WikiLeaks-Informant Bradley Manning muss für 35 jahre ins Gefängnis.

Urteil gegen WikiLeaks-Informant Manning 35 Jahre Haft - nach zehn Jahren frei?

Stand: 08.03.2019 18:48 Uhr

WikiLeaks-Informant Manning nahm das Urteil scheinbar regungslos hin: 35 Jahre Haft lautet der Richterspruch gegen ihn. Beobachter sprechen von einer harten Entscheidung. Er könnte aber bereits nach zehn Jahren entlassen werden.

Von Martin Ganslmeier, NDR-Hörfunkstudio Washington

Als Militärrichterin Denise Lind das Strafmaß verkündete, reagierten Familienangehörige und Unterstützer von Bradley Manning sichtlich geschockt. Der 25-Jährige dagegen hörte sich den Urteilsspruch scheinbar regungslos an und wurde anschließend von seinen Verteidigern sofort aus dem Gerichtssaal geführt.

35 Jahre Haft in einem Militärgefängnis, außerdem eine unehrenhafte Entlassung aus der Armee: Auch wenn Manning der Enthüllungsplattform WikiLeaks 700.000 Geheimdokumente zugespielt und somit für den größten Geheimnisverrat in der Geschichte Amerikas verantwortlich war, sei diese Strafe doch "überzogen", kommentierte Rechtsexperte Page Pate im Sender CNN. "Vor allem, wenn man das mit ähnlichen Fällen aus der Vergangenheit vergleicht. Andere, die in den 80er-Jahren der Sowjetunion Informationen geliefert haben, bekamen höchstens 30 Jahre."

Abschreckung als Priorität?

Die Anklage hatte sogar 60 Jahre gefordert. Dagegen hatten Mannings Verteidiger um eine milde Strafe gebeten. Schließlich habe Manning gute Absichten gehabt und mit der Veröffentlichung der Geheimdokumente keinem Menschen direkten Schaden zugefügt. Für Militärrichterin Lind sei letztlich wohl entscheidend gewesen, so die Vermutung von Rechtsexperte Pate, dass mögliche Nachahmungstäter abgeschreckt werden.

Insofern stehe das Urteil auch in einem Zusammenhang zum Fall Edward Snowden: "Die Botschaft lautet: Wenn Du Informationen weitergibst und wir Dich erwischen, dann wirst Du dafür hart bestraft", sagte Pate.

Nach etwa zehn Jahren frei?

Unterstützer von WikiLeaks-Informant Bradley Manning machen ihrem Unmut über seine Verurteilung Luft.
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Unterstützer von Manning machen ihrem Unmut über seine Verurteilung Luft.

Die dreieinhalb Jahre, die Manning in Untersuchungshaft verbracht hat, werden ihm angerechnet. Bei guter Führung könnte er nach Verbüßung eines Drittels der Strafe freikommen, also nach etwa zehn Jahren. Manning kann jedoch noch gegen das Urteil in die Berufung gehen. Auch die Armee könnte von sich aus das Strafmaß mildern. Dies ist jedoch eher unwahrscheinlich.

Die Unterstützer von Manning reagierten geschockt auf die ihrer Meinung nach viel zu harte Strafe. Eigentlich habe er doch den Vereinigten Staaten einen Dienst erwiesen, sagte Jeff Patterson: "Der Irak-Krieg hat ihn desillusioniert. Und er hat heroisch gehandelt, während die meisten einfach den Mund gehalten haben."

Einer der Demonstranten vor dem Gerichtssaal sprach von einem "politischen Urteil": "Wenn das Rechtssystem so politisiert wird, dann hat das wenig mit Gerechtigkeit zu tun."

Freispruch in wichtigstem Anklagepunkt

Bereits Ende Juli hatte das Militärgericht Manning in 20 von 22 Anklagepunkten für schuldig befunden, unter anderem wegen Spionage, Geheimnisverrat und Diebstahl von Regierungseigentum. Im schwerwiegendsten Anklagepunkt "Unterstützung des Feindes" hatte Richterin Lind den 25-Jährigen allerdings freigesprochen.

In der vergangenen Woche hatte sich Bradley Manning erstmals für seine Handlungen entschuldigt. Im Rückblick seien seine Taten naiv gewesen. Er habe jedoch niemandem schaden, sondern die Welt verbessern wollen.

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