Vorbereitungen für den Marsch auf Washington. | Bildquelle: AP

Marsch auf Washington "Nehmt euer Knie von unseren Nacken"

Stand: 28.08.2020 03:21 Uhr

Der 28. August ist ein geschichtsträchtiges Datum: Heute vor 57 Jahren hielt Martin Luther King Junior seine berühmte Rede in Washington. Heute gibt es eine Neuauflage des Marsches auf die Hauptstadt.

Von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

"Get your knee off our necks" - "Nehmt Euer Knie von unseren Nacken" ist das Motto dieses Marsches auf Washington. Es ist eine Anspielung auf den qualvollen Tod von George Floyd in Minneapolis Ende Mai. Der Anwalt der Familie Floyd, Benjamin Crump, wird ein Redner sein bei der Großdemonstration.

"Wir müssen endlich die Kultur und das Verhalten der Polizei in Amerika verändern, dieses unglaubliche Muster der Gewalt gegen schwarze Amerikaner während dieser Pandemie."

Seit dieser Woche hat Crump neue Mandanten: die Familie von Jacob Blake. Der 29-jährige war am Sonntag von einem weißen Polizisten in Kenosha, Wisconsin, angeschossen worden und ist nun querschnittsgelähmt. Zwei Tage später wurden dort zwei Demonstranten erschossen - Videoaufnahmen zeigen wie der mutmaßliche 17-jährige weiße Täter, das Gewehr um den Hals, mit hocherhobenen Armen auf die Polizei zugeht - die ihn aber erstmal ziehen lässt.

"Black Lives Matter"-Marsch auf Washington
tagesschau 20:00 Uhr, 28.08.2020, Verena Bünten, ARD Washington

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"Zwei Rechtssysteme"

Anwalt Crump fragt bei CNN:

"Warum wird ein schwarzer Mann, der von der Polizei wegläuft, sieben Mal in den Rücken geschossen. Und ein junger weißer Mann, der gerade Menschen erschossen und getötet hat, auf den wird nicht geschossen, und er wird lebend festgenommen. Wir haben zwei Rechtssysteme in den USA: Eins für das Weiße und eins für das Schwarze Amerika."

Organisator dieses Marsches auf Washington ist das National Action Network von Al Sharpton - der Pfarrer ist ein Veteran der Bürgerrechtsbewegung. Und der Termin ist bewusst gewählt: am 28. August 1963 hielt Martin Luther King Jr. an gleicher Stelle seine berühmte Traum-Rede.

Rund 50.000 Teilnehmer erwartet

Eine Viertelmillion Menschen lauschten damals. Diesmal rechnen die Organisatoren nur mit rund 50.000 Teilnehmern. Wegen der Corona-Pandemie wurden beispielsweise hunderte Busse wieder abbestellt, die Teilnehmer aus dem ganzen Land in die Hauptstadt bringen sollten. Stattdessen herrscht Maskenpflicht, es gibt Gratis-Desinfektionsmittel, am Eingang Temperaturchecks, Registrierungspflicht - und die Ermahnung, möglichst Abstand zu halten.

Auch King´s Sohn Martin Luther King III soll sprechen - und die Angehörigen der Opfer von Polizeigewalt: Von George Floyd. Von Breonna Taylor, die in Kentucky in ihrem Bett erschossen wurde. Von Eric Garner, der 2014 in New York City bei der Festnahme gewürgt wurde - auch seine letzten Worte: "Ich kann nicht atmen."

"Black Lives Matter" bleibt Demo fern

Nicht dabei, jedenfalls nicht in offizieller Rolle: Vertreter der Bewegung "Black Lives Matter", die seit Monaten die überwiegend friedlichen Demonstrationen in Dutzenden US-Städten organisieren. Kris Marsh, Soziologin von der University of Maryland, bedauert das:

"Das fühlt sich an wie eine Veranstaltung der alten Garde. Aber es ist sehr wichtig, dass wir die jungen Leute nicht übersehen. Denn die haben in den vergangenen Wochen den Großteil der Arbeit erledigt. Und dann kommt jemand an einem blendenden Freitag und übernimmt die Geschichte.... Aber nur zum Marsch kommen genügt nicht."

Ob mit dieser Neuauflage von King´s Marsch auf Washington auch wieder Geschichte geschrieben wird - für die Afro-Amerikanerin Marsh ist das gar nicht so entscheidend. 

"Natürlich ist Geschichte wichtig. Aber wichtiger ist, was danach passiert. Immerhin benutzen die Leute jetzt die Worte: White Supremacy, weiße Vorherrschaft. Und institutioneller Rassismus. Aber jetzt wo Du die Worte sagst - was machst Du anders?"

Auch Organisator Sharpton hofft, dass sein Marsch zu handfesten Ergebnissen führt - beispielsweise neue Gesetzen zur Polizeireform. Ohne solche Gesetze würden die Historiker mal sagen: da gab es diesen Sommer der Unzufriedenheit, so Sharpton in einem Interview mit "Time Online": "Deshalb gehen wir nach Washington."

Zehntausende zu Demonstration in Washington erwartet
Julia Kastein, ARD Washington
28.08.2020 06:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. August 2020 um 10:00 Uhr.

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