Zwei italienische Polizisten eskortieren Settimino Mineo aus einer Polizeiwache in Palermo. | Bildquelle: AFP

Schlag gegen Italiens Mafia Der "Boss der Bosse" in Handschellen

Stand: 04.12.2018 11:37 Uhr

Offiziell gehörte Settimo Mineo ein Juweliergeschäft im sizilianischen Palermo. Tatsächlich soll der 80-Jährige aber Chef der Cosa Nostra gewesen sein. Nach monatelangen Ermittlungen wurde der "Boss der Bosse" festgenommen.

Die italienische Polizei hat in Sizilien mehr als 40 mutmaßliche Mafia-Mitglieder festgenommen - darunter ist der neue Chef der Cosa Nostra. Den Festgenommenen werden unter anderem illegaler Waffenbesitz, Erpressungen, Brandstiftungen und gewaltsame Übergriffe vorgeworfen.

Settimo Mineo soll demnach die auch als "Kuppel" bezeichnete sizilianische Mafia-Kommission angeführt haben, in denen die führenden Mitglieder der kriminellen Organisation versammelt sind. Möglicherweise stand er auch noch kurz vor der formalen Inthronisierung. Mineo war spätestens seit den 1980er-Jahren für die Mafia aktiv. Er saß bereits eine längere Haftstrafe ab und war offenbar der Anführer der Mafia in der Stadt Palermo.

Nie am Telefon

Die Ermittlungen hatten sich über Monate hingezogen, Mineo hatte nie das Telefon benutzt und war viel zu Fuß unterwegs. Nach Angaben der Behörden war der 80-Jährige, dem offiziell ein Juweliergeschäft am Rand der Innenstadt gehörte, Nachfolger Salvatore "Toto" Riinas, der im vergangenen Jahr im Gefängnis gestorben war. Riina verbrachte mehr als 25 Jahre in Haft - unter anderem wegen der Ermordung der bekannten Juristen und "Mafiajäger" Paolo Borselino und Giovanni Falcone.

Italien Innenminister Matteo Salvini sprach von einem der größten Schläge gegen die Mafia. Es sei kein Platz für "Abschaum" wie Mineo in Italien, schrieb er bei Instagram.

Geld verdient die Cosa Nostra mit dem Drogenhandel, Online-Wetten und Bauaufträgen. Von einer regionalen Verbrecherorganisation ist sie schon lange zu einem Global Player aufgestiegen.

Mit Informationen von Jan-Christoph Kitzler, ARD-Studio Rom

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Dezember 2018 um 11:00 Uhr.

Darstellung: