Gedenken an Herero-Aufstand Wieczorek-Zeul bittet um Vergebung

Stand: 14.08.2004 12:19 Uhr

Hundert Jahre nach dem Vernichtungsfeldzug gegen das Volk der Herero hat Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul in Namibia um Vergebung für die Gräueltaten der deutschen Kolonialmacht gebeten. "Wir Deutschen bekennen uns zu unserer historisch-politischen, moralisch-ethischen Verantwortung und Schuld, die Deutsche damals auf sich geladen haben", sagte die Ministerin bei der Gedenkfeier zum Jahrestag der entscheidenden Schlacht am Waterberg in Okakarara. "Ich bitte Sie im Sinne des gemeinsamen 'Vater unser' um Vergebung unserer Schuld."

"Verblendet vom kolonialen Wahn"

Es war das erste Mal, dass ein Mitglied der Bundesregierung an einer Gedenkfeier der Herero in der früheren Kolonie Deutsch-Südwestafrika teilnahm. "Ich gedenke mit Hochachtung Ihrer Vorfahren, die im Kampf gegen ihre deutschen Unterdrücker gestorben sind", sagte Wieczorek-Zeul vor mehreren tausend Herero am Ort der Schlacht. "Verblendet von kolonialem Wahn" hätten Deutsche "Gewalt, Diskriminierung, Rassismus und Vernichtung" über das Land gebracht. Heute würden die Verbrechen von damals als Völkermord bezeichnet und der Oberbefehlshaber der deutschen Kolonialtruppe, General Lothar von Trotha, vor Gericht verurteilt. Bei der Gedenkfeier rief die Ministerin zur Versöhnung auf. Voraussetzung dafür seien "bewusste Erinnerung" und "tiefe Trauer".

Keine "entschädigungsrelevante" Entschuldigung....

Nach ihrer Rede gab es Applaus, aber auch Rufe nach einer Entschuldigung. Die Rede der Ministerin war in Namibia mit Spannung erwartet worden. Vertreter der Herero dringen seit Jahren auf eine offizielle Entschuldigung der Bundesregierung und eine Einordnung der Verbrechen als Völkermord. Eine Herero-Gruppe fordert auch Entschädigungszahlungen und reichte deswegen in den USA Klagen ein, die aber nicht mehr anhängig sind. Bundesaußenminister Joschka Fischer hatte bei seinem Besuch in Namibia im Oktober eine "entschädigungsrelevante Entschuldigung" abgelehnt.

.... aber großzügige Entwicklungshilfe

Wieczorek-Zeul versprach Namibia weitere Entwicklungshilfe und Unterstützung bei der Landreform. Nambia erhält pro Kopf gerechnet am meisten Entwicklungshilfe aus Deutschland. Seit der Unabhängigkeit des Landes 1990 flossen mehr als 500 Millionen Euro. Die Herero hatten sich 1904 mit einem Aufstand gegen die Unterdrückung durch die deutschen Kolonialherren zur Wehr gesetzt und mehr als hundert Deutsche getötet. Daraufhin startete der Oberbefehlshaber der so genannten Deutschen Schutztruppe einen brutalen Vernichtungsfeldzug, dem Schätzungen zufolge mindestens 60. 000 Herero und 10.000 Angehörige des Nama-Volkes zum Opfer fielen. Heute leben wieder 120.000 Herero und 60.000 Nama als Minderheiten in Namibia.

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