Der französische Präsident Emmanuel Macron und die britische Premierministerin Theresa May | Bildquelle: REUTERS

Französisch-britischer Gipfel Briten wollen begehrenswert bleiben

Stand: 18.01.2018 22:23 Uhr

Im Mittelpunkt des französisch-britischen Regierungsgipfels mit Macron und May stand die Lage in der französischen Hafenstadt Calais. Von dort wollen viele Flüchtlinge nach Großbritannien.

Von Thomas Spickhofen, ARD Studio London

Mit der französischen Nationalhymne und begleitet von gelegentlichen Regenschauern empfing Theresa May Emmanuel Macron. Dabei war für die Gespräche in der Militärakademie Sandhurst vor allem eine Schönwetter-Strategie vorgesehen. Davon ließ sich Macron auch nicht abbringen und bedankte sich auf Englisch bei May für den Empfang.

Umfangreiches Angebot für Macron

Das Angebot von May für Macron bei diesem Gipfeltreffen ist umfangreich: Großbritannien gibt mehr Geld für die Grenzanlagen in Calais, es arbeitet mit Frankreich eng in Sicherheitsfragen zusammen, bei der Wissenschaft soll noch mehr gehen, der Schüleraustausch wird verstärkt, sogar mehr Städtepartnerschaften soll es geben. Die Botschaft der Briten ist klar: Wir bleiben ein starker und begehrenswerter Partner - trotz und sogar gerade nach dem Brexit.

Umgerechnet rund 50 Millionen Euro wollen die Briten über den Kanal schicken, um die Befestigungen in Calais aufzurüsten. Sie sind für Zäune, Kameraüberwachung und Infrarot-Technologie an der Grenze gedacht, also für mehr Sicherheit, sagte May. "2016 hat es mehr als 56.000 illegale Versuche des Grenzübertritts gegeben, die aufgehalten werden konnten. Die neuen Investitionen machen die Grenzen Großbritanniens noch sicherer", erklärte sie.

Offen ließ May allerdings, ob Großbritannien im Gegenzug mehr Flüchtlinge von dort aufnimmt - vor allem unbegleitete Jugendliche und solche mit Angehörigen auf der Insel. Darauf drängt Frankreich.

Flüchtlinge warten in Calais | Bildquelle: AFP
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Flüchtlinge in Calais (August 2017)

Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen verstärken

Auch die Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen soll verstärkt werden. Zum ersten Mal trafen sich alle Geheimdienstchefs beider Seiten. Frankreich und Großbritannien haben in den vergangenen zwei Jahren besonders viele Terroranschläge erlitten.

Militärisch mehr gemeinsam

Auch militärisch wollen sie mehr gemeinsam tun: Die Briten stellen Frankreich Hubschrauber und Personal für den Kampf gegen den Terror in Afrika zur Verfügung. Umgekehrt will Frankreich den Briten an anderer Stelle helfen. "Wir stehen zusammen angesichts der russischen Aggression in Ost-Europa. Deshalb wird Frankreich die von Großbritannien geführte Truppe an der NATO-Grenze in Estland verstärken", betonte May.

Der Brexit sei nur ein Thema und nicht das alles überlagernde gewesen, versicherten beide Regierungschefs nach ihrem Treffen, an dem auf beiden Seiten auch wichtige Minister teilnahmen.

"Großbritannien und Frankreich werden immer Nachbarn bleiben. Uns verbindet die Freundschaft und die gemeinsame Überzeugung von Freiheit und Gerechtigkeit daheim und in der Welt", erklärte May.

Die alle zwei Jahre stattfindenden Gespräche zwischen den Regierungsspitzen aus London und Paris haben durch den bevorstehenden EU-Austritt Großbritanniens eine neue Bedeutung bekommen. Nach Einschätzung von britischen Medien setzen sie den Ton für ein neues Selbstverständnis des Landes in seiner internationalen Rolle.

May und Macron vereinbaren mehr Zusammenarbeit
Thomas Spickhofen, ARD London
18.01.2018 21:22 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Januar 2018 um 10:02 Uhr.

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