Liberias Präsident Taylor
Hintergrund

Zur Person: Charles Taylor Angeklagter Kriegsverbrecher und Diamantenhändler

Stand: 29.08.2007 00:55 Uhr

Charles Taylor neigt nicht zu Selbstzweifeln. "Auch Jesus Christus wurde seinerzeit angeklagt, ein Mörder zu sein", sagt der liberianische Präsident, derzeit der einzige amtierende Staatschef, der von einem UN-Tribunal als Kriegsverbrecher angeklagt ist. Der 55-Jährige, der es vom Rebellenführer bis zum Staatschef brachte, gilt in den USA und in Europa als einer der Hauptverantwortlichen für die Destabilisierung ganz Westafrikas.

US-Ausbildung und -Exil

Sein Vater gehörte der elitären Schicht der afro-amerikanischen Liberianer an, die ihre Söhne zum Studium gern in die USA schickten. Mit einem Wirtschaftsdiplom in der Tasche kehrte Tayor 1980 von dort zurück, als Rebellenführer Samuel Doe die Macht übernahm. Taylor erhielt einen Posten, der ihm Zugang zur Staatskasse verschaffte. Er wurde beschuldigt, etwa eine Million Dollar veruntreut zu haben, floh in die USA und wurde dort festgenommen.

Kriegsmüde wählten Taylor zum Präsidenten

Taylor gelang die Flucht aus dem Gefängnis, kehrte in seine Heimat zurück und gründete seine eigene Rebellenbewegung. Nach einem siebenjährigen Bürgerkrieg setzte sich Taylor gegen die übrigen Milizen durch und ließ sich zum Präsidenten wählen. "Er hat meinen Vater und meine Mutter getötet, aber ich wähle ihn trotzdem", lautete eine Aussage, zu der damals viele kriegsmüde Liberianer bereit waren.

Hintergrund für die Anklage als Kriegsverbrecher ist Taylors Unterstützung der Rebellenbewegung RUF in Sierra Leone. Dies erleichterte ihm den Zugang zu den Diamantenminen in dem Nachbarland. Ein UN-Bericht wirft ihm den Handel mit so genannten Blutdiamanten vor. Vor zwei Jahren verhängte der UN-Sicherheitsrat ein Reiseembargo über Taylor und verbot Liberia den Diamantenhandel. Taylor soll Diamanten im Wert von bis zu vier Milliarden Dollar in seinem Besitz haben.

Liberias Präsident Taylor

Charles Taylor

US-Druck zwang zu Exil-Entscheidung

Seit eine britische Militärintervention den Krieg in Sierra Leone beendete, ist Taylor selbst zur Zielscheibe mehrerer Rebellenbewegungen geworden, die von Guinea und von der Elfenbeinküste aus vordringen. Wohl auch auf Druck der USA erklärte sich Taylor schließlich bereit, nach Nigeria ins Exil zu gehen.