Frankreichs Premierminister Manuel Valls | Bildquelle: Reuters

Französischer Ex-Premier Valls Neue Karriere in Barcelona?

Stand: 26.09.2018 14:29 Uhr

Der ehemalige französische Premierminister Manuel Valls will Bürgermeister von Barcelona werden. Was die Wenigsten wissen: Valls wurde in Barcelona geboren. Was hat er nun politisch vor?

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

"Valls BCN 2019" steht in weißen Buchstaben auf dem Rednerpult, dem sich Manuel Valls im dunklen Anzug und mit entschiedenen Schritten nähert. Nach wenigen Sekunden schon sagt er den entscheidenden Satz: "Ich will der nächste Bürgermeister von Barcelona sein." Erst auf Katalanisch, dann auf Spanisch.

Karriere geriet unter Macron ins Stocken

Valls ist Katalane, 1962 in Barcelona geboren - als Sohn einer Schweizer Mutter und eines katalanischen Vaters. Als junger Mann ging Valls nach Frankreich, erhielt 1982 die französische Staatsbürgerschaft. Er machte in der sozialistischen Partei Karriere, war ab 2001 elf Jahre lang Bürgermeister der Pariser Vorstadt Évry. Unter Präsident François Hollande wurde Valls erst Innenminister, dann Premierminister.

Doch unter dem aktuellen Präsident Emmanuel Macron geriet seine Politikerkarriere ins Stocken. Offenbar rührt auch daher seine Entscheidung, zurück nach Barcelona zu gehen. Er habe nie seine Muttersprache und seine Kultur vergessen, so Valls.

Gegner der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung

Demontranten in Barcelona | Bildquelle: dpa
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Demonstranten in Barcelona - ein Jahr nach dem
Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien

Politisch sagt er vor allem der katalanischen Unabhängigkeitsbewegung den Kampf an. Separatisten versuchten, Barcelona als eine Hauptstadt einer imaginären Republik Katalonien darzustellen, sagt Valls. Aber das sei Barcelona nicht und das wolle es auch nicht sein. Sie hätten die große Chance, gegen den Populismus zu kämpfen, gegen den Nationalismus und die Verführung des Volkes, so Valls weiter.

Gemischte Reaktionen der Bürger

Valls gibt sich als Gegner neuer Grenzen, als Bürger und Politiker Europas. Er geht als unabhängiger Kandidat ins Rennen, hat allerdings ein Wahlbündnis hinter sich, zu dem auch die starke liberale Partei Ciudadanos angehört. Unter den Bewohnern Barcelonas fallen die Reaktionen auf die Kandidatur Valls´gemischt aus:

"Ich bin nicht dagegen", sagt ein Mann. "Er hat persönliche Beziehungen zu Barcelona, ist hier aufgewachsen und hat Familie in der Stadt. Aber ich glaube, er sucht in erster Linie für sich neue Perspektiven. Auf mich wirkt die Kandidatur daher etwas künstlich."

Ein Passant meint: "Das wird eine komplizierte Sache. Was verbindet ihn denn mit den Menschen hier? Er versucht, seine Medienpopularität zu nutzen. Und diese Idee von einem Europäer in einer europäischen Stadt passt eben in sein Projekt. Aber für mich ist er kein guter Kandidat, weil er den Bürger Barcelonas nicht gut genug kennt. Und der wird schließlich wählen."

Valls hat große Konkurrenz

Die Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau | Bildquelle: AFP
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Ada Colau, Bürgermeisterin von Barcelona, wird wohl wieder kandidieren

Klar ist: Valls hat große Konkurrenz. Amtsinhaberin Ada Colau wird wohl wieder als Bürgermeisterin kandidieren. Die ehemalige Hausbesetzerin ist zwar nicht unumstritten - hat aber einen Rückhalt unter vielen linken Wählern.

Der katalanische Zeitungskolumnist Jordi Amat sieht daher eher durchwachsene Chancen für Valls. Er starte nicht gleich als ein Verlierer ins Rennen, sagt Amat. Valls habe die Rückendeckung der spanientreuen Bewegung. Dieser starke Block stehe hinter ihm. Aber Amat meint, dass nicht genügend Einwohner von Barcelona diesen Block unterstützen werden, damit es für einen Sieg bei der Bürgermeisterwahl ausreicht.

Valls bleiben noch genau acht Monate Zeit, um Barcelona von sich zu überzeugen. Die Abstimmung findet am 26. Mai statt, dem Tag der Europawahl.

Frankreichs Ex-Premier als Bürgermeister Barcelonas? Manuel Valls versucht's
Oliver Neuroth, ARD Madrid
26.09.2018 12:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. September 2018 um 22:00 Uhr.

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