Erdogan zu Gast bei Maduro in Caracas

Maduro und Erdogan Vereint gegen die USA

Stand: 03.02.2019 13:59 Uhr

Der türkische Präsident Erdogan steht auf der Seite von Venezuelas Präsident Maduro. Ein Grund: Nach dem Putschversuch 2016 in der Türkei hatte sich Maduro solidarisch gezeigt.

Von Oliver Mayer-Rüth, ARD-Studio Istanbul

Dezidiert äußert sich die türkische Führung immer wieder zu den Vorgängen in Venezuela. Erst am Freitag warnte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu, dort könnte ein Bürgerkrieg ausbrechen.

Kurz nachdem sich der venezolanische Parlamentspräsident und Oppositionsführer Juan Guaidó zum Interimspräsidenten des südamerikanischen Landes erklärt hatte, rief Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro an und riet ihm, gegenüber oppositionellen Forderungen nach Wahlen standhaft zu bleiben.

Damit positioniert sich Erdogan ein weiteres Mal gegen Washington, denn US-Präsident Donald Trump hatte sich explizit für die Anerkennung Guaidós ausgesprochen. Nicht nur die US-Führung hält Maduro für einen Diktator.  

Schulterschluss als Akt der Solidarität

"Warum unterstützt die Türkei den gewählten venezolanischen Führer?", fragt der Politikwissenschaftler Burhanettin Duran in einem Kommentar für die der AKP-Regierung besonders nahe stehende Tageszeitung "Daily Sabah". Duran wirft Trump vor, dieser habe kein Problem, einen weiteren Putsch zur langen Liste militärischer Interventionen in Südamerika hinzuzufügen.

Erdogans Schulterschluss mit Maduro habe niemanden überrascht, so Duran. Es handle sich um einen Akt der Solidarität, weil sich Maduro nach dem im Juli 2016 in der Türkei gescheiterten Putsch gegenüber Erdogan ebenso solidarisch gezeigt habe.

Nicht nur im Regierungslager in Ankara ist man überzeugt, dass der im US-Exil lebende Islamprediger Fethullah Gülen hinter dem Putschversuch stecke und dieser nicht ohne Washingtons Einverständnis oder gar Unterstützung habe angezettelt werden können. Die Parallelen zum Geschehen in Venezuela liegen nach türkischer Lesart folglich auf der Hand. Und sie nähren den in der Türkei weit verbreiteten Anti-Amerikanismus.

Maduro und Erdogan winken vor dem Präsidentenpalast in Caracas | Bildquelle: REUTERS
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In der Türkei sieht man Parallelen zwischen dem Putschversuch 2016 und der Lage jetzt in Venezuela.

Auch linke Politiker auf der Seite Maduros

Der Journalist Cengiz Candar kritisiert auf der Internetnachrichtenseite "Al-Monitor" Teile der türkischen Linke, die aufgrund der venezolanischen Krise mit Erdogans Außenpolitik auf einer Linie sei. Einige türkische Sozialisten zeigen sich Maduro gegenüber ähnlich solidarisch wie Teile der Linken in Deutschland.

Dabei stört sie kaum, dass der venezolanische Präsident im Spätsommer 2018 Istanbul besuchte und in einem landesweit bekannten, besonders teuren Steak-Restaurant dinierte. Venezolaner untertitelten hingegen den Restaurantbesuch in sozialen Medien mit dem Nebensatz, "während in seiner Heimat die Menschen verhungern".

Nachdem Trump Guaido als Interimspräsident anerkannt hat, hätten Linke in türkischen sozialen Medien umgehend anti-amerikanische und Pro-Maduro-Kommentare verbreitet, so Candar. In diversen oppositionellen türkischen Tageszeitungen, auch in der renommierten "Cumhuriyet", sei zu lesen, Trump gehe es allein um Venezuelas Öl. Ein Kolumnist der "Cumhuriyet" beschuldigte Washington, die venezolanische Wirtschaft vorsätzlich geschwächt zu haben, um nun Maduro zu Fall zu bringen.

Candar geht mit türkischen Maduro-Anhängern hart ins Gericht. Ob es sich um Repressionen handle, ob das Regime autokratisch oder diktatorisch sei, das interessiere nicht. Es gehe nur darum, gegen die USA zu sein. Das gefalle wiederum Erdogan, dessen AKP-Partei sich Ende März Kommunalwahlen stellen muss.

Venezolanisches Gold verschoben?

Ein BBC-Bericht legt nahe, ein weiterer Grund für Erdogans Pro-Maduro-Politik könnte venezolanisches Gold sein. Gold-Exporte aus Venezuela in die Türkei seien 2018 deutlich gestiegen. Von einem westlichen Diplomaten will die BBC erfahren haben, dass man den Goldhandel zwischen Caracas und Ankara mit großer Sorge sehe. Das Edelmetall könnte über die Türkei in den Iran importiert werden, was US-Sanktionen unterlaufen würde. Ankara sei deshalb gewarnt worden.

US-Senator Marco Rubio beschuldigt Maduro auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, venezolanische Goldreserven zu stehlen. Er hoffe, die Türkei sei kein Komplize bei diesem skandalösen Verbrechen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Januar 2019 um 08:12 Uhr.

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