Ein geschlossenes Lokal an der Schinkenstraße in Palma de Mallorca. | ATIENZA/EPA-EFE/Shutterstock

"Ballermann" wieder dicht Schock an der "Bierstraße"

Stand: 15.07.2020 17:46 Uhr

Weil Touristen ohne Abstand und Maske gefeiert haben, müssen die Lokale an Mallorcas Partymeilen nun für zwei Monate schließen. Die Wirte sind geschockt - doch der Tourismusminister wird deutlich.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Wenn Politiker auf Mallorca über Touristen sprechen, die sich danebenbenehmen, achten sie sehr auf die Wortwahl. Schließlich wollen sie nicht unnötig Urlauber verschrecken.

Marc Dugge ARD-Studio Madrid

Wie wütend Tourismusminister Iago Negueruela gerade sein muss, lässt sich nur erahnen: "Solche Unternehmer wollen wir ebenso wenig wie solche Touristen", sagte er. "Das ist unsere klare Botschaft. Wir wollen dieses Verhalten und auch diese Klientel nicht auf unseren Inseln."

Mit "solchen Unternehmern" meint er jene, die sich nicht an die Corona-Auflagen halten, sondern auch in diesen Zeiten auf exzessives Feiern setzen - für eine Klientel, der Maskenzwang und soziale Distanz herzlich egal ist.

"Nicht ein zweites Ischgl"

Die Bilder vom Wochenende haben viele geschockt. Am "Ballermann" wurde so hemmungslos Party gemacht wie eh und je: ohne Masken, dafür mit langen Strohhalmen im gemeinschaftlichen Sangria-Eimer. Auch der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn war entsetzt: "Ich will ausdrücklich sagen, dass die Bilder, die wir am Wochenende von der Deutschen liebsten Insel gesehen haben, von Mallorca, mich besorgen. Wir müssen sehr aufpassen, dass der 'Ballermann' nicht ein zweites Ischgl wird." 

Um das zu verhindern, müssen die Lokale in den Partymeilen am "Ballermann" aus Vorsichtsgründen geschlossen bleiben. Nichts soll mehr dazu verführen, nachlässig zu werden. Deswegen sind Stehtische mit Barhockern jetzt ebenso verboten werden wie lange Sangria-Strohhalme. 

"Die Bilder der vergangenen Tage dürfen nicht aufs Spiel setzen, was wir als Bürger gemeinsam erreicht haben", mahnte Negueruela. Fast alle Unternehmen hielten sich sorgfältig an die Regeln der Regierung und machten ihre Sache gut. "Wir können nicht erlauben, dass das Verhalten einer kleinen Minderheit unserem Ruf als Reiseziel schadet."

Wenig Verständnis bei Touristen

An der "Bierstraße" sind viele noch geschockt. Wirte und Kellner winken ab, wenn sie ein Mikrofon sehen, manche haben sogar Tränen in den Augen. Auch Tourist Frank aus Hamburg hat nur wenig Verständnis für die neuen Regeln: "Ich finde das für die Geschäfte, die hier auf den Tourismus angewiesen sind, ein bisschen überzogen", sagt er. "Dass die ganze deutsche Politik wieder Kopf steht, wenn hier eine kleine Gruppe ein bisschen feiert, ist nicht gerechtfertigt."

Aber es war eben keine kleine Gruppe, sondern eine große, die gefeiert hat. Auf Mallorca haben viele Angst davor, dass Touristen das Virus wieder auf die Insel bringen, es sich hier unkontrolliert verbreiten kann - und dann alle Betriebe wieder schließen müssten.

Verstärkte Kontrollen ab dem Wochenende

Schon ab dem Wochenende soll die Polizei verstärkt kontrollieren, dass sich alle eisern an die neuen Regeln halten. "Wir werden nicht nur die Einsatzkräfte personell aufstocken, sondern auch noch mehr darauf achten, dass Obergrenzen von Besuchern und Öffnungszeiten beachtet werden", sagte die Ministerin der Balearen für öffentliche Verwaltung, Isabel Castro. "Und dass Masken getragen werden und Abstand gehalten wird."

Mit der ausgelassenen Partystimmung am "Ballermann" ist es jetzt erstmal vorbei. Mallorca bleibt in diesem Jahr eine Insel für die, die Ruhe suchen. 

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Juli 2020 um 16:23 Uhr.