Bundeskanzlerin Angela Merkel und der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras | Bildquelle: dpa

Merkel in Griechenland Großen Respekt füreinander entwickelt

Stand: 11.01.2019 22:33 Uhr

Kanzlerin Merkel würdigte in Athen den Reformkurs der Regierung. Ihre Worte kamen gut an. Das Verhältnis ist wieder gut - auch weil Merkel klar machte, dass Europa und Deutschland Griechenland brauchen.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Athen

Angela Merkel ist während ihres kurzen Athen-Besuchs in nur 24 Stunden viel gelungen: Sie hat Griechenland für seinen Spar- und Reformkurs die Anerkennung gezeigt, die das Land verdient hat. Und die Kanzlerin hat vielen in der griechischen Bevölkerung erklären können, dass sie wie auch viele andere Deutsche Respekt haben vor der Selbstdisziplin, der Leidensfähigkeit und dem Durchhaltewillen des griechischen Volkes während der Krise.

Das alles tat Merkel natürlich auch, weil Griechenland für Deutschland und für Europa in den letzten Jahren unabhängig von der Finanzkrise wichtiger geworden ist - durch die verschlechterten Beziehungen zur Türkei beispielsweise.

Europa und allen voran das reiche Deutschland brauchen Griechenland nicht nur als immer beliebteres Reiseziel. Viele junge, gut ausgebildete Griechen kommen nach Deutschland, weil sie zu Hause in der Krise keine Perspektive sehen. Sie helfen mit, den enormen Wohlstand in Deutschland zu sichern, über den sich auch die Bundeskanzlerin freuen kann. Denn Merkel wird von vielen Bürgern immer noch als Kanzlerin des Wohlstands anerkannt.

Verlässlicher Partner in Flüchtlingsfragen

Deutschland braucht Griechenland aber auch als einen verlässlichen Partner in Flüchtlingsfragen. Merkel traf auch bei dieser Frage den richtigen Ton. Sie lobte das Land an der Ägäis für stolze Leistungen bei der Aufnahme und Versorgung so vieler Migranten. Sie bekannte sich zu dem Satz, dass Abschreckung durch miserable Unterbringung nicht ihre Sache sei. Und damit sprach Merkel auch die Flüchtlingshelfer an, die Europa vorwerfen, zu wenig gegen überfüllte Camps und inhumane Lebensbedingungen in Massenunterkünften zu tun.

An dieser Stelle muss allerdings Deutschland nachbessern und mithelfen - gerade jetzt im auch kalten griechischen Winter -, dass vor allem Familien mit Kindern schneller in sichere Unterkünfte kommen können. Zu Recht hat Merkel in Athen abermals an alle europäischen Länder appelliert, die Augen vor der Flüchtlingsnot nicht weiter zu verschließen und Migranten aufzunehmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem Oppositionsführer Kyriakos Mitsotakis von der konservativen CDU-Schwesterpartei Nea Dimokratia | Bildquelle: dpa
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Merkel mit Oppositionsführer Mitsotakis von der konservativen Nea Dimokratia. Im Namensstreit mit Mazedonien fanden sie keinen gemeinsamen Nenner.

Sehr unterschiedliche Partner

Das Interessanteste an der Begegnung der konservativen deutschen Kanzlerin mit dem linken griechischen Regierungschef in Athen war, dass sich hier zwei ideologisch gesehen sehr unterschiedliche Partner getroffen haben. Merkel und Tsipras haben über Parteigrenzen hinweg großen Respekt füreinander entwickelt.

Dass gegen Merkel nur noch kleinere Gruppen von Demonstranten protestiert haben, ist ein weiteres Zeichen für ein wieder sehr gutes deutsch-griechisches Verhältnis. Und dass Merkel in der schwierigen Mazedonien-Frage einen konservativen Parteichef in Athen trifft, der den für ganz Europa wichtigen Namenskompromiss blockiert, zeigt ebenfalls, dass sich Parteigrenzen in Krisenzeiten verschoben haben.

Appelle, in Griechenland zu investieren

Entscheidend für einen Erfolg der deutsch-griechischen Zusammenarbeit wird jetzt unter anderem sein, ob die Appelle dieses Besuchs erhört werden. Noch mehr deutsche Unternehmer sollten mutig in Griechenland investieren, denn das ist für das Land natürlich noch viel besser, als griechische Fachkräfte bei uns in Stuttgart, München oder Hamburg aufzunehmen.

Und für eine weiterhin gute deutsch-griechische Freundschaft wird auch wichtig sein, dass Griechenland in diesem Jahr erneut Disziplin zeigt bei seinem Spar- und Reformkurs. Dann könnten zumindest bis zur griechischen Parlamentswahl in diesem Jahr die Regierungschefs beider Länder die derzeit stabilen Beziehungen beibehalten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Januar 2019 um 04:46 Uhr.

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