Andrew McCabe | Bildquelle: dpa

Ex-FBI-Vize McCabe entlassen "Das sieht nach Rache aus"

Stand: 17.03.2018 19:23 Uhr

Kurz vor seiner Pensionierung ist der Ex-FBI-Vize McCabe gefeuert worden. Manche vermuten darin einen Racheakt Trumps - denn McCabe stand schon länger auf seiner Abschussliste.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Dass er gefeuert wurde, erfuhr der frühere stellvertretende FBI-Direktor am späten Freitagabend durch eine Pressemitteilung von Justizminister Jeff Sessions. Die offizielle Begründung: Andrew McCabe habe einem Reporter Informationen verraten und darüber mehrfach unter Eid falsche Angaben gemacht. Besonders bitter für den Karrierebeamten, der mehr als 20 Jahre bei der Bundespolizei gearbeitet hat: Am Sonntag, zu seinem 50. Geburtstag, wäre er in den Ruhestand gegangen. Durch die Entlassung zwei Tage vor der Pensionsgrenze verliert McCabe nun auch noch einen erheblichen Teil seiner Altersversorgung.

US-Präsident Donald Trump reagierte schon kurze Zeit später per Twitter: "Andrew McCabe GEFEUERT" - in Großbuchstaben - "ein großartiger Tag für die hart arbeitenden Männer und Frauen des FBI - Ein großartiger Tag für die Demokratie".

Donald J. Trump @realDonaldTrump
Andrew McCabe FIRED, a great day for the hard working men and women of the FBI - A great day for Democracy. Sanctimonious James Comey was his boss and made McCabe look like a choirboy. He knew all about the lies and corruption going on at the highest levels of the FBI!

"Das sieht einfach schlecht aus"

Dagegen äußerte sich der moderate republikanische Kongressabgeordnete Charlie Dent im Sender CNN kritisch. "Ehrlich gesagt: Das sieht nach Vergeltung und Rache aus", sagte er. "Er wird an einem Freitagabend vor seinem 50. Geburtstag gefeuert, damit er seine Pension nicht bekommt. Das sieht einfach schlecht aus."

Für Trump war der frühere FBI-Vize der Inbegriff des "Staats im Staate", den er in der Führungsriege des FBI und in den Geheimdiensten vermutet. McCabe führte die Ermittlungen in der E-Mail-Affäre gegen Hillary Clinton. Dass Clinton straffrei ausging, empörte Trump. Und dass McCabes Ehefrau als demokratische Politikerin Wahlkampf machte, schien ihm die passende Erklärung.

Endgültig auf der Abschussliste des US-Präsidenten stand McCabe, weil er den ehemaligen FBI-Direktor Comey auch dann noch öffentlich lobte, nachdem ihn Trump gefeuert hatte. Den willkommenen Anlass, ihn hart zu treffen, lieferte McCabe aber möglicherweise selbst. Sollte er tatsächlich falsche Angaben unter Eid über Kontakte zu Journalisten gemacht haben, dann sei dies ein berechtigter Grund, ihn zu entlassen, meint der Rechtsexperte Jonathan Turley von der George Washington Universität. Es seien die angeblich falschen Angaben unter Eid, die McCabe zum Verhängnis wurden, sagt er - "nicht die Hintergrundgespräche mit Journalisten per se".

"Sie werden Amerika nicht zerstören"

Andrew McCabe selbst betonte jedoch, er habe den Ermittlern gegenüber nichts Falsches gesagt. Seine Entlassung sei "Teil eines Krieges gegen das FBI und den Sonderermittler" Robert Mueller, der die Russland-Ermittlungen gegen Trump leitet. Dazu passt auch die Forderung von Trumps persönlichem Anwalt John Dowd, als nächstes sollten die Russland-Ermittlungen endlich eingestellt werden.

Erst McCabe feuern, als nächstes Mueller? Der frühere CIA-Direktor John Brennan warnte den Präsidenten in ungewöhnlich scharfen Worten per Twitter: "Sie werden Amerika nicht zerstören ... Amerika wird über Sie triumphieren." Wenn das volle Ausmaß seiner "Käuflichkeit, moralischen Verderbtheit und politischen Korrumpierung" bekannt werde, dann, so Brennans Prognose, werde Trump "als erbärmlicher Demagoge auf seinem rechtmäßigen Platz auf der Müllhalde der Geschichte" landen.

John O. Brennan @JohnBrennan
When the full extent of your venality, moral turpitude, and political corruption becomes known, you will take your rightful place as a disgraced demagogue in the dustbin of history. You may scapegoat Andy McCabe, but you will not destroy America...America will triumph over you. https://t.co/uKppoDbduj

Ex-FBI-Vize 2 Tage vor Pensionierung gefeuert - Trump jubelt
Martin Ganslmeier, ARD Washington
17.03.2018 18:23 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. März 2018 um 07:14 Uhr.

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