Bundeskanzlerin Angela Merkel erhält den Europapreis "Karl V.". | AFP

Ehrung für politische Dienste Merkel erhält spanischen Europapreis

Stand: 14.10.2021 17:51 Uhr

Für ihre langjährigen, politischen Dienste um Europa ist Kanzlerin Merkel in Spanien ausgezeichnet worden - mit dem Europapreis Karl V. In ihrer Rede bezeichnete sie die EU als "Glücksfall für uns alle".

Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Europäischer geht es kaum. Streicher spielen die Europahymne, in der Kapelle des Klosters Yuste sind die Flaggen aller EU-Staaten nebeneinander aufgereiht. Angela Merkel spricht von einem besonderen Ort, an dem sie diesen Preis entgegennehmen darf: Der damals mächtigste Mann Europas, Kaiser Karl V., hatte in diesem Kloster im 16. Jahrhundert seine letzten Tage verbracht. Heute, knapp 500 Jahre später, ist Merkel die mächtigste Frau Europas. Und eine Verfechterin des Friedensprojekts Europäische Union.

Oliver Neuroth ARD-Studio Madrid

In ihrer Rede lobt die Bundeskanzlerin Europa als ein Projekt von Frieden und Freiheit, betont aber auch die Herausforderungen.

Frieden und Freiheit müssen geschützt und verteidigt werden. Und auch in Europa haben wir keinen Rechtsanspruch auf dauerhaften Frieden und dauerhafte Freiheit, sondern müssen uns stets bewusst sein, dass es die Idee der europäischen Einigung ist, die uns ein Leben in Frieden und Freiheit und damit in Wohlstand schenkt.

Botschaft im Subtext

Terrorismus und Extremismus bedrohten diesen Wohlstand, so die Kanzlerin. Und Meinungsverschiedenheiten zwischen EU-Staaten könnten dazu führen, dass das ganze Projekt in Gefahr gerate. Merkel nennt die Regierungen von Ungarn oder Polen nicht konkret. Aber in ihren Worten schwingt mit, dass ihre nationalen, EU-kritischen Pläne gemeint sein dürften.

Seit einiger Zeit schon wirken Fliehkräfte in der Europäischen Union. Sie entstehen, wenn der Kitt der gemeinsamen Werte brüchig wird, wenn sich Erwartungen an die Europäische Union und ihre Institutionen nicht erfüllen. Wenn dann kurz- oder mittelfristig nationale Interessen über den Nutzen des europäischen Projekts und der rechtlichen Grundlage gestellt werden, dann kommen wir in eine Schieflage.

"Europa - nur so stark, wie es einig ist"

Aber Merkel zeigt sich zuversichtlich: Wenn es darauf angekommen sei, habe die Europäische Union in den vergangenen Jahrzehnten immer zusammengehalten. Das werde sie auch weiterhin tun. Europa sei nur so stark, wie es einig sei.

Und wir müssen auch die nötigen finanziellen Freiräume für entschiedenes und solidarisches Handeln haben. Deshalb müssen wir auch weiterhin für solide Staatsfinanzen sorgen, also in guten Zeiten vorsorgen, um Handlungsspielräume zu schaffen, mit denen wir auch künftige Krisen bewältigen können.

Da war er noch einmal, der erhobene Zeigefinger der Sparkanzlerin. In den vergangenen Jahren hatte Merkel gerade südeuropäische Länder immer wieder zur Haushaltsdisziplin aufgerufen - und dafür in den Jahren der Finanzkrise auch in Spanien viel Kritik einstecken müssen.

Lob für Merkels Pragmatismus

Heute blickt Spaniens König Felipe voller Hochachtung auf Merkel. Nach seinen Worten war sie ihrer Zeit stets voraus.

Ihr Pragmatismus und ihre Zuverlässigkeit sind ein Symbol für Stabilität in Europa und in der Welt. Als Naturwissenschaftlerin hat sie große analytische Fähigkeiten. Sie kann Kompromisse finden. Und sie hat es oft geschafft, Lösungen für Probleme auf EU-Ebene zu erreichen, die ausgeglichen waren.

Auch die Jury des Europapreises Karl V. stellt klar, dass kaum jemand besser als Managerin Europas auftreten könne als Merkel. Sie sei die "Verkörperung" der europäischen Werte und eine "unerschütterliche Verfechterin des europäischen Integrationsprozesses". Doch bekanntlich nicht mehr allzu lange als deutsche Regierungschefin. Und so war diese Preisverleihung auch ein Besuch, um sich von Spanien zu verabschieden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Oktober 2021 um 16:00 Uhr.