Das Wrack der "Francia" an der Küste Masagaskars | EPA

Vor der Küste Madagaskars Doppeltes Unglück auf dem Ozean

Stand: 22.12.2021 18:56 Uhr

Vor der Küste Madagaskars ist ein offenbar überladenes Frachtschiff gesunken. Mindestens 83 Menschen starben. Auf dem Weg zur Unglücksstelle stürzte ein Militär-Hubschrauber ab. Ein Staatssekretär wurde vom Retter zum Geretteten.

Drama bei Bergungsarbeiten nach einem Schiffsunglück vor Madagaskars Küste: Ein Militär-Helikopter mit Regierungsmitgliedern an Bord stürzte in den Indischen Ozean. Staatssekretär Serge Gellé sowie der Bordmechaniker wurden nach mehreren Stunden gerettet, vom Piloten fehlt weiter jede Spur.

Gellé war nach zwölf Stunden im Wasser schwimmend von einem Fischer geborgen und an Land gebracht worden. Weil er keine Rettungsweste trug, habe er seinen Sitz gelöst und als Boje genutzt, sagte der 57-Jährige. Er sei ruhig geblieben und habe alle schweren Gegenstände, etwa seine Stiefel und seinen Gürtel, abgenommen. "Ich habe alles getan, um am Leben zu bleiben", sagte Gellé. Nach seiner Rettung sagte er, es gehe ihm gut, ihm sei nur kalt.

In sozialen Netzwerken wurde Gellé für seinen Kraftakt gefeiert, als Held oder als Vorbild bezeichnet. Die Ursache des Helikopter-Absturzes ist bisher ungeklärt, teilten die Behörden mit.

Staatssekretär Gellé nach seiner Rettung vor Madagaskar | AFP

Staatssekretär Gellé nach seiner Rettung. Zuvor schwamm er zwölf Stunden im Indischen Ozean. Bild: AFP

Opferzahl nach Schiffsunglück steigt

Ähnlich dürfte die Lage beim Schiffsunglück sein, welches den Flug ausgelöst hatte. Wassereintritt im Maschinenraum habe "das Massaker verursacht", sagte Maurice Tianjara, der stellvertretende Generaldirektor der Meeresagentur. Das Boot habe offensichtlich seine Ladekapazität überschritten. An Bord der "Francia" waren etwa 130 Menschen, mindestens 83 ertranken beim Untergang. Ersten Mitteilungen der Behörden zufolge waren 50 Passagiere gerettet worden. Die Suche nach weiteren Vermissten dauert an. Die Passagiere seien illegal an Bord gewesen, da es sich bei der "Francia" eigentlich nur um ein Frachtschiff gehandelt habe, hatte ein Sprecher der Hafenbehörde erklärt.

Der Hubschrauber mit Gellé und ein weiterer Helikopter wurden nach offiziellen Angaben eingesetzt, um eine Regierungsdelegation an die Stelle zu fliegen, an der "Francia" sank.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 22. Dezember 2021 um 17:56 Uhr.