Auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán wurden die Ruinen einer bisher unbekannten Maya-Stadt entdeckt.

Stadt in Mexiko ist 1400 Jahre alt Verschollene Maya-Siedlung entdeckt

Stand: 19.06.2013 22:47 Uhr

Rund 1000 Jahre war sie verschollen, nun haben Forscher eine alte Maya-Siedlung im mexikanischen Urwald entdeckt. Chactun - roter Stein - tauften die Archäologen ihren Fund, von dem sie sich Aufschlüsse über die Maya-Klassik versprechen.

Von Martin Polansky, ARD-Hörfunkstudio Mexiko-Stadt

Dicht bewachsen ist das Urwaldgebiet auf der Halbinsel Yucatán. Hier haben sich die Archäologen durchgeschlagen und gefunden, was sie suchten: Eine vergessene Mayastadt, einst so groß wie fünfzig Fußballfelder. Mauerreste, verzierte Stelen liegen zwischen den Bäumen. Das meiste aber überwachsen in Jahrhunderten.

Der slowenische Archäologe Ivan Sprajc hat die Stadt jetzt zusammen mit mexikanischen Kollegen entdeckt. Er sagt: "Es gibt hier mehrere Pyramiden. Außerdem längliche, palastartige Bauten. Momentan können wir noch nicht sagen, ob es Residenzen der Elite waren oder Verwaltungsgebäude. Wir sind da noch am Anfang."

Hochentwickelte Kalender, Mathematik und Schrift

Chactun, roter Stein, nennen die Archäologen die wiederentdeckte Stadt. Sie beziehen sich dabei auf eine entdeckte Inschrift. Vor rund 1400 Jahren soll Chactun aufgeblüht sein und sich zu einem regionalen Zentrum der Maya-Völker entwickelt haben. Deren Hochkultur prägte bis ins zehnte Jahrhundert das südliche Mexiko und den nördlichen Teil Zentralamerikas. Berühmt sind sie für ihre Kalender, die hochentwickelte Mathematik und die Schriften.

Aber vor gut eintausend Jahren verließen die Maya ihre Städte - vielleicht wegen Kriegen, vielleicht auch weil das Verhältnis zwischen Mensch und Natur ins Ungleichgewicht geriet. Die Forscher streiten bis heute darüber.

Endphase der Hochkultur der Maya

Chactun war wohl eine diese Städte der Spätklassik, also der Endphase der Hochkultur der Maya. Typisch etwa der Platz für Ballspiele. Zudem wurden die vielen Stelen hier offenbar sehr akribisch angelegt, sagt der Archäologe Octavio Esparza: "Wir haben festgestellt, dass sich die Grundstruktur dieser Monumente auf das Ende einer Zeitrechnung bezieht, was auch in anderen Maya-Städten durchaus üblich ist", erklärt Esparza. "Es sind Stelen, die kalenderartig ungefähr alle 20 Jahre erbaut wurden. Für die Herrscher der Maya war das sehr wichtig und es wurde zeremoniell gefeiert."

Auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán wurden die Ruinen einer bisher unbekannten Maya-Stadt entdeckt.
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Auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán wurden die Ruinen einer unbekannten Maya-Stadt entdeckt.

Forscher untersuchen die Überreste der Maya-Siedlung Chactun im dicht bewachsenen Urwaldgebiet.
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Forscher untersuchen die Überreste der Maya-Siedlung Chactun im dicht bewachsenen Urwaldgebiet.

Systematische Suche mit Luftaufnahmen

Dass Chactun nun entdeckt wurde, ist kein Zufall. Seit Jahren suchen die Archäologen die Gebiete in Yucatan systematisch ab, werten dabei vor allem Luftaufnahmen aus. 80 Städte und Siedlungen wurden so seit 1996 wiederentdeckt.

Aber es gibt immer noch weiße Flecken - Chactun war so einer, sagt Ivan Sprajc: "Der Ort hat auf der archäologischen Landkarte bislang nicht existiert und liegt zwischen bereits ausgewerteten Regionen." Über die Luftaufnahmen seien die Forscher auf die Stätte aufmerksam geworden. "Aber deren Ausmaße wurden uns erst bewusst, als wir vor Ort waren", sagt Sprajc. "Ich denke, wir werden hier neue Erkenntnisse gewinnen über die Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Maya-Stilen der Spätklassik."

Eine vergessene Maya-Stadt ist entdeckt - aber jetzt erst beginnt die richtige Arbeit. Je mehr die Archäologen freilegen im dicht bewachsenen Urwald, desto tiefer dürften sie in ein neues Kapitel der Maya-Geschichte vordringen.

Dieser Beitrag lief am 19. Juni 2013 um 17:56 Uhr auf NDR Info.

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