Stau in Jakarta

Dauerstau in Jakarta Autofahren? Sinnlos!

Stand: 20.06.2012 15:53 Uhr

Stau bestimmt das Leben in Jakarta. Busse und Bahnen helfen in der indonesischen Hauptstadt wenig. Der Lebensraum von 30 Millionen Menschen ist kaum vernetzt. Sie vergeuden deshalb viel Lebenszeit in Verkehrsmitteln und schlafen nicht genug. Solche Probleme von Megacitys sind auch Thema das Gipfels Rio+20.

Von Udo Schmidt, ARD-Hörfunkstudio Südostasien

Jakarta ist mit mehr als neun Millionen Einwohnern im Kerngebiet und knapp 30 Millionen, wenn man das Einzugsgebiet hinzuzählt, keine Stadt, die zum Fahrrad fahren einlädt. Es ist nicht einmal eine Stadt, die Fahrrad fahren wirklich zulässt. Es gibt keine Fahrradwege, es gibt ja kaum Bürgersteige und auch viel zu wenige Busspuren oder Bahntrassen. Fahrradwege erscheinen also fast schon wie ein Luxus.

Radfahrer in Jakarta
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Wer in Jakarta Rad fährt, setzt damit ein Zeichen gegen den Verkehrskollaps der Stadt.

Wer in Jakarta Fahrrad fährt, tut das in dem Gefühl, etwas zu sagen zu haben, dem Verkehrschaos in der indonesischen Hauptstadt, dem Dauerstau, der gerne in stundenlangem Stillstand mündet, etwas entgegensetzen zu wollen. Zehntausende Mitglieder der Gruppe "Bike to work" fahren mit dem Fahrrad zu Arbeit. Toto Sugito, der "Bike to work"-Gründer, räumt  ein, dass es nicht immer einfach ist. "Rad fahren bedeutet, immer sehr, sehr aufmerksam zu sein", berichtet er. "Manchmal stoppen die Motorrikschas oder die Kleinbusse einfach direkt vor uns, ohne es vorher angezeigt zu haben. Aber wir werden nicht aufhören, für das Radfahren zu werben."

Höchstens 20 Kilometer pro Stunde

Seiner Meinung nach gibt es keine Alternative. Autofahren in Jakarta funktioniere einfach nicht mehr, sagt er: "Die Durchschnittsgeschwindigkeit von Autos in Großstädten liegt bei höchstens 20 Kilometern in der Stunde. Warum fahren wir dann Auto? Das macht doch keinen Sinn."

Ratnasari
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Ratnasari braucht jeden Tag drei Stunden für den Weg von zu Hause bis in ihr Büro

Aber nicht jeder kann den weiten Weg mit dem Rad bewältigen, und viele haben keine Bushaltestelle vor der Tür, nicht einmal im weiteren Umkreis. Wie Ratnasari etwa. Sie arbeitet als Abteilungsleiterin im indonesischen Umweltministerium und ist Mutter zweier Kinder. Eigentlich sollte sie Vorbild sein und mit Bus und Bahn zur Arbeit fahren. Aber es geht nicht. Ihre Außenstelle des Ministeriums liegt mitten in Jakarta, direkt neben einer Hochstraße und ohne Anschluss an eine regelmäßige Busverbindung. Von einer Bahn ganz zu schweigen. Also kommt Ratnasari täglich mit dem Auto ins Ministerium.

Drei Stunden Fahrt zum Büro

"Ich muss immer um 8.30 Uhr zu unserer Frühkonferenz im Büro sein. Ich stehe also um vier Uhr auf und starte dann um fünf mit meinen Kindern im Auto, die dort auch frühstücken", erzählt sie. "Die Kinder lasse ich um 6.30 Uhr an der Schule raus, ich bin dann so gegen kurz nach acht im Büro. Wenn ich nur eine halbe Stunde später los fahre, komme ich nicht vor halb zehn an."

Keine Infrastruktur für die Millionen Pendler

Jakarta muss täglich mehrere Millionen Pendler verkraften, die zur Arbeit aus dem Umland in die Stadt fahren - und für die keine Beförderung vorgesehen ist. Die Staus in der Stadt sind legendär. Sie bestimmen den Tagesablauf jedes Einwohners. Busse stehen ebenfalls im Stau oder sind gar nicht vorhanden.

Der Bau einer Hochbahn, MRT, Mass Rapid Transport genannt, scheiterte bereits zweimal, weil die Investitionssumme in den Taschen korrupter Politiker verschwand, bevor die ersten Betonstelzen fertiggestellt waren. Somit bleiben nur die Vorortzüge.

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