Meteoriteneinschlag in Marokko "Deep Impact" in der Wüste

Stand: 24.01.2012 17:33 Uhr

Als Nomaden im vergangenen Sommer angebliches Meteoriten-Gestein verkaufen wollten, war die Fachwelt skeptisch. Doch jetzt steht fest: Das Gestein aus der marokkanischen Wüste stammt vom Mars. Forscher versprechen sich nun neue Erkenntnisse für zukünftige Mars-Expeditionen.

Von Marc Dugge, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Es passiert am 18. Juli 2011 gegen zwei Uhr morgens. Im Draa-Tal im Süden Marokkos sehen Augenzeugen auf einmal einen Feuerball am Himmel. Er erleuchtet die Landschaft, erst in gelb, dann in grün. Dazu knallt es zwei Mal – ein doppelter Überschallknall. Abderrahmane Ibhi, Mineraloge an der Universität Ign Zohr in Agadir erklärt: "Nur alle 50 Jahre fällt ein Meteorit vom Mars auf die Erde. 1815 in Frankreich, 1875 in Indien, 1911 in Ägypten, 1962 in Nigeria. Und jetzt, 50 Jahre später in Tata!"

Nomaden fanden die Splitter

Die Splitter des Mars-Gesteins sind rötlich-schwarz und relativ leicht, weil sie einen hohen Gasgehalt haben. Sie sind zwischen einem Gramm und fast einem Kilo schwer. Nomaden haben sie in der Wüste von Tissint gefunden und verkauft.

Splitter eines Mars-Meteoriten
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Dieser Meteoriten-Splitter wurde in der marokkanischen Wüste gefunden.

US-Wissenschaftler der Gesellschaft  für Meteoriten haben jetzt bestätigt, dass der Meteorit tatsächlich vom Mars stammt. Die chemische Zusammensetzung der Splitter decke sich mit den Informationen, die bisher über Marsgestein bekannt sind, heißt es.

Der Asteorid von Tissint sei ein wichtiger Fund, so Hassan Douzi von der Mathematik-Fakultät der Universität Agadir: "Die NASA interessiert sich sehr für den Mars. Dorthin werden einmal Missionen entsandt werden, sie braucht daher ein Höchstmaß an Informationen über den roten Planeten. Ein Gramm des Meteoriten von Tata ist heute zwanzig Mal mehr wert als ein Gramm Gold!"

"Von unschätzbarem wissenschaftlichen Wert"

Marokko ist stolz auf den Fund aus dem All. Das Land ist eine Goldgrube für Weltraumforscher. Im hellen Wüstensand lassen sich die dunklen Meteoritengesteine leicht finden. Sie sind teils schon vor Hunderten von Jahren dort eingeschlagen. Die Geologin Hasna Chennaoui-Aoudjehanne sagt im marokkanischen Fernsehen: "Die meisten Meteoriten, die gefunden werden, stammen aus dem Meteoritengürtel zwischen Mars und Jupiter."

Mars
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Der Mars: Forscher sind sicher, dass das Gestein aus Marokko von dort stammt.

Im Dezember 2008 sei in der Region von Tamdaght, Ouarzazate ein Meteorit heruntergefallen. "Dann der Meteorit von Benguerir von 2004 - und jetzt unser Stolz, der Meteorit von Tissint, der von unschätzbarem wissenschaftlichen Wert ist."

Geologin zerstreut Ängste

Marokko als eines der bevorzugten Reisezielen von Meteoriten - Hasna Chennaoui weiß, dass das auch Ängste weckt. Vielen ist der Hollywood-Film "Deep Impact" noch gut in Erinnerung, in dem ein Kometeneinschlag die Erde verwüstet. "Ein Komet muss mehr als einen Kilometer Durchmesser haben, um Krater wie in Arizona oder in Südafrika zu schaffen", erklärt die Geologin, "statistisch schlägt alle Millionen Jahre einmal ein Komet dieses Ausmaßes auf der Erde ein." Es sei also nicht unmöglich, aber doch sehr unwahrscheinlich, dass ein solcher Einschlag zu Lebzeiten passiere.

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