Angela Merkel mit FFP2-Maske | AP

Merkel in Großbritannien Abschiedsbesuch bei Queen und Johnson

Stand: 02.07.2021 07:26 Uhr

Es dürfte Merkels letzter Großbritannien-Besuch als Bundeskanzlerin sein. Harmonisch verspricht der Empfang bei der Queen auf Schloss Windsor zu werden. Das Treffen mit Premier Johnson birgt jedoch Konfliktpotenzial.

Bei ihrer voraussichtlich letzten Reise nach Großbritannien als Bundeskanzlerin trifft Angela Merkel heute die britische Königin Elizabeth II. und Premierminister Boris Johnson. Es gehe um eine Vertiefung der deutsch-britischen Beziehungen, hieß es aus dem britischen Regierungssitz.

Merkel spricht zu Kabinett

Merkel werde von Chequers aus, dem Landsitz des britischen Premierministers, in einer virtuellen Sitzung direkt zum britischen Kabinett sprechen. Sie ist die erste ausländische Regierungschefin seit US-Präsident Bill Clinton vor 25 Jahren, die eine solche Rede halten darf. Zudem sollen jährliche Kabinettstreffen der britischen Regierung mit der Bundesregierung eingeführt werden.

Johnson will darüber hinaus zu Ehren von Merkel eine neue akademische Auszeichnung schaffen, benannt nach Caroline Herschel, einer deutsch-britischen Astrophysikerin. Der Preis werde mit 10.000 Pfund dotiert und jedes Jahr an eine deutsche oder britische Wissenschaftlerin vergeben, die sich in diesem Gebiet hervorgetan habe.

Uneinigkeit beim Umgang mit der Delta-Variante

Abgesehen von diesen eher symbolischen Tagesordnungspunkten bergen die geplanten Gespräche zwischen Merkel und Johnson allerdings auch einiges Konfliktpotenzial.

Erwartet wurde, dass die Zuschauerregelungen bei den Finalspielen der Fußball-Europameisterschaft in London eine Rolle spielen werden. Merkel hatte sich wegen der in dem Land grassierenden Delta-Variante des Coronavirus bereits kritisch dazu geäußert, dass London auf Betreiben der UEFA 60.000 Zuschauerinnen und Zuschauer im Wembley-Stadion erlaubt, wo die Halbfinalspiele und das Finale ausgetragen werden.

In Großbritannien sorgte hingegen für Verstimmung, dass sich die Kanzlerin innerhalb der EU für schärfere Einreiseregeln aus Großbritannien stark machte. In Deutschland gilt ein Beförderungs- und Einreiseverbot aus dem Virusvariantengebiet Großbritannien. Ausgenommen ist, wer einen Wohnsitz in Deutschland oder die deutsche Staatsbürgerschaft hat. Trotzdem steht dann aber eine 14-tägige Quarantäne an. In andere EU-Länder können Briten hingegen weit einfacher einreisen.

Merkel setzte sich für eine europaweite Regelung ein, scheiterte damit aber bislang. Inzwischen gibt es Anzeichen, dass Deutschland die Einstufung Großbritanniens auch bald wieder zurücknehmen könnte - die Ausbreitung der Delta-Variante schreitet auch in der Bundesrepublik immer weiter voran. Abschottung macht daher immer weniger Sinn.

Gemeinsame Außenpolitik und Post-Brexit-Schwierigkeiten

Auch Außen- und Sicherheitspolitik werden vermutlich auf der Tagesordnung stehen - erst am Mittwoch hatten Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) und sein britischer Kollege Dominic Raab eine Absichtserklärung über einen engeren deutsch-britischen Austausch in diesen Fragen unterzeichnet. Die Briten wollen sogar Deutschlands Wunsch nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat unterstützen.

Aus dem Feld der Brexit-Themen ist auch weiterhin Nordirland ein wunder Punkt. London und Brüssel konnten zwar kürzlich eine Eskalation im sogenannten Würstchenkrieg um Einfuhrregeln für gekühlte Fleischprodukte nach Nordirland abwenden, doch eine dauerhafte Lösung scheint noch in weiter Ferne.

Hintergrund ist, dass die britische Provinz laut Brexit-Abkommen de facto den Regeln des EU-Binnenmarkts folgt. Damit sollen Warenkontrollen an der Grenze zum EU-Mitglied Irland verhindert werden. Notwendig werden dadurch jedoch Checks, wenn Waren von England, Schottland oder Wales nach Nordirland gebracht werden. Das sorgt für Schwierigkeiten im innerbritischen Handel, für die sich beide Seiten gegenseitig verantwortlich machen. Merkel folgt in dieser Frage der EU-Position.

Privataudienz bei Königin Elizabeth II.

Die Privataudienz der Bundeskanzlerin bei der Queen auf Schloss Windsor verspricht hingegen harmonisch zu verlaufen. Nach dem G7-Gipfel in Cornwall im Juni hatte Merkel sich besonders berührt von der Begegnung mit der Monarchin gezeigt und diese als "einzigartiges Erlebnis" bezeichnet.

Angela Merkel begrüßt Elizabeth II.

Angela Merkel begrüßt Elizabeth II. (Archivbild)

Königin und Bundeskanzlerin waren zu diesem Zeitpunkt bereits miteinander bekannt: Zwei Mal hatte die Queen Merkel schon empfangen - in den Jahren 2008 und 2014. Ein Jahr später war die Königin dann zu Besuch in Berlin.

Mit Informationen von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Juli 2021 um 04:55 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 02.07.2021 • 16:37 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Meldung wurde bereits sehr stark diskutiert. Entscheidende neue Aspekte, die einer konstruktiven Diskussion förderlich wären, sind nicht mehr hinzugekommen. Deshalb haben wir beschlossen, die Kommentarfunktion zu schließen. Die Moderation