Vor dem Kapitol in Washington wehen die Flaggen nach dem Tod des Senators McCain auf Halbmast. | Bildquelle: dpa

Tod des US-Senators McCain Es bleibt tiefer Respekt

Stand: 26.08.2018 15:22 Uhr

Seine politische Haltung wurde nicht von allen geteilt, seine Unbeugsamkeit aber hoch geschätzt: Nach dem Tod John McCains haben Politiker weltweit das Engagement des Republikaners gewürdigt.

Weltweit haben Politiker den verstorbenen Republikaner und US-Senatoren John McCain gewürdigt. Die Zeichen der Anteilnahme reichen sogar bis nach Vietnam, wo der frühere Soldat 1967 gefangen genommen und über mehrere Jahre gefangen gehalten wurde.

Noch am Samstagabend wurden vor dem Kapitol und dem Weißen Haus in Washington D.C. die Flaggen auf Halbmast gesetzt. Vor der Ranch des im Alter von 81 Jahren an Krebs verstorbenen Politikers im US-Bundesstaat Arizona legten Anwohner Blumen nieder.

Würdigende Worte - auch von politischen Gegnern

US-Präsident Donald Trump sprach der Familie von John McCain sein "tiefstes Mitgefühl und Respekt" aus. Auf Twitter schrieb er: "Unsere Herzen und Gebete sind bei Euch!"

Trumps Vorgänger im Weißen Haus, Barack Obama, teilte mit, trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten hätten sie eine "Treue zu etwas Höherem" geteilt: "die Ideale, für die Generationen von Amerikanern und Einwanderern gleichermaßen kämpften, marschierten und Opfer gaben". McCain und er hätten ihre "politischen Schlachten sogar als ein Privileg betrachtet, etwas Nobles, eine Gelegenheit, in der Heimat als Hüter jener hohen Ideale zu dienen, und sie in der Welt voranzutreiben".

Ehrende Worte kamen auch von weiteren ehemaligen US-Präsidenten: McCain habe Parteiinteressen im Interesse des Gemeinwohls beiseite geschoben, würdigte etwa Bill Clinton den Verstorbenen.

Ex-Präsident George W. Bush äußerte sich ebenfalls per Tweet: "Manche Menschenleben sind so strahlend, dass es schwerfällt sich vorzustellen, sie könnten enden. Einige Stimmen sind so kräftig, dass man nur schwer glauben kann, sie könnten verstummen. John McCain war ein Mann von tiefer Überzeugung und ein Patriot höchsten Ranges."

McCain sei "eine Inspiration für Millionen" gewesen, sagte der Premierminister des Nachbarstaates Kanada, Justin Trudeau. Der Republikaner habe sein gesamtes Leben dem öffentlichen Dienst gewidmet.

"Im Dienst für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit"

Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ ihre Anteilnahme über Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilen: "Wir verlieren mit ihm einen Menschen, dessen persönlicher Mut und dessen Aufrichtigkeit auch sein politisches Wirken prägten", teilte Seibert im Namen Merkels mit. "John McCain war geleitet von der festen Überzeugung, dass der Sinn jeglicher politischer Arbeit im Dienst für Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu finden sei. Sein Tod ist ein Verlust für alle, die diese Überzeugung teilen."

Auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen zeigte sich beeindruckt von McCain als einem "eindrucksvollen, gradlinigen, tapferen und unbeugsamen Charakter". Sein Tod sei "ein schwerer Verlust für die Weltgemeinschaft", hieß es von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble.

Anteilnahme weit über US-Grenzen hinaus

McCains politischer Haltung wurde über die Grenzen der USA hinaus gehört und geschätzt - so genoss er etwa im Baltikum Ansehen für seine russlandkritische Haltung. Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite und der Außenminister des Landes, Linas Linkevicius, zollten dem US-Senator ihren Respekt. "Wir haben einen der größten moralischen Giganten unserer Zeit verloren", schrieb Linkevicius.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu würdigte McCain gleich in mehreren Tweets. Mit dem Republikaner habe ihn eine persönliche Freundschaft verbunden, so Netanyahu. Sein Land habe in dem Senatoren stets einen starken Unterstützer gefunden.

Blumen für McCain in Vietnam

Auch in Vietnam, dem Land, in dem der einstige US-Soldat McCain gefangen genommen und inhaftiert worden war, zeigten Bürger Anteilnahme. Vor dem McCain-Denkmal in Hanoi legten Bewohner der Stadt Blumen zu Ehren des Politikers nieder. Das Denkmal steht am Ufer des Trúc Bach Lake, aus dem McCain 1967 gerettet wurde, nachdem sein Kampfjet abgeschossen worden war.

Ein Bewohner der vietnamesischen Stadt Hanoi legt am McCain-Denkmal Blumen zu Ehren des verstorbenen US-Senators nieder. | Bildquelle: AFP
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Ein Bewohner der vietnamesischen Stadt Hanoi legt am McCain-Denkmal Blumen zu Ehren des verstorbenen US-Senators nieder.

McCain wird in dem Land von vielen geschätzt - gerade wegen seines Einsatzes im Vietnam-Krieg. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Parlamentarier Duong Trung Quoc den Amerikaner als "Symbol der Versöhung" bezeichnet. In Kriegszeiten habe er nur seine Pflicht als Staatsbürger erfüllt.

Selbst Tran Tong Duyet hegt positive Erinnerungen an McCain. Duyet war einst Direktor des Hoa-Lo-Gefängnisses, auch zu der Zeit, als McCain darin inhaftiert war. Der Oberst im Ruhestand erinnerte sich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP an die "Hartnäckigkeit" und die "starke Haltung" des damaligen US-Soldaten. McCain habe ihm damals Englisch beigebracht, berichtete Duyet. Zum Schluss hätte ihn und den Amerikaner sogar eine fast freundschaftliche Ebene verbunden, sie hätten auch über Familie und Frauen geredet.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 26. August 2018 um 09:00 Uhr.

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