Thomas Perlmann  verkündet die Nobelpreisträger | Bildquelle: AFP

Semenza, Ratcliffe und Kaelin Medizin-Nobelpreis an drei Zellforscher

Stand: 07.10.2019 15:21 Uhr

Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an die US-Zellforscher Kaelin und Semenza sowie an den Briten Ratcliffe. Sie haben molekulare Mechanismen entdeckt, mit denen Zellen den Sauerstoffgehalt wahrnehmen.

Der Nobelpreis für Physiologie und Medizin geht in diesem Jahr an drei Zellforscher, die elementare Mechanismen in Zellen entdeckt haben. William Kaelin, Gregg Semenza und Peter Ratcliffe haben erforscht, auf welche Weise Zellen den schwankenden Sauerstoffgehalt ihrer Umgebung wahrnehmen und sich daran anpassen.

Wie die Jury des schwedischen Karolinska-Institut mitteilte, ist die Kenntnis dieser Mechanismen wichtig für die Behandlung vieler verschiedener Krankheiten. Die Entdeckung habe den Weg für vielversprechende medizinische Strategien frei gemacht, mit denen etwa Blutarmut oder Krebs bekämpft werden können.

Medizin-Nobelpreis für Forschung über Sauerstoffhaushalt von Zellen
tagesschau 17:00 Uhr, 07.10.2019, Veronika Simon, SWR

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Der Weg zur kontrollierbaren Zellatmung

Den drei Wissenschaftlern sei es gelungen, Licht in einen der lebenswichtigen Anpassungsprozesse zu bringen, der sich in Lebewesen abspielt: Zellatmung. Dabei wird Sauerstoff, der durch die Atmung aufgenommen wird, gemeinsam mit in Traubenzucker umgewandelter Nahrung zu Wasser und CO2 verstoffwechselt.

Kaelin, Semenza und Ratlciffe haben die Gensequenz entdeckt, die ein Eiweiß kodiert, das in praktisch sämtlichen Zellen steckt. Dieses Protein "misst" gewissermaßen den Sauerstoffgehalt der Zellumgebung. Und genau davon ist die Intensität der Zellatmung abhängig - und auch andere physiologische Prozesse: Ist zum Beispiel wenig Sauerstoff vorhanden, produziert der Körper zusätzliche rote Blutkörperchen, um möglichst viel O2 in die Zellen transportieren zu können.

Einsatz gegen aggressive Tumore

Bei manchen Krankheiten, wie z.B. Anämie oder Leukämie, sind diese Mechanismen jedoch gestört. Die Forschungsergebnisse der drei frisch gebackenen Nobelpreisträger helfen nach Einschätzung der Jury bei der Entwicklung von Medikamenten, die genau hier ansetzen: indem sie nämlich die Sauerstoffwahrnehmung der Zellen entweder aktivieren, einschränken oder sogar ganz stoppen.

So könnte beispielsweise das Wachstum von Krebszellen gehemmt werden, indem der molekulare Mechanismus deaktiviert wird. Denn besonders aggressive, weil schnell wachsende Tumorzellen verbrauchen besonders viel Sauerstoff. Wird die O2-Zufuhr in ihrer unmittelbaren Umgebung gestoppt, könnte dies auch das Wachstum des Krebsgeschwürs hemmen, so die Hoffnung der Wissenschaftler.

Randall Johnson erklärt das Forschungsfeld der Nobelpreisgewinner | Bildquelle: AFP
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Randall Johnson erklärt das Forschungsfeld der Nobelpreisgewinner.

Auftakt der Nobelpreis-Woche

Mit der Vergabe der Auszeichnung für Physiologie und Medizin wird traditionell die Nobelpreiswoche eröffnet. Der Preis ist mit umgerechnet rund 830.000 Euro dotiert. Im vergangenen Jahr ging er an den US-Forscher James Allison und seinen japanischen Kollegen Tasuku Honjo für die Entwicklung von Immuntherapien gegen Krebs.

Der Medizin-Nobelpreis wird - ebenso wie die Preise für Physik, Chemie, Literatur und Friedensbemühungen -  seit 1901 vergeben. Ausgezeichnet werden Forscher, die sich um die Fortentwicklung der Physiologie und Medizin verdient gemacht haben.

Ihr Stifter, der schwedische Erfinder und Industrielle Alfred Nobel, war fünf Jahre zuvor verstorben. In seinem Testament hatte er verfügt, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werde, deren Zinsen jene erhalten, die im jeweils vorangegangenen Jahr die größten und der Menschheit nützlichsten Erfindungen und Entdeckungen gemacht haben.

Dieses Vermächtnis Nobels hatte einen sehr persönlichen Hintergrund: Als Erfinder des Dynamits hatte er zeitlebens nicht verwinden können, dass eine seiner größten Entdeckungen für Kriege genutzt wurde.

In der Tradition von Robert Koch

Erster Preisträger des Medizin-Nobelpreises war 1901 der deutsche Bakteriologe Emil Adolf von Behring: Er hatte die Serum-Therapie gegen Diphtherie erfunden. Zu weiteren bekannten Preisträgern gehören Mediziner wie Robert Koch, Paul Ehrlich, Alexander Fleming und Iwan Pawlow, aber auch Molekularbiologen wie James Watson und Francis Crick und der Verhaltensfortscher Konrad Lorenz.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Oktober 2019 um 12:00 Uhr.

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