Mit Plakaten werfen die "March for science"-Teilnehmer Trump Unverständnis für die Bedeutung der Wissenschaft vor. | Bildquelle: AFP

Wissenschaftler demonstrieren "Make America think again!"

Stand: 23.04.2017 01:01 Uhr

Weltweit haben Wissenschaftler beim "March for Science" für eine unabhängige Forschung demonstriert. Vor allem in den USA sorgen sie sich, unter Trump nicht mehr frei forschen zu können - zum Beispiel bei Themen wie Klimawandel oder Impfungen.

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington

Zehntausende kamen in mehr als 300 Städten in den USA zusammen, um gemeinsam für eine unabhängige Wissenschaft auf die Straße zu gehen - in New Jersey, Alabama, West Virginia, New York oder Philadelphia. Sie sind alarmiert von den Einschränkungen, die Wissenschaftler unter der neuen US-Regierung bereits zu spüren bekommen, so Jonathan Overpeck, Klimaforscher an der University of Arizona: "Wir sehen, dass es eine Zensur dessen gibt, was Forscher, die für Regierungsorganisationen arbeiten, öffentlich oder im Internet sagen können."

Die Organisatoren des "March for Science" betonen, dass sie unparteiisch sind - unpolitisch ist die Demo aber nicht: Den Forschern bereitet die Kürzungsliste von Donald Trump Sorgen. Der US-Präsident ist kein Vorkämpfer für Wissenschaftler. So sind in seinem Haushaltsplan nicht nur deutliche Kürzungen vorgesehen bei Behörden wie der Environmental Protection Agency, die Klimaforschung finanzieren - der Rotstift wird auch im Gesundheitssektor angesetzt: Overpeck zufolge schockieren die Wissenschaftler die riesigen Kürzungen, die für das National Institute of Health angekündigt wurden. "Die sind der Motor hinter Forschungen im Gesundheitsbereich. Die vorgesehenen Kürzungen sind gigantisch", beklagt Overpeck. 20 Prozent des Budgets sollen gekappt werden.

Impfgegner Trump

Trumps Aussagen zum Klimawandel und zur Sicherheit von Impfungen ließen die Forscher aufhorchen, denn der US-Präsident ist ein Impfskeptiker. Obwohl mehrere Untersuchungen zu dem Ergebnis kamen, dass es zwischen Impfungen bei Kindern und Autismus keinen Zusammenhang gibt, warnt Trump genau davor.

Trumps Haltung zur Forschung bringt ungewöhnlich viele Wissenschaftler so sehr auf, dass sie auf die Straße gehen und sich laut und deutlich zu Wort zu melden. Klimaforscher Overpeck hält die Politik der neuen US-Regierung nicht nur für demoralisierend, sondern wirklich für beunruhigend für Wissenschaftler. "Schließlich ist Forschung wichtig für unsere Wirtschaft und die anderer Länder." Zudem würden die Forscher daran arbeiten, Probleme der Menschheit zu lösen, so Overpeck.

Proteste in Trumps Hinterhof

Der Hauptprotestzug fand in Washington D.C. statt - allein hier fanden sich Schätzungen der Organisatoren zufolge Zehntausende Demonstranten ein. Der Protestzug führte direkt am Weißen Haus vorbei bis zum Washington Memorial. Die Bühne des "March for Science" stand bereits in den Morgenstunden. Derek Muller, der einen YouTube-Kanal zu Wissenschaftsthemen betreibt, war einer der ersten auf der Bühne: "Ich bin davon überzeugt, dass es für uns alle besser ist, wenn wir unsere Entscheidungen auf Beweisen basieren und nicht auf Hoffnung, Ansichten oder Glauben." Die Demonstranten halten Schilder hoch: "Wissenschaft rettet Leben", "Finanziert Forschung" oder "Wissenschaft heilt alternative Fakten".

Dr. Tyler DeWitt war auch dabei. Er fordert von den Wissenschaftlern, ihre Sache für jedermann verständlich zu machen: "Wir können uns nicht über Kürzungen beschweren, wenn wir den Steuerzahlern nicht erklären können, warum Forschung wichtig ist."

Kritik an Protesten von Kollegen

Einige Wissenschaftler sehen die Proteste allerdings auch kritisch. Sie betonen, Wissenschaft müsse frei von politischer Leidenschaft sein. Ihre Sorge: die Demos könnten als parteiischer Angriff auf Trump und seine Anhänger verstanden werden.

Der "Women’s March" im Januar ist Vorbild für den "March for Science". Dennoch ist sich Overpeck nicht sicher, wie viele Menschen letztlich wirklich mit Plakaten demonstrieren gehen werden. Overpeck hofft, dass keine Demonstrationsmüdigkeit aufkommt. "Denn die Menschen haben noch anderes zu tun und wenn es jede Woche eine Demo gibt, könnte es schwer werden, dass weiter marschiert wird. Aber ich sehe, dass viele wirklich brennen - von Wissenschaftlern bis zu den Durchschnittsamerikanern mit ihren Kindern."

Auf der Seite der Organisatoren des "March for Science" gibt es auch Tipps für Forscher, die bei der US-Regierung angestellt sind, wie sie sich an den Protesten beteiligen können. Mehr und mehr Wissenschaftler engagieren sich inzwischen auch politisch, einige kandidieren sogar für politische Ämter.

Über dieses Thema berichtete DRadio Kultur am 22. April 2017 um 12:18 Uhr

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