Präsidenten Macron und Trump | Bildquelle: AFP

Macron in den USA Handshake oder Armdrücken?

Stand: 25.04.2018 04:39 Uhr

Für Obama war Merkel die Nummer eins in Europa. Trump hofiert dagegen Frankreichs Präsidenten Macron besonders. Doch handelt es sich um Gesten der Freundschaft - oder eine Machtdemonstration?

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Schon vor seinem Staatsbesuch in Washington nannten die amerikanischen Medien Emmanuel Macron den "Trump whisperer", den "Trump-Flüsterer", dem es gelingt, Trump auf einer besonderen Wellenlänge zu erreichen.

Zwei Tage lang überschütteten sich beide Präsidenten mit Komplimenten, drückten sich ausgiebig die Hand, klopften sich auf die Schulter, deuteten Wangenküsse an, und Trump kümmerte sich sogar um Macrons Erscheinungsbild: "Ja, wir haben eine sehr besondere Beziehung", sagte Trump zu Macron gewandt, "lass mich doch gerade mal die Schuppen von Deinem Anzug wischen."

War dies eine freundschaftliche Geste, damit Macron perfekt aussieht, weil er eben "perfekt ist", wie Trump meinte. Oder war es doch eher die dominante Geste eines 71-jährigen Alphatiers gegenüber dem deutlich jüngeren Konkurrenten? Darüber wurde anschließend in den US-Medien und im Netz heftig gestritten. Der Kommentator im Sender CNN, Jeffrey Toobin, war sich sicher: "Das war die Geste eines Alphamännchens. Wer möchte schon vor einem internationalen Publikum auf seine Schuppen hingewiesen werden?"

Macron und Trump - eine wahre "Bromance"?
tagesschau24 10:00 Uhr, 25.04.2018, André Steins, ARD Washington

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Echte "Bromance"

Dennoch war spürbar: bei allem Gerangel, wer von beiden länger die Hand des anderen drückt und wer wem den Arm um die Schulter legt - die beiden mögen sich, eine echte "Bromance" - also Bruderliebe. Mehrfach schwärmte Trump: "Ich mag ihn sehr."

Und Macron gab Trump das Gefühl, respektiert zu sein. Bei allen Gegensätzen zwischen dem intellektuellen Macron und dem populistischen Trump - der Franzose betonte das Gemeinsame. Schließlich hätten beide als Außenseiter mit Hilfe des Volkes die Macht erobert.

"Macron macht das brillant", lobt die politische Kolumnistin Gloria Borger. "Er weiß, wie man Trump behandeln muss."

Inhaltlich kaum Fortschritte

Trotz großer Gesten gab es bei Sachfragen kaum Annäherung zwischen Trump und Macron.
Iran: Trump kritisierte erneut das Atomabkommen mit dem Land. Zusammen mit Macron sprach er sich deshalb für einen neuen Deal aus - wie dieser aussehen soll, und welche Elemente des alten Abkommen beibehalten werden könnten, ist unklar. Der Iran hatte jedoch angedeutet, sein Atomprogramm wieder in vollem Umfang aufzunehmen, sollte der bestehende Deal gekippt werden.
Zölle: Trump wiederholt, dass die Europäische Union die USA bisher unfair behandelt habe. Macron beschwichtigte: "Es ist allen bekannt, dass es in einigen Bereichen Überkapazitäten gibt, wir müssen uns gemeinsam dafür einsetzen, dass kein unfairer Wettbewerb entsteht. Aber wir können festhalten, dass wir alle miteinander verbunden sind und internationales Handelsrecht respektieren."
Syrien: Der US-Präsident bekräftigte zwar seine Absicht, die US-Soldaten möglichst bald aus Syrien abziehen zu wollen. Er ging aber auf die Bedenken der Europäer ein und fügte hinzu, dass man zunächst den Einsatz gegen den "Islamischen Staat" (IS) beenden müsse. Man wolle eine "starke und nachhaltige Fußspur" in Syrien hinterlassen.

Guter Draht ist Glücksfall für Europa

Schon im Juli in Paris war Trump begeistert vom Empfang zum französischen Nationalfeiertag. Von der Militärparade war er so beeindruckt, dass es im November ein ähnliches Spektakel in Washington geben soll. Auch die Pracht und das üppige Gold im Élysée-Palast fand Trump großartig.

Für Europa sei Macrons guter Draht zu Trump ein Glücksfall, meint die White-House-Korrespondentin Rebecca Berg auf "CNN": "Das ist wichtig. Denn für Theresa May in Großbritannien und Angela Merkel in Deutschland konnte sich der Präsident bisher nicht erwärmen. Macron weiß, dass man Trump loben muss."

Angela Merkel war bei Barack Obama die erste Adresse in Europa. Trump will möglichst alles anders machen als Obama. Auch deshalb hat es die Kanzlerin bei ihm nicht leicht. Am Freitag kommt sie zu einem kurzen Arbeitsbesuch ins Weiße Haus. Vorher wird sie von Macron gebrieft, wo das Trump-Flüstern bereits geholfen hat und wo die Kanzlerin nachhaken muss.

Angela Merkel empfängt Barack Obama im Kanzleramt | Bildquelle: dpa
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Angela Merkel und Barack Obama pflegten eine gute Beziehung.

"Gute Choreografie"

Gut sieht es beim Thema Syrien aus. Trump ist bereit, auf einen sofortigen Abzug der US-Soldaten zu verzichten. Auch beim Thema Handel und Strafzölle hat Macron gute Vorarbeit geleistet. Völlig offen ist, ob sich Trump auf Macrons Vorschlag eines erweiterten Iran-Atomabkommens einlässt.

Dennoch lobt die politische Kolumnistin Gloria Borger den Doppelbesuch Macrons und Merkels: "Erst kommt Macron, um Trump etwas weichzuklopfen. Und dann kommt Angela Merkel. Das ist gute Choreografie." Teil der Charme-Offensive von Macron ist auch eine Rede vor dem Kongress, die er am Nachmittag halten wird.

Doch ob es auch bei den strittigen Themen etwas gebracht hat, das werden erst Trumps Entscheidungen in den nächsten Wochen zeigen.

Macron - Trump-Flüsterer und erste Adresse in Europa
Martin Ganslmeier, ARD Washington
25.04.2018 06:26 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 24. April 2018 um 22:15 Uhr.

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