Annegret Kramp-Karrenbauer | dpa

UN-Mission in Mali Zwölf deutsche Soldaten bei Anschlag verletzt

Stand: 26.06.2021 03:27 Uhr

Bei dem Angriff auf eine UN-Patrouille in Mali sind zwölf Bundeswehrsoldaten verletzt worden - drei von ihnen schwer. Die Schwerverletzten sollen so schnell wie möglich nach Deutschland gebracht werden.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat am frühen Abend einen Sprengstoffanschlag auf Blauhelmsoldaten der MINUSMA-Mission in Mali bestätigt. Dabei seien zwölf Bundeswehrangehörige und ein weiterer UN-Soldat verletzt worden. Drei der Soldaten hätten schwere Verletzungen erlitten. Sie würden derzeit medizinisch versorgt. Zwei der Schwerverletzten seien inzwischen in einem stabilen Zustand, der dritte werde operiert. "Ihm gelten unsere besonderen Gedanken", so die Verteidigungsministerin in einem kurzen Pressestatement auf der Hardthöhe in Bonn.

Kramp-Karrenbauer zufolge ereignete sich der Anschlag am frühen Morgen, 180 Kilometer nordöstlich der Stadt Gao. Alle verletzten Soldaten seien evakuiert worden. Noch am Abend solle ein Sanitätsflugzeug der Luftwaffe nach Mali fliegen und die Schwerverletzten so schnell wie möglich nach Deutschland bringen.

Evakuierungsflug gestartet

Inzwischen ist ein erster Evakuierungsflug gestartet. Der Airbus A400M der Luftwaffe hob am frühen Morgen vom Luftwaffenstützpunkt Wunstorf nordwestlich von Hannover ab. Der Flugzeugtyp ist als fliegende Intensivstation einsetzbar und wurde unter anderem auch in der Corona-Pandemie für die Verlegung von Patienten aus Italien und Frankreich nach Deutschland genutzt. Die Verletzten sollten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur heute aus dem westafrikanischen Land nach Köln und möglicherweise auch nach Stuttgart geflogen werden.

"Heute sind wir bei den verletzten Kameraden"

Kramp-Karrenbauer betonte, die militärische Operation vor Ort sei noch nicht abgeschlossen. Vorrangiges Ziel sei jetzt, alle Militärangehörigen so schnell wie möglich in das Feldlager zurückzubringen. "Die Rettungskette, so wie wir sie vor Ort aufgebaut hatten, hat gegriffen. Und alle Verwundeten wurden mit Hubschraubern aus dem betreffenden Bereich evakuiert", sagte sie. Der militärische Einsatz sei noch nicht beendet.

Über alle weiteren Fragen - etwa die Hintergründe des Anschlags und die möglichen Folgen für den Bundeswehreinsatz - werde man sich in den nächsten Tagen befassen. "Aber nicht heute. Heute ist der Tag, an dem wir vor allem Dingen bei den verletzten Kameraden sind", so Kramp-Karrenbauer.

Die UN-Mission MINUSMA hatte den Autobomben-Anschlag auf eine Patrouille der UN-Truppe Stunden zuvor bestätigt und erklärt, 15 Blauhelm-Soldaten seien dabei verletzt worden. Über die Nationalität machte MINUSMA aber keine Angaben.

Bei einem weiteren Angriff im Zentrum des westafrikanischen Krisenlandes wurden am Freitag zudem sechs malische Soldaten getötet. Ein weiterer sei verletzt worden, teilte die Armee mit. Der Angriff ereignete sich nach Armeeangaben auf einem militärischen Außenposten im Dorf Boni. Die Truppen hätten auf "zeitgleich stattfindende Angriffe" in Boni am Nachmittag "energisch reagiert", teilte die Armee auf Facebook mit. 

Sehr gefährlicher Militäreinsatz

Die UN-Mission MINUSMA in Mali hat einen Auftrag zur Stabilisierung des Landes, in dem islamistische Terrorgruppen aktiv sind. Der Großteil der etwa 900 Bundeswehrsoldaten ist im Camp Castor nördlich von Gao stationiert. Der Einsatz gilt als der gefährlichste weltweit. Der jetzige Anschlag ist für die Bundeswehr der folgenschwerste seit Beginn des deutschen Engagements in Mali 2013.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Juni 2021 um 17:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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SinnUndVerstand 26.06.2021 • 00:28 Uhr

@ 23:07 von Blitzgescheit

Es ist bekannt, dass Sie jede sich bietende Gelegenheit nutzen, ihre Abneigung gegen Muslime und gegen andere Kulturen kundzutun. Die wirklichen Gegebenheiten interessieren Sie dabei nicht, wie auch hier zu Mali. Die Konflikte haben ihre Ursache primär in den Auseinandersetzungen zwischen nomadisch lebende Viehzüchtern und sesshafte Bauern. Diese Konflikte haben dann erst auch islamische Fundamentalisten in der Mitte des Landes auf die politische Bühne gebracht.