Emmanuel Macron | Bildquelle: REUTERS

Sicherheitspolitik Macron tadelt Kramp-Karrenbauer

Stand: 16.11.2020 16:57 Uhr

Frankreichs Präsident Macron hat Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer offen kritisiert. Sie hatte die strategische Unabhängigkeit Europas von den USA als Illusion bezeichnet. Das sei eine "Fehlinterpretation der Geschichte", so Macron.

Ungewöhnlich offen hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron Äußerungen von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer kritisiert. Sie hatte der Idee einer strategischen Eigenständigkeit Europas eine Absage erteilte. "Ich halte das für eine Fehlinterpretation der Geschichte", sagte Macron in einem Interview mit der Zeitschrift "Grand Continent". Er fügte mit Blick auf Bundeskanzlerin Angela Merkel hinzu: "Zum Glück verfolgt die deutsche Kanzlerin nicht diese Linie, wenn ich es richtig verstanden habe."

Kramp-Karrenbauer hatte kurz vor der US-Präsidentenwahl Anfang November beim Internetportal Politico einen Gastbeitrag mit dem Titel "Europe still needs America" ("Europa braucht Amerika immer noch") veröffentlicht. Die CDU-Politikerin schrieb dort, "Illusionen einer europäischen strategischen Unabhängigkeit" müssten enden: "Die Europäer werden nicht in der Lage sein, die entscheidende Rolle Amerikas als ein Sicherheitsanbieter zu ersetzen."

Macron fordert mehr Eigenständigkeit Europas

Macron forderte in dem Interview mit "Grand Continent" , Europa müsse eigenständiger werden. Die USA würden die Europäer nur als Verbündete akzeptieren, "wenn wir uns selber ernst nehmen, und wenn wir in unserer eigenen Verteidigung souverän sind". Er fordert seit langem eine "europäische Armee".

Macron sagte angesichts des Wahlsiegs von Joe Biden, er wolle um Verständnis dafür werben, "dass wir den Aufbau unserer eigenen Autonomie fortsetzen müssen". 

Seibert betont Bedeutung transatlantischer Beziehungen

Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, betonte mit Blick auf Macrons Äußerungen, man teile mit Frankreich das Streben nach mehr eigenständigem Handeln Europas. Das Verhältnis Europas und Deutschlands zu den USA sei jedoch sehr wichtig. Man sei überzeugt, dass Deutschland und Europa "die großen Herausforderungen unserer Zeit mit den USA gemeinsam angehen müssen, wenn wir ihnen wirksam begegnen wollen", so Seibert.

Grüne stimmen Macron zu

Von den Grünen kommt indes Unterstützung für Macrons Äußerungen. Die Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion für Europapolitik, Franziska Brantner, nannte seine Kritik an Kramp-Karrenbauer völlig berechtigt. "Wir dürfen uns nicht von vornherein jede Souveränität absprechen, sondern müssen an ihr aktiv arbeiten. Genau das fordern auch die USA von uns", sagte Brantner. Die Bundesregierung solle mit Frankreich Motor für eine europäische Entwicklung sein, anstatt weiter zu bremsen.

Macron widerspricht AKK und fordert stärkere Unabhängigkeit Europas von USA
Marcel Wagner, ARD Paris
16.11.2020 15:25 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. November 2020 um 15:15 Uhr.

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