Merkel und Duda beim Händeschütteln

25 Jahre deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag Wie eine "gute, alte Ehe"

Stand: 17.06.2016 12:24 Uhr

Zwischen Berlin und Warschau ist die Stimmung angespannt - nicht nur wegen Unstimmigkeiten bei der Flüchtlingspolitik. Zum Jubiläum des deutsch-polnischen Partnerschaftsvertrags betonten beide Seiten dennoch die Gemeinsamkeiten.

Anlässlich des 25. Jahrestags des Nachbarschaftsvertrags zwischen Polen und Deutschland hat Angela Merkel die Beziehungen beider Länder als "eine wirkliche Erfolgsgeschichte" bezeichnet. Die Bundeskanzlerin und der polnische Präsident Andrzej Duda forderten eine enge deutsch-polnische Zusammenarbeit, die Meinungsunterschiede überbrückt.

Trotz aktueller Meinungsverschiedenheiten betonte Merkel, Deutschland und Polen seien "gute Nachbarn und sogar Freunde". Es könne auch Austausch geben, "wenn man einmal unterschiedlicher Meinung ist".

Der polnische Präsident Duda verglich die Beziehung zu Deutschland mit "einer guten alten Ehe", in der es "auch immer strittige Fragen" gebe. Bei gegenseitiger Sympathie und einer wohlwollenden Haltung könnten diese Meinungsverschiedenheiten jedoch gelöst werden.

Merkel unterhält sich im Kanzleramt mit dem polnisschen Präsidenten Duda
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Merkel unterhält sich im Kanzleramt mit dem polnischen Präsidenten Duda. Beide beschließen, die Beziehung weiter zu pflegen.

Uneinigkeit nicht nur bei der Flüchtlingskrise

Die deutsch-polnischen Beziehungen sind derzeit angespannt. Grund sind unter anderem unterschiedliche Positionen in der Flüchtlingskrise sowie die EU-Kritik am Umgang der polnischen Regierung mit dem Verfassungsgericht des Landes.

Der am 17. Juni 1991 unterzeichnete Vertrag legte den Grundstein für die deutsch-polnische Aussöhnung und Zusammenarbeit. Beide Länder dürften nicht aufhören, an ihren Beziehungen zu arbeiten, sagte Merkel. "Wir müssen immer wieder die Herausforderungen, vor denen wir insgesamt stehen, in den Blick nehmen."

Deutsch-polnische Partnerschaft wichtig für die EU

Die Kanzlerin verwies auf die gemeinsame Mitgliedschaft beider Länder in der Europäischen Union und der NATO. Duda sagte, auch in den kommenden 25 Jahren müssten Deutschland und Polen für ihre gemeinsamen Beziehungen arbeiten, da die Partnerschaft beider Länder ein "wichtiges Fundament" für die Europäische Union sei.

Gemeinsam könnten Deutschland und Polen dafür kämpfen, in der Bevölkerung wieder das Vertrauen in die EU zu stärken. Außerdem wolle man für Probleme wie die Flüchtlingskrise für alle Seiten annehmbare Lösungen finden.

Duda war am Donnerstag bereits von Bundespräsident Joachim Gauck im Schloss Bellevue empfangen worden. Heute Nachmittag steht ein Gegenbesuch Gaucks bei Duda in Warschau auf dem Programm.

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