Schauspielerin Rose McGowan | Bildquelle: REUTERS

Weinstein-Opfer Rose McGowan "Wir haben dich gekriegt"

Stand: 26.05.2018 04:59 Uhr

Die Schauspielerin erhob als eine der ersten öffentlich Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Hollywood-Produzent Harvey Weinstein. Seine Verhaftung ist ein guter Tag für sie.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Rose McGowan sitzt im "NBC"-Fernsehstudio und weint. Vor Freude, vor Wut vor Erleichterung. Im Hintergrund laufen die Bilder von Harvey Weinstein über die Monitore. In Handschellen humpelt er wie ein alter gebrechlicher Mann über den Parkplatz Richtung Auto. McGowan genießt den Anblick. "Wir haben dich gekriegt", sagt sie.

Sie habe nicht geglaubt, dass dieser Tag noch komme, so die Schauspielerin. Vor 20 Jahren, sagt sie, habe dieser Harvey Weinstein, dieses "psychopathische Raubtier", wie sie ihn nennt, sie am Rande des Sundance-Filmfestivals vergewaltigt. Sie war damals Schauspielerin Anfang 20. Er war der König von Hollywood.

Weinstein festgenommen | Bildquelle: REUTERS
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Harvey Weinstein in Handschellen in New York.

Jetzt steht der König in Handschellen vor dem Richter in New York und ist angeklagt: Vergewaltigung, sexuelle Nötigung. Sexuelle kriminelle Handlungen. Mindestens zwei Fälle. Zwei. Dabei haben über 100 Frauen Weinstein mittlerweile beschuldigt seit über einem halben Jahr.

"Schlechtes Benehmen"

Warum dauerte es so lang: Rose McGowan zuckt mit den Schultern. Es sei tragisch, dass es über 100 Frauen braucht, wahrscheinlich waren es mehr als tausend. Der Mann hatte sein Jagdrevier überall auf der Welt.

Die Schauspielerin, mittlerweile 44 Jahre alt, wirft der Staatsanwaltschaft vor, erst durch den öffentlichen Druck, die Me-Too-Bewegung, die immer neuen Anschuldigungen, den mächtigen Harvey Weinstein angeklagt zu haben. Spät. Fast zu spät. Aber, sagt McGowan, dies sei ein großer Schlag mitten hinein ins Herz des Machtmissbrauchs.

Genau das hatte die Vertreterin der Staatsanwaltschaft am Morgen Weinstein vorgehalten. Seine Macht, sein Geld, seine Position dazu genutzt zu haben, junge Frauen zu missbrauchen. Weinsteins Anwalt Ben Brafman lächelt all das weg. Sein Mandant werde auf "nicht schuldig" plädieren. Sein Job als Anwalt sei es nicht, schlechtes Benehmen zu verteidigen, allenfalls kriminelles Verhalten.

"Es fühlt sich gut an"

Schlechtes Benehmen? Zählt Vergewaltigung auch dazu? Es habe keine gegeben, sagt der Anwalt. "Mr. Weinstein hat immer betont, jeder Sex sei einvernehmlich passiert. Er hat sehr energisch bestritten, dass es nicht einvernehmlichen Sex gegeben habe", so Brafman.

Dutzende Frauen sagen das Gegenteil. McGowan ist eine von ihnen. Das Bild ihres mutmaßlichen Peinigers in Handschellen - für sie ist es surreal und real zugleich. Sie fühle sich wie in einem Gemälde von Salvador Dali.

Am 30. Juli wird der Mann wieder vor Gericht stehen. Erstmals befragt werden. "Weinstein in Handschellen. Egal ob er grinst oder nicht. Es fühlt sich gut an", sagt McGowan.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Mai 2018 um 07:09 Uhr.

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