Anwalt wurde mutmaßlich zu Tode gefoltert Russland stellt Ermittlungen zu Magnitski-Tod ein

Stand: 19.03.2013 13:57 Uhr

Mehr als drei Jahre nach dem qualvollen Tod des Moskauer Anwalts Sergej Magnitski haben russische Behörden die Ermittlungen eingestellt. Es gebe kein Hinweis auf ein Verbrechen, teilte die oberste Ermittlungsbehörde in Moskau mit. Bei dem Juristen der Firma Hermitage Capital seien weder Spuren von Folter noch anderer physischer Gewalt gefunden worden.

Zu Tode geprügelt?

Magnitski
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Die Behörden sahen keinen Anhaltspunkt für ein Verbrechen - und konnten auch keinen Täter identifizieren.

Dagegen hatte der Menschenrechtsrat des Kreml bereits 2011 festgestellt, dass der Anwalt wahrscheinlich in Haft zu Tode geprügelt wurde. Er sei dem Bericht zufolge mehrfach geschlagen worden, hätte aber keine medizinische Versorgung erhalten. Präsident Wladimir Putin hatte jedoch erklärt, Magnitski sei an Herzversagen gestorben. Obendrein macht die russische Justiz dem Toten posthum einen Prozess wegen angeblichen Steuerbetrugs.

Menschenrechtler, frühere Kollegen sowie Angehörige Magnitskis werfen den Behörden vor, den Anwalt 2009 in seiner Zelle zu Tode gefoltert zu haben. Ein Anwalt der Familie kündigte an, gegen die Einstellung der Ermittlungen Einspruch einzulegen. Die Verantwortlichen für den Tod des 37-Jährigen müssten gefunden werden. Der einzige jemals Beschuldigte, der Gefängnisdirektor, war im vergangenen Jahr freigesprochen worden.

Magnitski deckte Korruptionsfall auf

Russische Demonstranten erinnern an das Schicksal des toten Anwalts Sergej Magnitski.
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Russische Demonstranten erinnern an das Schicksal des toten Anwalts Magnitski. (15.12.2012)

Magnitski hatte damals einen weitreichenden Korruptionsskandal aufgedeckt und Offiziere des Innenministeriums beschuldigt, den Staat um mehr als 200 Millionen US-Dollar geprellt zu haben. Er war daraufhin festgenommen worden und starb im Untersuchungsgefängnis. Der Fall sorgt seit Jahren international für Aufregung. Die USA haben gegen Funktionäre, die gegen Magnitski vorgegangen waren, Sanktionen wie Einreiseverbote und Kontosperren verhängt. Das gleich gilt für Russen, denen Menschrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Russlands Präsident Putin "revanchierte" sich wiederum mit einem umstrittenes Gesetz unterzeichnet, das US-Bürgern die Adoption russischer Kinder verbietet.

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