Archiv: Mitglieder der Gruppe Colectivo Solecito tragen am 08.03.2017 den Sarg mit einer Leiche, die in einem Massengarb entdeckt wurde. | Bildquelle: dpa

Drogenkrieg in Mexiko 250 Schädel in Massengrab entdeckt

Stand: 15.03.2017 09:43 Uhr

Zehntausende Menschen in Mexiko gelten als vermisst. Viele geraten im Drogenkrieg zwischen die Fronten und werden einfach verscharrt. Familienmitglieder von Entführungsopfern haben jetzt im Osten des Landes einen grausigen Fund gemacht.

Familienmitglieder von Entführungsopfern haben im mexikanischen Bundesstaat Veracruz ein Massengrab mit Überresten von mehr als 250 Toten entdeckt. "Seit August vergangenen Jahres haben wir 253 Leichen gefunden", sagte die Sprecherin der Gruppe Colectivo Solecito, Lucía de los Ángeles, der Deutschen Presse-Agentur.

"Veracruz ist ein riesiges Massengrab", sagte der örtliche Staatsanwalt Jorge Winckler im Fernsehsender Televisa und bestätigte den Fund von über 250 Schädeln. "Über Jahre hinweg hat das organisierte Verbrechen Menschen getötet und verschwinden lassen - mit Duldung der Behörden."

"Das größte Massengrab Mexikos"

Seit August vergangenen Jahres wurden in der Region im Osten des Landes 125 Massengräber entdeckt. Die jüngste Fundstelle ist nach Angaben der Ermittler erst zu 30 Prozent geöffnet. "Wenn alle Massengräber im Bundesstaat geöffnet sind, wird es das größte Massengrab Mexikos sein, vielleicht eines der größten der Welt", sagte Winckler.

Die Gruppe Colectivo Solecito widersprach dem Staatsanwalt. "Er weiß gar nichts, weil er nie vor Ort war", sagte De los Ángeles. Die Angehörigen hätten bereits 70 Prozent des Massengrabs in der Ortschaft Colinas de Santa Fe freigelegt. Allerdings seien bislang nur zwei Tote identifiziert worden.

Die Staatsanwaltschaft helfe kaum bei der Suche, sagte De los Ángeles. "Sie führt nur Buch darüber, was wir finden", sagte sie. Chefermittler Winckler hingegen versicherte, dass Forensiker der Staatsanwaltschaft bei der Identifizierung der Leichen helfen.

Mehr als 30.000 Menschen gelten in Mexiko als vermisst

Kriminelle Organisationen in Mexiko verschleppen und töten immer wieder Menschen. Die Fälle werden nur selten aufgeklärt. "Das Verschwinden von Menschen in weiten Teilen Mexikos hat ein kritisches Niveau erreicht", hieß es zuletzt in einem Bericht der Interamerikanischen Menschenrechtskommission.

Kerzen erinnern an die verschleppten Studenten in Mexiko.
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Kerzen erinnern an verschleppte Studenten in Mexiko (Archivbild).

Veracruz ist einer der gefährlichsten Bundesstaaten Mexikos. Mehrere Verbrechersyndikate ringen dort um die Vorherrschaft. Der frühere Gouverneur von Veracruz soll in illegale Geschäfte verwickelt sein und ist seit vergangenem Jahr auf der Flucht.

Immer wieder werden in Mexiko Massengräber entdeckt. Auch in anderen Bundesstaaten wie Guerrero, Chihuahua und Morelos suchen Angehörige auf eigene Faust nach verschleppten Familienmitgliedern, weil sie den Behörden nicht mehr vertrauen. Nach offiziellen Angaben hat der Drogenkrieg von 2006 bis 2015 etwa 80.000 Menschen das Leben gekostet.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. März 2017 um 06:53 Uhr.

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