Mitglieder der spanischen Militäreinheit UME bereiten sich auf die Desinfizierung eines Altersheims in Madrid vor. | picture alliance/dpa

Corona-Pandemie Wie sich Madrid desinfiziert

Stand: 03.10.2020 14:37 Uhr

Im Kampf gegen das Coronavirus setzt Spanien auch Spezialeinheiten des Militärs ein. Im Epizentrum der Pandemie desinfizieren die Trupps Bahnhöfe, Märkte und Altersheime. Bericht aus einer Stadt im Desinfektionsnebel.

Von Marc Dugge, ARD-Studio Madrid

Sie sieht wie eine Schneekanone aus - die große Turbine, die auf einen Lastwagen montiert ist. Sie sprüht einen feinen Nebel auf die Laderampen des Madrider Großmarkts. Es ist nicht Schnee, sondern Desinfektionsmittel.

Marc Dugge ARD-Studio Madrid

Die UME, eine Spezialeinheit des Militärs, ist wieder im Dauereinsatz. Schon in der ersten Welle im Frühjahr war sie im ganzen Land unterwegs, um Altersheime, Bahnhöfe oder Krankenhäuser zu desinfizieren: Über 20.000 Einsätze in 98 Tagen. Die Sommerpause war kurz - Spanien steckt mitten in der zweiten Welle. Und der Geruch von Desinfektionsmitteln ist wieder allgegenwärtig.

Mit Hochdruck gegen das Virus

Auch in der "Königlichen Akademie für Geschichte" vernebeln Reinigungskräfte Zimmer mit Desinfektionsmitteln, allerdings nicht mit großen Kanonen, sondern mit Hochdruckreinigern und Sprühpistolen. Denn an diesem Ort muss besonders vorsichtig desinfiziert werden: An der Wand hängen alte Bilder, darunter Originale von Goya. In den Regalen stapeln sich uralte Bücher.

Das sei eine Herausforderung sagt José Luis Perez, Chef des Desinfektionsunternehmens Counterfog: "Die Kunstwerke sind sehr empfindlich, man kann sie nicht auf eine herkömmliche Art desinfizieren. Und man muss auf der anderen Seite sicherstellen, dass das Virus restlos verschwindet - sowohl aus der Luft wie vom Mobiliar."

José Luis Perez könnte man einen Krisengewinner nennen. Er ist Professor an der Universität von Alcalá de Henares. Im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts entwickelte er dort eine Technik mit, die es erlaubt, Flüssigkeiten in Form von ultrafeinen Tröpfchen zu versprühen. Ursprünglich sollte die Technik bei der Terrorbekämpfung eingesetzt werden - etwa, um Anthraxsporen oder andere Erreger unschädlich zu machen. Doch dann kam das Coronavirus - und auch hier hilft das Vernebeln.

Viel Arbeit für Reinigungsunternehmen

"Wenn ich versuche, das Virus einzufangen, indem ich etwas auf eine Oberfläche sprühe, dann wird es von dem dabei entstehenden Wind nur im Raum verteilt", sagt Perez. Das Gleiche würde mit einem Tuch geschehen - auch hier wedele die Luft die Keime oft nur auf. "Es ist also nötig, diese mit ganz kleinen Tröpfchen zu fangen. So, dass sie von der Flüssigkeit umschlossen werden", erklärt Perez. 70 Maschinen hat er ausgeliefert, auch an die spanische Polizei und das Militär. Er komme mit den Bestellungen nicht hinterher.

Aber Pandemiezeiten heißen für Reinigungsunternehmen nicht automatisch auch goldene Zeiten. "Es gibt Unternehmen, die derzeit mehr Reinigung wünschen. Aber wir haben auch Kunden, die derzeit nicht arbeiten können - beispielsweise in der Hotellerie oder anderen, besonders betroffenen Branchen", sagt Javier Díaz, Geschäftsführer des deutsch-spanischen Reinigungskonzerns Claro Sol.

Immerhin: Geschrubbt, gesäubert und desinfiziert werden muss immer. Erst recht in diesen Zeiten, erst recht in Madrid.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Oktober 2020 um 14:25 Uhr.