Kerzen und Blumen erinnern an die ermordete Journalistin Daphne Caruana Galizia. | Bildquelle: REUTERS

Mord an maltesischer Journalistin Anklage im Fall Caruana Galizia

Stand: 01.12.2019 07:48 Uhr

Im Fall der getöteten Journalistin Caruana Galizia ist einer der reichsten Malteser wegen Beihilfe zum Mord angeklagt worden. Er selbst bestreitet die Vorwürfe. Regierungschef Muscat könnte im Januar zurücktreten.

Mehr als zwei Jahre nach dem Mord an der regierungskritischen Journalistin Daphne Caruana Galizia auf Malta ist der mögliche Drahtzieher angeklagt worden. Dem Unternehmer Yorgen Fenech wurde am Samstagabend vor Gericht in Valletta unter anderem Mittäterschaft an dem Mord und Förderung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen. Bei der Anklageerhebung am Samstagabend befanden sich auch der Ehemann der Ermordeten, ihre drei Söhne sowie ihre Eltern und Schwestern im Gerichtssaal.

Der 38-Jährige wies jegliche Schuld von sich. Er wurde nach dem Gerichtstermin wieder in Untersuchungshaft genommen. Das Gericht ordnete zudem an, sein Vermögen einzufrieren.

Muscat offenbar vor Rücktritt

Damit wächst der ohnehin schon hohe Druck auf die Regierung von Premierminister Joseph Muscat weiter. Der Angeklagte soll Kontakt zu einem der engsten Vertrauten des Regierungschefs gehabt haben. Zuvor war bekannt geworden, dass Muscat nun offenbar doch Konsequenzen aus dem Skandal um den Mord an der Journalistin ziehen will. Mehrere Medien berichteten, er wolle seine Ämter am 18. Januar niederlegen, nachdem seine Partei einen neuen Vorsitzenden gewählt habe.

Muscat ist seit 2013 Premier von Malta. 2017 war er durch vorgezogene Neuwahlen im Amt bestätigt worden. In Malta ist der Vorsitzende der Regierungspartei auch automatisch Regierungschef.

Festnahme vor zwei Wochen

Caruana Galizia, die regelmäßig über Korruption, Geldwäsche und andere illegale Geschäfte in Malta berichtet hatte, war am 16. Oktober 2017 bei einem Bombenanschlag auf ihr Auto getötet worden. Die Journalistin hatte auch Mitglieder von Muscats Regierung mit Korruptionsvorwürfen in Verbindung gebracht. Ihre Familie wirft Muscat seitdem vor, die Auftraggeber, die hinter dem Mord stehen sollen, zu decken.

Doch die Ermittlungen verliefen in den vergangenen zwei Jahren schleppend. Zwar nahm die Polizei drei Verdächtige fest, doch die schweigen beharrlich zu den Mordvorwürfen und zu möglichen Hintermännern.

Vor zwei Wochen dann geriet durch die Aussage eines festgenommenen Taxifahrers ein weiterer Verdächtiger in den Fokus: der Geschäftsmann Fenech. Er wurde in der vergangenen Woche festgenommen, als er versuchte, die Mittelmeerinsel auf seiner Yacht zu verlassen.

Rücktritte von Regierungsmitgliedern

Nach seiner Festnahme hatte Fenech Informationen über mögliche Hintermänner angeboten, dafür aber Straffreiheit gefordert, die ihm von Muscats Regierung verwehrt wurde.

Einen Namen aber nannte Fenech doch: den von Muscats ehemaligem Kabinettschef Keith Schembri. Dieser sei am Mord Caruana Galizias beteiligt gewesen. Schembri trat aufgrund der Vorwürfe zurück, wurde daraufhin verhaftet, aber schon kurz darauf wieder auf freien Fuß gesetzt. Doch es blieb nicht bei einem Rücktritt. Es folgten Wirtschaftsminister Chris Cardona und der Tourismusminister des Landes, Konrad Mizzi.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 01. Dezember 2019 um 09:00 Uhr.

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