr

Während ihres letzten offiziellen Besuchs in Israel wird die Bundeskanzlerin freundlich empfangen. Mit Blick auf ihre Nachfolge setzen ihre Gastgeber auf Kontinuität - und erwarten gleichzeitig neue Akzente.

Von Tim Aßmann, ARD Studio Tel Aviv

Sie ist nicht zum letzten Mal da. So musste man Angela Merkel verstehen, als sie die Ehrendoktorwürde der Technion-Hochschule Haifa entgegennahm. Sie versprach, einmal nach Haifa zu kommen und vor Studierenden zu sprechen. Als Kanzlerin aber ist es Merkels letzte Israel-Reise. Der Ausbau der Beziehungen zwischen beiden Ländern war ihr immer wichtig. Die Ehrung durch die Hochschule aus Haifa nutzte Merkel für eine Mahnung.

Über die Jahre und Jahrzehnte hinweg scheint uns eine enge deutsch-israelische Zusammenarbeit selbstverständlich geworden zu sein, doch das ist sie nicht. Wir dürfen eben nicht vergessen, dass Deutschland nur im Bewusstsein seiner immer währenden Verantwortung für den Zivilisationsbruch der Shoah eine wirklich gute Zukunft gestalten kann.
Tim Aßmann ARD-Studio Tel Aviv

Diese Verantwortung hatte Merkel auch schon ausgedrückt, als sie zum letzten Mal als Kanzlerin einen Eintrag in das Gästebuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem schrieb. An ihrer Seite stand dabei Naftali Bennett. Israels national-religiöser Premierminister, erst seit dem Frühsommer im Amt, nahm sich viel Zeit für den Merkel-Besuch. Bennett nannte die Kanzlerin eine gute Freundin seines Landes und er dankte ihr für ihre Bemühungen um die deutsch-israelischen Beziehungen.

Merkel: Israels Sicherheit bleibt Staatsräson

Manchmal macht ein Anführer einen großen Unterschied aus und ich denke ihre Führung legte den Grundstein für Deutschlands anhaltendes Bekenntnis zu Israels Sicherheit. Das wissen wir sehr zu schätzen. Unsere Geschichte ist uns bewusst und wir schauen gemeinsam optimistisch voraus auf eine bessere Zukunft.

An Angela Merkels Rede 2008 als sie Israels Sicherheit zur deutschen Staatsräson erklärte, wurde immer wieder erinnert. Die Kanzlerin selbst bekräftigte: Was damals galt, gilt weiterhin: "Ich habe es ja auch persönlich immer zu einem zentralen Punkt gemacht: Deutschland ist nicht neutral, wenn es um die Fragen der Sicherheit Israels geht, sondern die Sicherheit Israels ist Teil unserer Staatsräson und demnach müssen wir auch handeln, selbst wenn wir unterschiedlicher Meinung in verschiedenen Einzelfragen sind."

Auch für künftige Bundesregierungen werde Israels Sicherheit von zentraler Bedeutung sein, versprach die scheidende Kanzlerin. Verbunden bleiben wird dieses Bekenntnis aber so intensiv nur mit Merkel, glaubt Shimon Stein, ehemaliger israelischer Botschafter in Deutschland.

"Kein Kanzler vorher und kein Kanzler nach ihr wird das so zum Ausdruck bringen, wie sie es brachte und deshalb glaube ich: Ja, es handelt sich um eine echte Freundin des Staates Israel."

Sicherheitspolitik im Fokus

Wie werden sich die deutsch-israelischen Beziehungen nun entwickeln? Zum Beispiel unter einer Ampelkoalition? Shimon Stein glaubt an Kontinuität. Er erwartet keine wesentlichen Änderungen, allenfalls neue Akzente. "Es ist ja weniger, glaube ich, Olaf Scholz als zukünftiger potentieller Kanzler, als es um die Grünen geht. Bei den Grünen, meine ich, spielen Menschenrechte genauso wie Waffenlieferungen eine größere Rolle als sie ja für diese gegenwärtige Regierung gespielt haben."

Die Sicherheitspolitik wird im Mittelpunkt des letzten Besuchstages der Kanzlerin stehen. Angela Merkel trifft Experten des Instituts für nationale Sicherheitsstudien. Wahrscheinliches Hauptthema: Der Streit um das iranische Nuklearprogramm und das iranische Streben nach Einfluss in der Region.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. Oktober 2021 um 02:20 Uhr.