"Elhiblu 1" bei der Einfahrt in Malta | Bildquelle: REUTERS

Mutmaßliche Schiffskaperung Drei Migranten in Malta angeklagt

Stand: 30.03.2019 14:56 Uhr

Sie wollten nicht zurück nach Libyen - deswegen hatten drei Teenager offenbar den Kapitän der "El Hiblu 1" gezwungen, den Kurs zu ändern und sie nach Malta zu bringen. Dort drohen ihnen nun lange Haftstrafen.

Drei Jungen, die ein Schiff mit Migranten an Bord auf dem Weg nach Libyen umdirigiert haben sollen, sind in Malta angeklagt worden. Den 15-, 16- und 19-Jährigen aus Guinea und der Elfenbeinküste drohen bei einer Verurteilung wegen der gewaltsamen Übernahme eines Handelsschiffs und Einschüchterung Haftstrafen zwischen sieben Jahren und lebenslang. Die ihnen zur Last gelegten Verbrechen gelten unter maltesischem Recht als terroristische Aktivität.

Einer der Angeklagten wird mit Kapuze über dem Gesicht wird aus dem Gericht geführt. | Bildquelle: AP
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Einer der Angeklagten wird aus dem Gerichtssal eskortiert.

"Terroristische Aktivität"

Das Schiff "El Hiblu 1" hatte am Mittwoch dicht vor der libyschen Küste im Mittelmeer 108 Migranten gerettet, darunter auch Frauen und Kinder. Als sie hörten, dass sie nach Libyen zurückgebracht werden sollten, zwangen die verzweifelten Migranten den Kapitän, den Kurs Richtung Malta zu ändern. Die unter der Fahne von Palau fahrende "El Hiblu 1" befand sich etwa sechs Seemeilen vor dem libyschen Hafen Tripolis, als sie plötzlich umsteuerte.

Ein maltesisches Sondereinsatzkommando hatte das Schiff daraufhin am Donnerstag auf offenem Meer übernommen und in den Hafen von Valletta gebracht. Nach der Ankunft in Valetta wurden fünf Migranten festgenommen. Sie wiesen die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück. Die übrigen von der "El Hiblu 1" geretteten Menschen wurden in einem Aufnahmezentrum untergebracht.

Folter und Vergewaltigungen in Libyen

Malta liegt rund 350 Kilometer nördlich der libyschen Küste, von der aus viele Afrikaner die gefahrvolle Überfahrt nach Europa versuchen. Zahlreiche im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge haben sich in den vergangenen Monaten dagegen gewehrt, in Libyen an Land zu gehen. Erst kürzlich hatte der UN-Vizegeneralsekretär für Menschenrechte, Andrew Gilmour, von Folter und Vergewaltigungen berichtet, die Migranten in dem nordafrikanischen Land erwarteten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. März 2019 um 13:00 Uhr.

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