Angela Merkel und Alexis Tsipras (Archivbild) | Bildquelle: AFP

Besuch in Athen Hoffnung auf Merkels Unterstützung

Stand: 10.01.2019 09:43 Uhr

Kanzlerin Merkel reist heute nach Athen. Mit Regierungschef Tsipras wird sie über den Sparkurs sprechen. Aber Tsipras hofft auch, dass Merkel ihm bei einem anderen Streit weiterhelfen kann.

Von Michael Lehmann, ARD-Athen

Angela Merkel war zuletzt 2014 in Athen. Die Zeiten damals: extrem schwierig. Viele Griechen machten die deutsche Bundesregierung und auch Merkel persönlich verantwortlich für ihr miserabel gewordenes Leben. Sinkende Löhne und Renten, enormer Spardruck und Perspektivlosigkeit. Vieles von dem, das war die griechische Sicht damals, sei verursacht durch den Druck der reichen Geldgeberländer.

Heute, im Januar 2019, ist die finanzielle Lage für viele Griechen zwar kaum besser, aber das deutsch-griechische Verhältnis hat sich deutlich entspannt. Vielleicht auch, weil die wirtschaftlichen Prognosen für Griechenland besser sind und die Arbeitslosigkeit etwas zurückgegangen ist.

Chara Dragassi arbeitet im Büro der Auslandskorrespondenten in Athen. Sie meint: "Ja, ich glaube, wir hatten in Griechenland gar keine andere Wahl, als uns in vielem deutlich zu korrigieren." Das habe Merkel den Menschen auf knallharte Weise beigebracht, aber vielleicht sei das auch die einzige Möglichkeit gewesen, dass es mit den Korrekturen in wichtigen Punkten auch geklappt habe.

Merkel und Tsipras können gut miteinander

Lob für Griechenland und seinen verlässlichen Sparkurs dürfte es von Merkel in Athen vor allem beim Gespräch mit Alexis Tsipras geben. Mit ihm kann die deutsche Kanzlerin sehr gut, das ist bekannt. Die Kritiker des mit stramm linker Politik angetretenen griechischen Ministerpräsidenten sagen, er habe seine linken Ideale auch und gerade unter dem Einfluss der deutschen Kanzlerin verraten. Was Merkel und Tsipras eint, ist der feste Wille, für ein gemeinsames Europa und eine gemeinsame Währung, den Euro, zu kämpfen.

Ärger um Namen "Republik Nord-Mazedonien"

Aus Sicht beider Regierungschefs sollte demnächst Mazedonien ein gutes Stück weiter nach Europa rücken. Im Namensstreit mit dem Nachbarn hat man sich auf die Formulierung "Republik Nord-Mazedonien" geeinigt, was in Griechenland manche Konservativen und auch Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis extrem ärgert. Sie wollen "Mazedonien" niemals im Namensschriftzug ihres nördlichen Nachbarn lesen, weil es für sie mit Blick auf die griechische Provinz Mazedonien einer Art Selbstaufgabe gleichkommt.

Demonstranten gegen die Vereinbarung Griechenlands mit Mazedonien | Bildquelle: AP
galerie

Es gibt Streit um den Namen "Republik Nord-Mazedonien"

Merkel solle auch darüber mit Tsipras und später mit dem Chef der konservativen Partei sprechen, meint die Frau im Büro der Auslandskorrespondenten. Spannend werde es, welche verschiedenen Leute Merkel dazu treffen könnte. Aber vielleicht solle sie da für den Namenskompromiss mit Mazedonien kräftig werben.

Hilfe von Merkel im Namensstreit?

Merkel weiß, dass Verteidigungsminister Panos Kammenos als Chef des kleinen, aber mächtigen Koalitionspartners der Tsipras-Regierung in Athen deutlich mit einem Ende der Regierung gedroht hat - für den Fall, dass es über den neuen Namen "Republik Nord-Mazedonien" im griechischen Parlament zur Abstimmung kommt. Die Lösung im Namensstreit, die für ganz Europa und nicht zuletzt für die NATO wichtig wäre, steht weiter auf der Kippe. Ob Merkels 24-Stunden-Besuch in Athen weiterhelfen kann, wird eine spannende Frage sein.

Sympathisch sei sie jedenfalls, sagen inzwischen auch viele jahrelang sehr skeptischen Medienleute in Athen. So wie der Kameramann Vassilis. Er hofft auf schöne Bilder im Amtssitz des griechischen Ministerpräsidenten: "Ja, Merkel ist eine sehr intersssante Person, und irgendwie finde ich, dass sie friedfertig ist."

Keine schlechten Voraussetzungen also für einen recht harmonischen Besuch der deutschen Kanzlerin in Athen. Am Nachmittag wird ihre Maschine auf dem Athener Flughafen erwartet und morgen geht es dann schon wieder zurück nach Berlin.

Merkel besucht Griechenland
Michael Lehmann, ARD Istanbul z.Zt. Athen
10.01.2019 08:36 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 10. Januar 2019 WDR 5 um 07:14 Uhr im "Morgenecho" und Deutschlandfunk um 07:53 Uhr.

Darstellung: