Hubschrauber "Tiger"

Getötete Soldaten in Mali Warum stürzte der Hubschrauber ab?

Stand: 27.07.2017 11:32 Uhr

Der Hubschrauber brannte völlig aus, die Soldaten hatten keine Überlebenschance - so viel ist sicher. Doch warum stürzte der Kampfhubschrauber ab? Das will nun ein Expertenteam der Bundeswehr in Mali klären. 875 deutsche Soldaten sind dort im Einsatz.

Die Ursache des Hubschrauberabsturzes in Mali, bei dem zwei deutsche Soldaten ums Leben kamen, ist "noch völlig offen". Das teilte der Stellvertreter des Generalinspekteurs der Bundeswehr, Vizeadmiral Joachim Rühle, mit. Einen Notruf habe es nicht gegeben. "Der abgestürzte Hubschrauber ist ausgebrannt. Hinweise auf eine Fremdeinwirkung liegen bisher nicht vor", erklärte Rühle.

Ein Expertenteam der Bundeswehr sei für die Ursachenforschung in Gao, dabei gehe es unter anderem um die Auswertung des Flugunfallschreibers.

Der Routine-Flugbetrieb der Kampfhubschrauber vom Typ "Tiger" werde bis auf Weiteres ausgesetzt. "Für den Einsatzflugbetrieb werden nur Aufträge ausgeführt, bei denen Leib und Leben einen Einsatz unbedingt erfordern. Die Entscheidung wird in jedem Einzelfall vor Ort getroffen", betonte Rühle.

Plötzlich nach vorne abgekippt

Nach Informationen des "Spiegel" geht die Bundeswehr von einem massiven technischen Defekt aus. Der Bundeswehr-Pilot eines zweiten Hubschraubers, der unmittelbar hinter der Unglücksmaschine geflogen sei, habe bereits zum Absturz ausgesagt. Demnach sei der "Tiger" vor ihm urplötzlich und ohne einen Notruf mit der Nase nach vorne abgekippt und dann sofort im Sturzflug zu Boden gegangen.

Nicht für extrem hohe Temperaturen konstruiert

Hubschrauber vom Typ "Tiger" sind eigentlich für Einsätze in Mitteleuropa konstruiert und nicht für Gegenden mit extrem hohen Temperaturen, erklärt tagesschau-Militärexperte Christian Thiels. Sie dürfen in Mali nur auf Grundlage einer Sondergenehmigung fliegen, die der Inspekteur des Heeres erteilt hatte.

Zunächst galt eine maximale Temperaturobergrenze von 43,26 Grad Celsius für den Start. Dieser Maximalwert, der sich je nach Luftdruck und Flughöhe berechnet, wurde für den Einsatz in Mali um fünf Grad angehoben. Hinweise, dass der Absturz mit dieser Problematik etwas zu tun haben könnte, gebe es derzeit aber nicht, so Thiels. Zum Zeitpunkt des Absturzes seien die Temperaturen klar unter dieser Marke gewesen.

Von der Leyen kündigt Ermittlungen an

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte gestern den Tod der beiden deutschen Soldaten bestätigt. Sie erklärte:

"Der Tod dieser Männer im Dienste unseres Landes trifft uns alle tief, und er macht uns unendlich traurig. Den Familien und Angehörigen möchte ich sagen, wir sind in dieser bitteren Stunde an Ihrer Seite und trauern mit Ihnen."

Steinmeier: "Hohes persönliches Risiko"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier reagierte betroffen auf den Tod der Soldaten. Er betonte, dass Deutschland mit der Beteiligung an dem UN-Einsatz einen wichtigen Beitrag zur Stabilisierung Malis leiste. "Dieser tragische Vorfall zeigt einmal mehr, mit welchem hohen ‎persönlichen Risiko der Einsatz unserer Soldatinnen und Soldaten verbunden ist."

Gefährlichster Bundeswehr-Einsatz

Der Hubschrauber und die Besatzungsmitglieder waren im Auftrag der UN-Friedensmission "Minusma" im Einsatz. Der Bundestag hatte im Januar beschlossen, den deutschen Einsatz in Mali auszuweiten. Zurzeit befinden sich etwa 875 Bundeswehrsoldaten in Mali.

"Minusma" gilt als derzeit gefährlichster Einsatz der Bundeswehr. Extremisten greifen dort immer wieder UN-Friedenstruppen und malische Streitkräfte an.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 26. Juli 2017 um 22:15 Uhr und die tagesschau am 27. Juli 2017 um 09:00 Uhr.

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