Diabetis-Medikament Mediator

Französische Behörde stellt Studie vor Hunderte Tote durch Diabetes-Medikament?

Stand: 16.11.2010 22:09 Uhr

Ein Diabetes-Medikament könnte in Frankreich den Tod von 500 Patienten in gut drei Jahrzehnten verursacht haben. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Aufsichtsbehörde für die Sicherheit von Medikamenten in Paris vorgestellt hat.

Insgesamt nahmen etwa fünf Millionen Menschen Mediator. Der Studie nach sollen 3500 Patienten, die das Medikament eingenommen hätten, im Krankenhaus behandelt worden sein. In Deutschland war das Mittel mit dem Wirkstoff Benfluorex nie auf dem Markt. Vor allem für eine Verdickung der Herzklappen als Nebenwirkung wird das Medikament verantwortlich gemacht.

Diabetis-Medikament Mediator

Mediator wurde in Frankreich spät verboten - Kritiker fragen, warum?

Gesundheitsminister Xavier Bertrand rief Patienten auf, die das Medikament länger als drei Monate genommen hatten, sich bei ihrem Hausarzt zu melden. Mediator ist seit vergangenem November in Frankreich verboten.

Hersteller weist Vorwürfe zurück

Der Hersteller, der französische Pharmakonzern Servier, bestreitet die Ergebnisse. Es handele sich um "Schlussfolgerungen aus Hypothesen", betonte das Unternehmen. Servier brachte Mediator 1979 als Diabetes-Medikament auf den Markt. Es wurde jedoch auch häufig Übergewichtigen als Hungerzügler verschrieben. Es ähnelt in seiner Zusammensetzung einem anderen Medikament, das Servier bereits 1997 vom Markt nehmen musste.

Mehrere Patienten klagten gegen den Pharmakonzern. Der oppositionelle Abgeordnete Gérard Bapt sprach von einem Skandal des Gesundheitswesens. Es sei nicht zu verstehen, warum Frankreich das Medikament nicht wie andere Länder auch schon früher verboten habe.

2009 untersuchte die Europäische Arzneimittelagentur den Wirkstoff in Verbindung mit einer Herzklappenfehlfunktion bei Patienten. Daraufhin ließ es die Behörde europaweit vom Markt nehmen. Betroffen waren auch Länder wie Frankreich und Portugal.