Smog in Neu-Delhi | Bildquelle: REUTERS

Während Merkel-Besuchs Indien ruft Gesundheitsnotstand aus

Stand: 01.11.2019 14:51 Uhr

Die indische Regierung hat in Neu-Delhi wegen zu viel Smogs den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Sie ließ fünf Millionen Atemmasken verteilen. Kanzlerin Merkel verzichtete während ihres Staatsbesuches jedoch auf das Tragen.

Wegen der katastrophalen Luftqualität in der indischen Hauptstadt Neu-Delhi hat die Regierung fünf Millionen Atemmasken verteilen lassen. Wie die Zeitung "Times of India" berichtete, wurde der Gesundheitsnotstand für die 20-Millionen-Metropole ausgerufen. Schulen bleiben bis zum 5. November geschlossen. Auch Baustellen sind gesperrt und bestimmte Industrieanlagen stillgelegt.

Merkel ohne Maske

Bundeskanzlerin Angela Merkel verzichtete jedoch bei ihrem Besuch in der indischen Hauptstadt darauf, einen Schutz zu tragen. Obwohl der durch die Stadt wabernde Smog nicht zu übersehen war, schritt Merkel mit dem indischen Premierminister Narendra Modi ohne Atemmaske eine militärische Ehrenformation ab.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sitzt bei der Begrüßung mit militärischen Ehren in Neu Delhi - eine Atemschutzmaske trägt sie trotz deutlich sichtbarem Smog nicht. | Bildquelle: AP
galerie

Merkel verzichtete trotz des gut sichtbaren Smogs auf eine Atemmaske.

Grenzwert um ein Vielfaches überschritten

Der Verwaltungschef von Neu-Delhi, Arvind Kejriwal, erklärte, dass die Stadt extrem unter der schlechten Luft leide. Die Konzentration der Feinstaubpartikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind, erreichte Werte von fast 600 Mikrogramm pro Kubikmeter - zwölfmal mehr, als der Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erlaubt. Auch die Sicht in der Stadt war stark eingeschränkt.

In den vergangenen Jahren hat Delhi immer wieder Smog-Krisen erlebt. Wenn der Winter in Nord-Indien beginnt, tritt häufig feuchter Nebel auf, der sich in Verbindung mit anderen Partikeln rasch in eine Smog-Glocke verwandelt. Kejriwal erklärte, eine Ursache des giftigen Smogs sei das Abbrennen von abgeernteten Reisfeldern in den umliegenden Bundesstaaten. Weitere Gründe seien Autoabgase, Fabrik-Emissionen, Staub von Baustellen sowie Feuer von Müllhalden.

Eine Million vorzeitige Tote

Ein weitere Grund war in der Vergangenheit auch das hinduistische Lichterfest Diwali, das Ende Oktober traditionell mit Feuerwerk begangen wird. Aus dem Grund war Feuerwerk zu Diwali in diesem Jahr verboten.

Kritiker sagen, es fehle in indischen Ballungsräumen an einer wirksamen langfristigen Strategie zur Verbesserung der Luftqualität, wie sie etwa die chinesische Hauptstadt Peking umsetzt. Wegen der Luftverschmutzung sterben laut einer wissenschaftlichen Erhebung jedes Jahr mindestens eine Million Inder vorzeitig.

Darstellung: