Peter Madsen  | Bildquelle: REUTERS

Tote Journalistin Kim Wall Dänischer Erfinder gesteht Mord in U-Boot

Stand: 09.09.2020 12:54 Uhr

Für den grausamen Mord an der Journalistin Kim Wall wurde der Erfinder Madsen 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt - aber seine Schuld bestritt er stets. Jetzt räumt er in einem Dokumentarfilm ein: Er war es doch.

Der wegen der Ermordung der schwedischen Journalistin Kim Wall zu lebenslanger Haft verurteilte dänische U-Boot-Bauer Peter Madsen hat die Tat gestanden. In einem am Mittwoch ausgestrahlten Dokumentarfilm antwortete Madsen am Telefon auf die Frage, ob er die junge Frau im August 2017 getötet habe, mit "Ja". Er fügte hinzu: "Es gibt nur einen Schuldigen, und das bin ich." Zuvor hatte er die Tat stets bestritten.

Madsen war im April 2018 für schuldig befunden worden, sich an der Journalstin Kim Wall sexuell vergangen und sie ermordet zu haben. Er selbst behauptete während des Gerichtsverfahrens, Wall sei durch einen Unfall auf seinem selbst gebauten U-Boot ums Leben gekommen und er habe Teile der Leiche in der Ostsee versenkt. In einem Berufungsverfahren scheiterte er jedoch.

Forensiker untersuchen im August 2017 im Hafen von Kopenhagen das U-Boots Madsens. | Bildquelle: AP
galerie

Forensiker untersuchten das von Madsen selbst gebaute U-Boot im Hafen von Kopenhagen.

Was war genau geschehen?

Die damals 30-jährige Wall war am 11. August 2017 nach einem Treffen mit Madsen auf dessen selbstgebautem U-Boot "Nautilus" verschwunden. Madsen präsentierte unterschiedliche Versionen des Geschehens und stritt eine vorsätzliche Gewalttat ab. Unter anderem gab er an, sie sei gestorben, als ihr die Luke des U-Boots auf den Kopf gefallen sei. Ihr später gefundener Schädel wies jedoch keine entsprechenden Verletzungen auf. 

Das Gericht sah es schließlich als erwiesen an, dass Madsen Wall sexuell missbrauchte, folterte, auf grausame Weise ermordete, ihre Leiche zerstückelte und im Meer verschwinden ließ. Teile von Walls Leiche wurden später in der Ostsee entdeckt, sie wies Schnitt- und Stichverletzungen auf.

Gerichtsmedizinische Untersuchungen ergaben, dass Wall wahrscheinlich durch Strangulierung oder einen Kehlenschnitt getötet wurde. Eine genaue Feststellung der Todesursache war aufgrund des Zustands von Walls Leiche nicht möglich.

Peter Madsen | Bildquelle: dpa
galerie

Der erste Prozess gegen Madsen begann im August 2017, später ging er in Berufung.

Fetisch-Videos auf Computerfestplatte

Zeugen, darunter mehrere Ex-Freundinnen, beschrieben den Erfinder als Anhänger brutaler Sado-Maso-Praktiken.

Wall arbeitete als freie Journalistin und war stets auf der Suche nach ungewöhnlichen Geschichten. Sie hatte vor, eine Reportage über Madsen zu schreiben. Nach ihrem Tod gründeten ihre Familie und Freunde in ihrem Namen die Internationale Stiftung für Frauen in den Medien.

Madsen "gesteht" Mord im U-Boot
Carsten Schmiester, ARD Stockholm
09.09.2020 16:36 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL RADIO am 09. September 2020 um 13:00 Uhr.

Darstellung: