Klima | Bildquelle: dpa

Klimagipfel in Marrakesch UN-Experten erhöhen den Druck

Stand: 14.11.2016 17:12 Uhr

Seit einer Woche ringen Politiker und Wissenschaftler um die Umsetzung der Klimaschutzziele von Paris - nun erhöhen UN-Experten den Druck auf die Teilnehmer der Klimakonferenz in Marrakesch. Sie warnen vor neuen Rekordwerten bei klimaschädlichen Treibhausgasen.

Von Jakob Mayr, ARD-Studio Brüssel, zzt Marrakesch

Wenn es noch eine Begründung brauchte für schnelle Fortschritte beim Klimaschutz, dann liefert sie die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) mit ihrem jüngsten Bericht - vorgestellt auf dem Gipfel in Marrakesch. Laut WMO ist das laufende Jahr höchstwahrscheinlich das wärmste seit Beginn der Messungen. Im Schnitt lag die Temperatur 2016 rund 1,2 Grad über dem Niveau vor dem Industriezeitalter. "Das bedeutet mehr Wetterkatastrophen und noch mehr wirtschaftliche Einbußen", sagt WMO-Generalsekretär Petteri Taalas.

Die WMO ist eine Unterorganisation der Vereinten Nationen und sie bekommt für ihre Berichte Daten von Wetterstationen aus der ganzen Welt. Die zeigen laut Generalsekretär Taalas ein bedrückendes Bild: "Die Konzentration der klimaschädlichen Treibhausgase in der Atmosphäre strebt auf einen neuen Rekordwert zu, das Eis in der Arktis schwindet, die Korallenbleiche droht, Ozeane zu verwüsten. Das schockiert mich und es zeigt, wie notwendig es ist, die Paris-Vereinbarung umzusetzen oder sogar noch mehr zu tun", so Taalas.

Petteri Taalas | Bildquelle: REUTERS
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Petteri Taalas warnt vor wachsenden Zahl von Wetterkatastrophen.

"Ein Rennen gegen die Zeit"

In Paris haben die Staaten vor einem Jahr beschlossen, die Erderwärmung in diesem Jahrhundert unter zwei Grad, möglichst sogar unter 1,5 Grad zu halten. Die WMO-Daten legen jetzt nahe: 1,2 Grad Erderwärmung sind schon erreicht - auch wenn in diesem Jahr das Klimaphänomen El Nino die Temperaturen außerordentlich hochgetrieben hat. "Der Klimawandel ist schneller als der politische Prozess. Auf lange Sicht verändern die Informationen zwar Wirtschaft und Energiegewinnung. Die Frage ist, wie schnell das geht. Das ist ein Rennen gegen die Zeit", sagt WMO-Direktor Maxx Dilley.

Die WMO hofft nach den Worten ihrer Führung, dass die Delegationen auf dem Klimagipfel daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Die versuchen, die Paris-Vereinbarung umzusetzen. Die Bundesregierung hat dafür am Mittag den umstrittenen Klimaschutzplan formal beschlossen. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks kommt also nicht mit leeren Händen nach Marrakesch und Staatsekretär Jochen Flasbarth ist nach eigenen Worten "rechtschaffen froh und zufrieden, "dass wir als erstes Industrieland eine klare Orientierung für 2050 haben, nämlich weitgehende Treibhausgasneutralität. Das ist die Messlatte für künftige nationale Klimapolitik und ich bin gespannt, wer sich traut, da nochmal drunter zu gehen."

Konkrete Vorgaben

Die Bereiche Verkehr, Energie und Landwirtschaft hatten sich lange gegen zu konkrete Vorgaben gewehrt. Der eine oder andere werde sich bei genauer Lektüre des Plans sehr wundern, was da alles drin stehe, so Flasbarth. Insgesamt hat die erste Konferenzwoche in Marrakesch nach seinen Worten gezeigt, wie ernst es die Staaten meinen: "Alle stehen dazu, Paris auch wirklich mit Leben zu erfüllen".

COP22: Wieder Wärmerekord, Klimaschutzplan endlich da
J. Mayr, BR Brüssel, zzt. Marrakesch
14.11.2016 16:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. November 2016 um 17:50 Uhr.

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