Der französische Präsident Macron während einer Schaltkonferenz zur Corona-Krise | Bildquelle: AFP

Drei Jahre Präsident Macron - der Reformer ist passé

Stand: 07.05.2020 10:41 Uhr

In der Corona-Krise ist der französische Präsident Macron allgegenwärtig. Doch das Image des zupackenden Reformers ist dahin. Wichtige Projekte liegen auf Eis. Heute vor drei Jahren wurde Macron zum Präsidenten gewählt. Ein Blick zurück.

Von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Am Abend des 7. Mai 2017 ließ sich Emmanuel Macron als Wahlsieger feiern. Allein stand er auf einer großen Bühne vor dem Louvre, die Scheinwerfer waren auf ihn gerichtet. Damals versprach er seinen jubelnden Anhängern einen kompletten Neuanfang für Frankreich. Endlich sollten die Reformen umgesetzt werden, die von seinen Vorgängern immer wieder verschleppt worden seien.

Die Szene erscheint heute wie aus der Zeit gefallen. Zwar setzte der junge Präsident anfangs tatsächlich etliche der versprochenen Reformen durch. Aber schon nach anderthalb Jahren kam der Expresszug ins Stocken.

Gewaltsame "Gelbwesten"-Proteste

Zuerst gab es monatelange Proteste der "Gelbwesten", die mit beträchtlicher Gewalt einhergingen. Dann legten Streiks der Verkehrsbetriebe das Land sechs Wochen lang lahm - aus Protest gegen die von Macron gewollte Rentenreform.

Die Beliebtheitswerte des Präsidenten fielen in den Keller. Und dann kam das Coronavirus.

Proteste der Gelbwesten in Paris | Bildquelle: AFP
galerie

Die Proteste von "Gelbwesten" erschütterten Frankreich monatelang.

Vom Reform- in den Krisenmodus

"Seit anderthalb Jahren befindet sich Frankreich in einem permanenten Krisenzustand. Es ist eine schnelle Abfolge von sehr tiefen und sehr schweren Krisen. Und die haben das Projekt von Macron aus der Bahn geworfen", sagte der Politologe Bruno Cautrès.

Zu Beginn der Corona-Krise konnte der Präsident durch ein entschlossenes Auftreten erst einmal punkten. Martialisch verkündete Macron:

"Wir befinden uns im Krieg. Der Feind ist da, unsichtbar, nicht greifbar, aber er breitet sich aus. Das erfordert unsere totale Mobilmachung. Wir sind im Krieg."

Diese in deutschen Ohren recht befremdlich klingende Kriegsrhetorik habe durchaus sein Gutes gehabt, meinte Cautrès. Den Franzosen wurde so schlagartig der Ernst der Lage bewusst. Und die vom Präsidenten in dieser Fernsehansprache verkündeten scharfen Beschränkungen der Bewegungsfreiheit wurden und werden widerspruchslos akzeptiert.

"Chaotische und schlechte Kommunikation"

Die Versöhnung der Franzosen mit ihrem Präsidenten hielt nicht lange an. In kaum einem anderen Land ist das Vertrauen in die Regierenden, dass sie die Corona-Pandemie in den Griff bekommen, so gering. In kaum einem anderen Land bekommen die Regierenden so schlechte Noten.

Cautrès erklärte das mit großen handwerklichen Fehlern:

"Gleich am Anfang der Krise haben wir in Frankreich eine sehr chaotische und schlechte Kommunikation der Regierung erlebt. Zu viele Minister haben zu viele widersprüchliche Dinge gesagt. Vor allem haben die Leute das Gefühl, dass man sie in der Frage der Schutzmasken belogen hat. Angeblich sollten die nichts nutzen, aber damit habe man - so die Überzeugung der Leute - nur den Mangel an Masken kaschieren wollen. Deswegen haben sich die Zweifel an der Kompetenz und an der Aufrichtigkeit der Regierung festgesetzt."

Nur eine Minderheit feiert ihn

Präsident Macron spricht in einer Schule in Poissy mit Kindern. | Bildquelle: REUTERS
galerie

Macron spricht in einer Schule mit Kindern.

Macron ist in diesen Krisentagen scheinbar allgegenwärtig. Er besucht Krankenhäuser und Schulen, spricht mit Wissenschaftlern und Künstlern. Er lobt das medizinische Personal, Lehrer und Verkäuferinnen. Macron spricht Mut zu, er verspricht alles zu tun, um das Leben der Franzosen zu schützen.

Aber die Rolle des einfühlsamen Landesvaters nehmen ihm die meisten Franzosen nicht ab. "Das Image von Macron bei den Franzosen ist extrem gespalten. Eine Minderheit feiert ihn als dynamischen Reformer. Aber die große Mehrheit hält ihn für unfähig, das Volk zu verstehen", machte Cautrès deutlich.

Schrittweise Lockerung der Schutzmaßnahmen in Frankreich
tagesschau 17:00 Uhr, 07.05.2020, Sabine Rau, ARD Paris

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Wir müssen uns neu erfinden"

In der Fernsehansprache Mitte April, in der er den Beginn der Lockerungen ab kommenden Montag ankündigte, schlug Macron ungewöhnlich nachdenkliche Töne an. Er gab Fehler zu und versprach, dass er die Welt nach der Pandemie anders sehe als vorher: "Wir müssen es jetzt zustande bringen, die ausgetretenen Pfade zu verlassen, uns von den Ideologien zu befreien. Wir müssen uns neu erfinden. Und ich als Erster."

Alle geplanten Reformen, allen voran die ungeliebte Rentenreform, legte Macron ohnehin gleich zu Beginn der Corona-Krise offiziell auf Eis. Der Politologe Cautrès kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Präsident die Rentenreform in den beiden letzten Jahren seiner Amtszeit noch einmal aufgreifen wird.

Ein Präsident in der Krise – Corona, die bittere Pille für Macron
Martin Bohne, ARD Paris
07.05.2020 09:07 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 07. Mai 2020 um 10:51 Uhr.

Darstellung: