Eine Kerze wird vor einem Porträt von WiktoijaMarinowa | Bildquelle: AFP

Getötete Journalistin Bulgarien empört über Spekulationen

Stand: 10.10.2018 13:03 Uhr

Bulgariens Regierung hat im Fall der getöteten TV-Journalistin die Festnahme eines Mannes bestätigt - und sich empört über Reaktionen aus der EU gezeigt. Denn die Tat habe nichts mit dem Beruf des Opfers zu tun.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Gegen den 20-jährigen Verdächtigen, der am Abend in Deutschland festgenommen wurde, sei Anklage wegen Vergewaltigung und Mordes erhoben worden. Dies teilte Bulgariens Innenminister Mladen Marinow auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Regierungschef Boiko Borissow mit. Marinow sagte, er erwarte, dass die deutschen Behörden den Verdächtigen auslieferten.

"Im Laufe der Ermittlungen wurden genügend materielle Beweise gesammelt, die eine Verbindung der Person mit dem Tatort und dem Opfer zeigen", so der Innenminister. Die DNA-Expertisen seien fertig. "Sie belegen DNA-Material des Opfers auf der Kleidung des Täters, sowie sein DNA-Material auf der Leiche." Zum jetzigen Zeitpunkt arbeite das Institut für Kriminalistik weiter - "und wir erwarten weitere Beweise", die eine direkte Verbindung zwischen Täter und Opfer aufzeigten.

Staatsanwalt sieht keine Verbindung zur Journalistentätigkeit

Die 30-jährige TV-Journalistin Victoria Marinowa war am Samstag am Donauufer in Russe ermordet aufgefunden worden. Der Festgenommene habe in der Nähe des Tatortes gewohnt.

Die bulgarische Journalistin Viktoria Marinowa | Bildquelle: REUTERS
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Die bulgarische Journalistin Viktoria Marinowa wurde in der Nähe ihrer Wohnung beim Joggen getötet.

Bulgariens Generalstaatsanwalt Zazarow erklärte, nach den bisherigen Ermittlungen könne nicht behauptet werden, dass der Mord an der Journalistin mit ihrem Beruf in Verbindung stehe. "Aber wir untersuchen weiterhin alle Hypothesen", fügte er hinzu.

Ministerpräsident empört über Reaktionen aus der EU

Ministerpräsident Borissow zeigte sich auf der Pressekonferenz bestürzt über die Reaktionen aus den EU-Mitgliedsländern auf die Meldungen über den Mordfall: "In den vergangenen drei Tagen habe ich scheußliche Sachen über Bulgarien gelesen und keine einzige, die der Wahrheit entsprach. Passiert so etwas in anderen Ländern denn nicht? Oder ist das ein Einzelfall?"

Borissow sagte, er habe in den vergangenen Tagen absichtlich nicht mit EU-Politikern in Brüssel gesprochen, denn er hätte erwartet, dass diese das machen würden, "was sie uns immer beibringen: Dass keiner beschuldigt wird, bevor es eindeutig bewiesen wird, dass er schuldig ist". Stattdessen "haben sie uns mit Tweets überschüttet - ich habe sie alle sehr aufmerksam gelesen". Es habe sich um reine Spekulationen gehandelt, dass die Gewalttat in einem Zusammenhang mit dem Beruf des Opfers gestanden habe.

Bulgariens Ministerpräsident Boyko Borissow spricht während einer Pressekonferenz, hinter ihm steht Innenminister Mladen Marinow. | Bildquelle: AP
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Bulgariens Regierung sieht keinen Zusammenhang mit dem Beruf des Opfers und sieht sich durch die ersten Reaktionen nach der Tat verleumdet.

Bulgarien sieht Verleumdung

Der Ministerpräsident betonte: "Wir führen jede Ermittlung mit äußerster Aufmerksamkeit durch, wir nehmen jedes Signal äußerst ernst. Wir haben es auf keinerlei Weise als Land verdient, nur in einigen Tagen so verleumdet zu werden. Und das, während wir alle nicht mit 100 Prozent, sondern mit 1000 Prozent an dem Fall gearbeitet haben."

Heutzutage, so sagte Borissow weiter, seien die Medien nicht die vierte Macht, sondern die erste. Daher müssten sie sich auch so verantwortungsvoll verhalten, wie dies von jeder ersten Macht verlangt werde.

Die Ermordung der jungen Journalistin hatte im In- wie Ausland für große Bestürzung gesorgt - insbesondere aufgrund des Berufes der Frau. Die Regierung Borissow geriet unter Druck, das Verbrechen rasch aufklären zu lassen.

Bulgarische Regierung bestätigt Festnahme eines Tatverdächtigen im Fall Marinowa
Clemens Verenkotte, ARD Wien
10.10.2018 09:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Oktober 2018 um 09:00 Uhr.

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