Masernimpfung | Bildquelle: picture alliance / GEORG HOCHMUT

Bericht der WHO Wieder mehr Todesopfer durch Masern

Stand: 05.12.2019 19:00 Uhr

Nach großen Erfolgen bei der Bekämpfung der Masern breiten sie sich derzeit weltweit wieder aus: Nach Schätzungen der WHO gab es 2018 rund 16.000 Todesopfer mehr als im Vorjahr. Ein Grund seien zu niedrige Impfraten.

Die Zahl der Todesopfer durch Masern ist wieder gestiegen. Nach Schätzungen der WHO starben im vergangenen Jahr mehr als 142.000 Menschen an der hochansteckenden Krankheit, die meisten von ihnen Kinder unter fünf Jahren. Das waren insgesamt 16.000 Todesopfer mehr als 2017.

Zwar ist die Zahl der Toten im Langzeitvergleich deutlich gesunken - noch im Jahr 2000 erlagen der Krankheit laut WHO-Schätzungen 536.000 Menschen. Doch angesichts der jüngsten Entwicklungen warnen die Experten vor einer weiteren Ausbreitung.

Geschätzt fast zehn Millionen Masernfälle

Ähnlich wie die Todeszahlen veränderten sich zuletzt auch die geschätzten Infektionen, die nach einem drastischen Rückgang ebenfalls wieder angestiegen sind. Nach WHO-Schätzungen gab es 2018 knapp 9,8 Millionen Masernfälle, im Jahr davor fast 7,6 Millionen.

Da in vielen Ländern keine Meldepflicht besteht, wird den Experten zufolge nur ein Bruchteil der Masernfälle bekannt. Offiziell gemeldet worden seien 2018 etwa 353.000 Masern-Erkrankungen - in diesem Jahr seien es bis Mitte November schon mehr als 440.000.

Zu niedrige Impfrate

Ein Grund für die Ausbreitung ist laut der WHO eine zu niedrige Impfrate in einigen Bevölkerungsgruppen oder Regionen. Die Organisation schätzt, dass 2018 weltweit 86 Prozent der Kinder eine erste Impfung erhielten, nur rund 70 Prozent dann aber die empfohlene zweite Dosis. Nach WHO-Angaben ist eine Impfrate von 95 Prozent mit zwei Dosen in jedem Land nötig, um die Bevölkerung vor der Krankheit zu schützen.

WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus bezeichnete den Tod vieler Kinder aufgrund mangelnden Impfschutzes als ungeheuerlich. Die Länder müssten sicherstellen, dass die gesamte Bevölkerung ausreichend geimpft sei, verlangte er.

Kongo und Ukraine unter den Brennpunkt-Ländern

Für 2019 wurden bis Mitte November die weitaus meisten Ansteckungen aus dem Kongo gemeldet. Die Behörden gehen davon aus, dass allein in dem Land mehr als 5000 Menschen an Masern gestorben sind - weit mehr, als dort seit Sommer 2018 durch Ebola ums Leben kamen.

In Europa kam es in der Ukraine zu einem großen Ausbruch mit fast 57.000 gemeldeten Fällen. Auch in Liberia, Madagaskar und Somalia gibt es große Probleme mit den Masern. Auf diese fünf Staaten entfällt letztlich fast die Hälfte aller gemeldeten Fälle. Aber auch in den USA, die bereits als masernfrei galten, ist die Tendenz wieder steigend - das Land verzeichnete so viele Fälle wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Schwankende Zahlen in Deutschland

In Deutschland wurden nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Januar bis Ende November 501 Masern-Fälle gezählt - 2018 waren es im selben Zeitraum 528 Fälle. Die Zahlen in Deutschland schwanken von Jahr zu Jahr jedoch sehr. Sie lagen in den vergangenen zehn Jahren zwischen 165 und 2465 Fällen pro Jahr. Zum stärkeren Schutz hat der Bundestag im November ein Gesetz für eine Impfpflicht beschlossen. Es soll zum 1. März 2020 in Kraft treten.

Zu den Masernsymptomen zählen ein Ausschlag der Mundschleimhaut und die charakteristischen bräunlich-rosafarbenen Hautflecken. Die Infektion schwächt vorübergehend das Immunsystem, so dass es leichter zu Mittelohrentzündung, Bronchitis, Lungenentzündung oder Durchfall kommt. Eine besonders gefürchtete Folge sind bestimmte Hirnentzündungen, die tödlich enden können.

WHO: Masern weltweit auf dem Vormarsch
Mathias Zahn, ARD Zürich
05.12.2019 17:43 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 05. Dezember 2019 um 19:15 Uhr.

Darstellung: