Verwaiste Strandliegen stehen am Strand

Steigender Meeresspiegel Die Wirtschaft geht den Bach runter

Stand: 17.02.2019 05:10 Uhr

Welche wirtschaftlichen Folgen könnte ein Anstieg des Meeresspiegels haben? US-Forscher gingen dieser Frage nach und kamen für die Stadt Annapolis zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Es sind nicht die großen Katastrophen. Es sind kleine Ereignisse, die der großen Veränderung voraus gehen. Der Meeresspiegel ist um ein paar Zentimeter gestiegen und die kleinen Geschäfte am alten Hafen von Annapolis in der Nähe von Washington machen 100.000 Dollar weniger Umsatz. Hier ist Klimawandel nichts Abstraktes, sondern ganz konkret.

Was ist passiert? Immer wenn die Flut höher ist als normal, werden der Parkplatz am Hafen, die Straßen und die Gehwege bis zu den Türen der Geschäfte überflutet. Nach ein paar Stunden, mit der Ebbe, ist alles wieder weg. Sonnenscheinflut nennen sie das. Allein in den USA gibt es das in mehr als 200 Küstenstädten.

Nur: "In den 1950er-Jahren hatten die Gemeinden durchschnittlich zwei Überflutungen im Jahr. Im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts ist das auf gut elf im Jahr gestiegen", berichtet Christopher Field von der Universität Stanford.

Luftaufnahme der Insel Tangier | Bildquelle: picture alliance / AP Images
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Auch die Insel Tangier an der Küste Virginiasist vom Klimawandel bedroht. Gut 60 Prozent der Insel sind in den vergangenen 150 Jahren verschwunden - der Rest wird möglicherweise schon in den nächsten 25 Jahren untergehen.

 Die Flut kommt immer öfter

In Annapolis an der Chesapeake Bay, keine Kilometer Luftlinie vom Atlantik entfernt, ist die Veränderung besonders groß: In den 1960er-Jahren stieg die Flut durchschnittlich vier Mal im Jahr über die Ufer. 2017 passierte das 63 Mal; weil der Meeresspiegel gestiegen ist.

Forscher der Universität Standford wollten wissen, welche ökonomischen Folgen das hat. Sie analysierten Parkautomaten, Flutwehre, Überwachungskameras, Umsätze von Geschäften und vieles mehr, um genaue Daten zu bekommen. Dann verglichen sie bestimmte Tage über mehrere Jahre miteinander - zum Beispiel einen sonnigen Dienstag im Oktober mit und ohne Überflutung.

Das Ergebnis: "Überschwemmung durch hohe Flut reduzierte die Besucher um zwei Prozent oder 3000", sagt Miyuki Hino, die die Studie leitete.

30 Zentimeter verzwölffachen den Schaden

Da, wer nicht kommt, auch nichts kauft, bleibt der Umsatz aus. Die Folge: ungefähr 100.000 Dollar weniger Geld in den Kassen. Solche Studien will man nun auch in anderen Gemeinden an anderen Küsten machen. Und vor allem die Folgen abschätzen, wenn der Meeresspiegel weiter steigt.

Bei sieben Zentimeter würde sich der Umsatzrückgang verdoppeln. Bei 30 Zentimeter, was die Klimaforscher bis 2035 für möglich halten, würde sich der Schaden verzwölffachen - so die Berechnung der Wissenschaftler.

Die Stadt Annapolis hat eng mit den Forschern zusammengearbeitet.Sie will nicht einfach nur zuschauen, sondern "vorbauen": Zum Beispiel sind höhere Molen und Fußgängerwege eine Idee, aber auch die Fluttage als besondere Attraktion zu vermarkten und Touristen anzulocken.

Über dieses Thema berichtete NDR Info im "Mittagsecho" am 17. Februar 2019 um 13:00 Uhr.

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