US-Senator McCain gestorben

Vom Vietnam-Veteran zum Vollblut-Politiker

Stand: 26.08.2018 02:55 Uhr

Er war Kampfpilot in Vietnam, trat gegen Obama als Präsidentschaftskandidat an, gehörte zu den bekanntesten Politikern der Republikanischen Partei. Nun ist US-Senator John McCain gestorben.

Von Claudia Buckenmaier, ARD-Studio Washington

John McCain war bekannt als Kämpfer. Schwäche hat er nie gezeigt. Auch nicht nach der Krebsdiagnose. Ein Gehirntumor mit der denkbar schlechtesten Prognose. Doch der Vietnam-Veteran und Vollblutpolitiker konnte sich einen Rückzug ins Private nicht vorstellen. Kaum operiert war er auf dem Weg zurück in den Senat.

Republikaner wie Demokraten zollten ihm Respekt. Dabei war er zurückgekommen, um seiner eigenen Partei den Spiegel vorzuhalten. Mit seiner Stimme verhinderte McCain im Juli 2017 die Abschaffung von Obamacare. Seine Rede im Senat klang schon damals wie sein politisches Vermächtnis: "Was haben wir zu verlieren, wenn wir versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden? Getrennt schaffen wir nicht viel," mahnte er die Politiker beider Parteien.

 

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John McCain ist tot

tagesschau24 09:00 Uhr, 26.08.2018, Claudia Buckenmaier, NDR

Fünfeinhalb Jahre im Foltergefängnis

McCain stammte aus einer Offiziersfamilie. Auch er wählte die militärische Laufbahn. An der Marine-Akademie in Annapolis machte er seinen Abschluss und flog dann als Kampfpilot im Vietnam-Krieg. Dieser Einsatz prägte sein weiteres Leben. Im Herbst 1967 wurde der junge Soldat abgeschossen und landete in einem berüchtigten Foltergefängnis der Nord-Vietnamesen. Bilder eines Verhörs des verletzten Piloten gingen um die Welt.  

John Sidney McCain III. (rechts neben seiner Mutter Roberta) wurde am 29. August 1936 in eine Soldatenfamilie geboren.
1965 zog McCain als Soldat in den Vietnam-Krieg, wurde 1967 angeschossen, landete in einem Foltergefängnis.

Fünfeinhalb Jahre ertrug McCain Gefangenschaft und Folter. Die vietnamesische Seite glaubte anfangs, ein Faustpfand gegen die USA in der Hand zu halten, da McCains Vater ein wichtiger Offizier war. Doch der Sohn lehnte eine frühzeitige Freilassung ab. 1973 kehrte er gezeichnet in die USA zurück. Mit den körperlichen Folgen hatte er für den Rest seines Lebens zu kämpfen, aber sein Land feierte ihn als Kriegshelden.

Rückkehr 1973. Präsident Nixon empfängt McCain als Kriegsheld.

Senator mit Präsidentschaftsambitionen

Hoch dekoriert ging der Mann, der bisher alles seiner militärischen Laufbahn unterworfen hatte, in die Politik. Zuerst als Mitglied des Repräsentantenhauses, dann, ab 1987, war er im Senat. McCain unternahm im Jahr 2000 einen ersten Anlauf, als Präsidentschaftskandidat nominiert zu werden. Aber im Vorwahlkampf unterlag er George W. Bush.

Schon damals war McCain vielen in seiner Partei zu unberechenbar, zu wenig auf Linie. Fünf Jahre später sahen viele den Beleg dafür, als der Politiker gegen Präsident Bush ein Anti-Folter-Gesetz durchbrachte. Er, der selbst unter Folter gelitten hatte, sprach mit hoher Glaubwürdigkeit.

Die Präsidentenwahl am 4. November 2008 gewann Barack Obama mit 52,9 % der Stimmen deutlich gegen McCain.

Als der Querdenker und oft auch Einzelgänger 2008 doch noch ins Rennen ums Präsidentenamt gehen konnte, verließ ihn schnell sein politisches Gespür. Als Kandidatin für das Amt des Vizepräsidenten wählte er Sarah Palin, die Gouverneurin von Alaska. Sie sollte sein Image vor allem bei streng konservativen Wählern aufbessern. Doch die umstrittene Politikerin schreckte viele ab. McCain verlor deutlich gegen Barack Obama.

Auch wenn der Republikaner im Wahlkampf immer wieder als unversöhnlicher Hardliner aufgetreten war, zeigte er in der Niederlage, was seine politische Laufbahn prägte: "Wir sollten unserem nächsten Präsidenten unseren guten Willen anbieten. Wir sollten uns ehrlich bemühen, die nötigen Kompromisse zu finden, um unsere Unterschiede zu überwinden." So gratulierte der Geschlagene Obama.

Die parteiübergreifende Zusammenarbeit zu suchen, das war zeitlebens eines seiner politischen Ziele. Im Senat arbeiten zu dürfen, das sei eine große Ehre und eine außergewöhnliche Aufgabe, erinnerte McCain die anderen Senatoren. In den Memoiren seiner Familie hat der 81-jährige sein Lebensziel so umschrieben: "Nichts im Leben ist befreiender als für etwas zu kämpfen, das größer ist als man selbst. Etwas, das einen umfasst, aber nicht nur durch die eigene Existenz definiert wird."

Senator John McCain auf dem Weg zum Kapitol in Washington im Juli 2017 - noch gezeichnet von einer Operation.

Unbequem, widersprüchlich, respektiert

McCain war ein unbequemer Politiker, manchmal auch widersprüchlich, aber respektiert dafür, dass er seine Prinzipien immer wieder vor die Parteidisziplin stellte, ohne deshalb zum Verbündeten der Demokraten zu werden. Doch dieser Respekt konnte nicht verbergen, dass der über Jahrzehnte als Nationalheld gefeierte McCain zugleich oft genug Außenseiter im derzeit so gespaltenen politischen Washington war.