Am 21. November 2005 gab Ariel Scharon seinen Austritt aus der Likud-Partei bekannt. Er kündigte den Gründung einer neuen Partei Kadima für die Wahlen im März an.

Porträt Ariel Scharon Als Politiker immer eine Reizfigur gewesen

Stand: 02.01.2014 11:01 Uhr

Ariel Scharon galt seinen Landsleuten jahrzehntelang als unbesiegbar: Was der ehemalige General und spätere Politiker anpackte, zog er durch. Die Israelis nannten ihn deswegen "Bulldozer". Der Politiker Ariel Scharon ist immer eine Reizfigur gewesen.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv

Für viele Palästinenser ist er ein Kriegsverbrecher, für viele Israelis ein Kriegsheld, kein Zweifel: Ariel Scharon ist eine Reizfigur. Aus Sicht der meisten Israelis ist er derjenige, dem sie fast blind vertrauen, wenn es um die Sicherheit des Staates geht. Die wichtigste Grundlage seiner Politik skizzierte Scharon 2001 in seiner ersten Regierungserklärung: "Unsere Hand ist zum Frieden ausgestreckt, unser Volk sucht den Frieden. Wir wissen, dass Frieden auf beiden Seiten mit schmerzhaften Kompromissen verbunden ist. Wir werden mit den Palästinensern verhandeln, um politische Abkommen zu erzielen, aber nicht unter dem Druck von Terror und Gewalt."

Am 21. November 2005 gab Ariel Scharon seinen Austritt aus der Likud-Partei bekannt. Er kündigte den Gründung einer neuen Partei Kadima für die Wahlen im März an.

Am 21. November 2005 gab Ariel Scharon seinen Austritt aus der Likud-Partei bekannt. Er kündigte den Gründung einer neuen Partei Kadima für die Wahlen im März an.

Kaum Diplomatie, dafür Gewalt

Keine Verhandlungen unter Feuer - dieser Richtlinie blieb Scharon treu. Nach seiner Amtsübernahme kamen auch die letzten Kontakte zur palästinensischen Führung zum Erliegen. Bis heute startete Scharon keine einzige diplomatische Initiative zur Beilegung des Konflikts. Auf die Intifada der Palästinenser antwortete er mit Gewalt. Um den Aufstand gegen die Besatzung niederzuschlagen, setzte er selbst Apaches, F-16 und Kampfpanzer ein. "Israel befindet sich im Krieg, im Krieg gegen den Terror. Ein Krieg, der uns aufgezwungen wurde, den wir nicht wollten. Ein Krieg um die Heimat. Alles, was wir für unsere Bemühungen bekommen haben, ist Terror und noch mal Terror."

Ein Mann ohne Grenzen

Scharons Freunde nennen ihn risikofreudig, seine Gegner rücksichtslos, und Freund und Feind kennen ihn als jemanden, der keine Grenzen hat und an keiner roten Ampel stoppt. Dies kostete ihn in den 80er Jahren das Amt des Verteidigungsministers: Als christliche Milizen unter den Augen israelischer Soldaten hunderte Palästinenser in den libanesischen Flüchtlingslagern Sabra und Schatila abschlachteten, machte eine israelische Untersuchungskommission Scharon indirekt dafür verantwortlich.

Raus aus dem Gaza-Streifen

Ideologisch zuhause ist Scharon in der Siedlungsbewegung, er war ihr Architekt und Baumeister. Umso überraschter waren seine politischen Freunde, als er 2004 plötzlich ankündigte, er wolle die Siedlungen und Armeeposten im Gaza-Streifen aufgeben.

Siedler bauen die Einrichtugn ihres Hauses ab

Jüdische Siedler bereiten sich auf dem Abzug im Gaza-Streifen vor.

Israelische Polizisten

Umstrittene Käfige für renitente Siedler.

In Zukunft werde es "keine Juden im Gaza-Streifen mehr geben", sagte Scharon: "Wir haben eine Entscheidung über die Prioritäten getroffen: Wir gehen raus aus dem Gaza-Streifen - aus einer Gegend, in der es überhaupt keine Chance gibt, dort eine jüdische Mehrheit anzusiedeln. Gleichzeitig richten wir unser Hauptaugenmerk auf die Regionen, die für die Sicherung unserer Existenz am wichtigsten sind: Galiläa, der Negev, der Großraum Jerusalem, die Siedlungsblocks und die Sicherheitszonen. Ich habe den Trennungsplan initiiert, weil er das beste Instrument für eine grundlegende Änderung der nationalen Situation Israels ist."

Der Abzug aus dem Gaza-Streifen soll es Israel also erlauben, den größten Teil des Westjordanlands auf ewig zu behalten, ohne dass die Palästinenser dabei mitzureden hätten. Scharons Unilateralismus ist beliebt in Israel. Seine neue Partei sah der Regierungschef als das Vehikel, diese Politik fortzusetzen. Doch kaum ein Israeli hat heute noch die Hoffnung, dass Scharon in der Lage sein wird, an seinen Schreibtisch zurückzukehren.