Merkel Indien | Bildquelle: HARISH TYAGI/EPA-EFE/REX

Merkel in Indien Verträge über Infrastruktur und High-Tech

Stand: 01.11.2019 13:16 Uhr

Deutschland und Indien wollen wirtschaftlich enger zusammenarbeiten. Beim Staatsbesuch von Kanzlerin Merkel betonte Ministerpräsident Modi, sein Land sei vor allem an deutscher Hochtechnologie interessiert.

Bei den fünften deutsch-indischen Regierungskonsultationen geht es vor allem um die Wirtschaft. Kanzlerin Merkel brachte es am ersten Tag ihres Besuchs auf den Punkt: "Es gibt den festen Willen, in Indien als wachsendem Markt mit dabei zu sein". Vor allem an großen Infrastrukturprojekten sei man interessiert.

Indiens Ministerpräsident Narendra Modi betonte, sein Land wolle Deutschland als Partner im Umwelt- , aber auch im Verteidigungsbereich. Insgesamt unterzeichneten beide Seiten 22 Abkommen. Unter anderem wurde vereinbart, gemeinsam die Start-Up Szene zu fördern, die Forschungszusammenarbeit in puncto Künstliche Intelligenz zu verstärken und die Digitalisierung der Landwirtschaft voran zu treiben.

Deutschland und Indien vereinbaren engere Zusammenarbeit bei Zukunftsthemen
tagesthemen 21:45 Uhr, 01.11.2019, Tina Hassel, ARD Berlin, zzt. Neu-Delhi

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Von Indiens Boom profitieren

Strategisch hat die deutsche Bundesregierung ein großes Interesse an einem guten Kontakt zu Indien, weil das Land ein wichtiges Gegengewicht zu China darstellt. Wegen der rasanten Entwicklung des Landes, birgt Indien für die deutsche Wirtschaft außerdem viel Potenzial für Investitionen.

Deutschland ist der größte Handelspartner Indiens in der Europäischen Union. Indien dringt auf vereinfachten Zugang zum EU-Binnenmarkt für Agrarprodukte, sperrt sich aber selbst gegen Einfuhren etwa im Industriebereich. Deshalb bleibt der deutsch-indische Handel deutlich hinter dem Handelsvolumen etwa mit China zurück.

Merkel trägt nicht die empfohlene Atemschutzmaske

Angesichts der extremen Luftverschmutzung in Neu-Delhi ist das Tragen von Atemschutzmasken derzeit dringend empfohlen - Bundeskanzlerin Angela Merkel aber hat darauf bei ihrem Besuch in der indischen Hauptstadt verzichtet. Dabei war die Feinstaubbelastung vor Ort laut der US-Botschaft in Neu Delhi 19 Mal höher als der von der Weltgesundheitsorganisation für zulässig erklärte Höchstwert. Trotz diesem extrem hohen Wert und dem sichtbaren Smog schritt Merkel mit dem indischen Premierminister Narendra Modi ohne Schutzmaske eine militärische Ehrenformation ab. Das Abspielen der Nationalhymnen verfolgte die 65-Jährige, die in den vergangenen Monaten bei ähnlichen Anlässen Zitteranfälle erlitten hatte, im Sitzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sitzt bei der Begrüßung mit militärischen Ehren in Neu Delhi - eine Atemschutzmaske trägt sie trotz deutlich sichtbarem Smog nicht. | Bildquelle: dpa
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Deutlich sichtbarer Smog: Bundeskanzlerin Merkel nimmt sitzend an der Begrüßung in Neu-Delhi teil - eine Atemschutzmaske trägt sie trotz Empfehlung nicht.

Vier Minister, acht Staatssekretäre

Merkel wird begleitet von Außenminister Heiko Maas, Agrarministerin Julia Klöckner, Forschungsministerin Anja Karliczek, Kulturstaatsministerin Monika Grütters und acht Staatssekretären. Wirtschaftsminister Peter Altmaier wird nach seinem Unfall von einem Staatssekretär vertreten.

Im Zentrum der Konsultationen, die bis morgen dauern, stehen neben den Handelsbeziehungen außen- und sicherheitspolitische Fragen, die Themen Innovationen, Bildung, Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung.

Die Kanzlerin würdigte, dass Indien bereits 74 Gigawatt aus erneuerbaren Energien erzeuge. Derzeit arbeite in Indien noch fast die Hälfte der Bevölkerung in der Landwirtschaft, so Merkel. In Deutschland seien es nur noch weniger als zwei Prozent. Deutschland könne bei der Technisierung der Landwirtschaft in Indien "einen guten Beitrag leisten".

Merkel Indien | Bildquelle: dpa
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Merkel bei einem Gespräch mit weiblichen Führungskräften.

Merkel wirbt für mehr kulturellen Austausch

Merkel sagte, die indische Kultur sei in Deutschland "nicht so gut bekannt, wie sie das sein sollte". Sie wies darauf hin, dass derzeit in Deutschland "immerhin 20.000 Inder studieren" und ergänzte: "Es können gerne mehr werden."

Die Kanzlerin zog außerdem Parallelen zwischen den friedlichen Revolutionen in beiden Ländern. Sie legte zu Ehren des pazifistischen Unabhängigkeitskämpfers Mahatma Gandhi, der vor 150 Jahren geboren wurde, einen Kranz nieder.

Außerdem traf sich Merkel mit fünf Inderinnen zu einem Gespräch über die Lage der Frauen im Land. Zu den Gesprächsteilnehmerinnen zählten eine Digitalunternehmerin, eine Menschenrechtsanwältin und eine Unweltaktivistin.

Tina Hassel, ARD Berlin, zu den getroffenen Vereinbarungen
tagesschau 17:00 Uhr, 01.11.2019

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Freunde unterm Smogschleier: deutsch-indische Regierungskonsultationen
Julia Barth, ARD Berlin
01.11.2019 15:39 Uhr

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Mit Informationen von Julia Barth, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. November 2019 um 09:00 Uhr.

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