Moskitos hängen an einem Netz | Bildquelle: dpa

Neuer Impfstoff In großem Maßstab gegen Malaria

Stand: 22.04.2019 13:33 Uhr

Im Kampf gegen Malaria gibt ein neuer Impfstoff Anlass zu Hoffnung. Mit einem großangelegten Pilotprojekt soll die Krankheit, der vor allem Kleinkinder zum Opfer fallen, eingedämmt werden - doch gibt es auch Schwierigkeiten.

Erstmals soll ein Impfstoff gegen Malaria in großem Maßstab eingesetzt werden. Nach drei Jahrzehnten Entwicklungsarbeit sollen bis 2022 im Rahmen eines Pilotversuchs in Malawi, Ghana und Kenia insgesamt jedes Jahr rund 360.000 Kleinkinder gegen die gefährliche Krankheit geimpft werden.

Die Koordinatorin des Impfprogramms bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Mary Hamel, erklärte, die Impfung habe das Potenzial, das Leben von Zehntausenden Kindern zu retten. "Malaria ist immer noch eine tragisch tödliche Krankheit", sagte Hamel. "Jedes Jahr sterben in Afrika rund 250.000 Kinder an Malaria".

Trotz aller Hoffnung - der Impfstoff wirkt nur eingeschränkt

Mit der Impfung verbinden sich große Hoffnungen. Der Impfstoff "RTS,S" wirkt gegen den in Afrika verbreiteten und gefährlichsten Malaria-Erreger Plasmodium falciparum

Allerdings kann die Immunisierung selbst im besten Fall die Krankheit nicht alleine besiegen. In der bislang größten klinischen Studie mit 15.000 Kleinkindern hat der Impfstoff rund 40 Prozent der Malaria-Erkrankungen und rund 30 Prozent der schweren Malaria-Fälle verhindert. Das ist für die WHO noch nicht ausreichend. Deren Zielvorgabe liegt bei 80 Prozent.

Neben der eingeschränkten Wirksamkeit wird auch die praktische Durchführung der Impfungen aufwendig. Für die volle Wirksamkeit müssen Kleinkinder vier Spritzen bekommen. Die ersten drei Impfungen sollen im Alter von etwa fünf bis neun Monaten stattfinden, die vierte etwa im Alter von von zwei Jahren. Es ist eine Herausforderung des Pilotprojekts, sicherzustellen, dass Eltern ihre Kinder zu allen vier Impfterminen bringen.

Kombination verschiedener Mittel im Kampf gegen Malaria

Wegen des eingeschränkten Schutzes der Impfung setzen Experten auf die Kombination verschiedener Präventionsmaßnahmen, über die Eltern entsprechend aufgeklärt werden müssten. In den bisherigen Studien sei dies erfolgreich und verständlich vermittelt worden, so Hamel. "Die Eltern verstehen zum Beispiel auch, dass die Nutzung von Moskitonetzen wichtig ist, um die Wahrscheinlichkeit von Malaria-Erkrankungen zu senken".

"Der Kampf gegen Malaria ist einer, in dem wir unvollkommene Werkzeuge nutzen", sagt der Direktor des Malaria-Programms der WHO, Pedro Alonso. Die beste Wirkung könne man nur haben, wenn man diese kombiniere. "Die Malaria-Impfung verstärkt unseren Werkzeugkasten".

Spritze | Bildquelle: dpa
galerie

Ein neuer Impfstoff gegen Malaria wird in einem Pilotversuch in Afrika erstmals regulär eingesetzt

Zahl der Malaria-Erkrankungen wieder angestiegen

Laut WHO stieg die Zahl der Malaria-Erkrankungen 2017 im Vergleich zum Vorjahr um gut zwei Millionen auf 219 Millionen Fälle an. Insgesamt starben 435.000 Menschen, 90 Prozent der Erkrankungen ereigneten sich in Afrika.

Einen Impfstoff gegen die Krankheit zu entwickeln, gilt als schwierig. Der Parasit ist widerstands- und anpassungsfähiger als zum Beispiel Viren, die Masern oder Ebola auslösen. Übertragen wird die Krankheit durch Stiche der Anopheles-Mücke, die die Erreger in sich tragen. Diese gelangen in die Blutbahn und vermehren sich in der Leber. Malaria verursacht Fieber, Blutarmut und neurologische Problem und kann unbehandelt schnell tödlich verlaufen.

Über dieses Thema berichtete SWR2 Impuls am 18. April 2019 um 16:20 Uhr.

Darstellung: