Emmanuel Macron

Frankreichs Wirtschaftsminister Macron tritt zurück Ein Shooting-Star auf dem Weg nach oben

Stand: 30.08.2016 20:16 Uhr

Er ist ein Mann mit Glamour-Faktor, und auch wenn er der geschmähten Elite angehört, so ist der französische Politiker Emmanuel Macron bei den Wählern beliebt. Deshalb wird sein Rücktritt als Wirtschaftsminister nicht als Aufgabe interpretiert, sondern als Schritt auf dem Weg zu höheren Weihen.

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Der Rücktritt war gekonnt in Szene gesetzt: Live begleitet von Fernsehkameras betrat Emmanuel Macron ein kleines Shuttle-Boot auf der Seine. Von der Mannschaft wie bei einem Staatsakt begrüßt, schipperte der smarte Wirtschaftsminister in Richtung Dienstsitz des französischen Präsidenten und reichte seinen Rücktritt bei François Hollande rein.

Zurück in seinem Dienstsitz verlas er persönlich die Bestätigung: "Diese Entscheidung ist eine Entscheidung, frei und verantwortlich sein zu können. Frei zu sagen, vorzuschlagen, zu handeln und zu vereinen, verantwortlich zu sein für einen neuen Vorschlag, der neue Hoffnung geben soll."

Strebt er das höchste Amt an?

Der Rücktritt als Minister kommt alles andere als überraschend. Emmanuel Macron schmeißt auch nicht einfach so hin. Im Gegenteil: Viele Beobachter erwarten, dass der Shooting-Star der französischen Politik nun mit gerade einmal 38 Jahren nach den Sternen greifen und bei den Präsidentschaftswahlen 2017 für das höchste, das allerhöchste Amt kandidieren will.

Macron selbst ließ die Entscheidung zunächst offen. Den Grundstein für einen solchen Schritt hatte er allerdings mit der Gründung einer eigenen Bewegung "En marche" ("Auf geht's") gelegt. Mit ihr setzt er sich seitdem als Gegenentwurf zur politischen Klasse in Szene. "Die Institution, unser System, die Choreographie des ganzen Apparates, diese ganze Welt, ist alt, ist verbraucht, ist müde. Sie muss geändert werden!"

Emmanuel Macron
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Macron setzte seinen Rücktritt in Szene.

Ein Mitglied der geschmähten Elite

Der tosende Applaus seiner Anhänger überdeckt dabei keineswegs den Widerspruch, den seine Kritiker geltend machen: Macron sei schließlich als Wirtschaftsminister selbst Teil dieses Systems, stamme wie die meisten französischen Politiker aus jener Elite, von der viele Franzosen die Nase voll haben. Als ehemaliger Investmentbanker habe er ohnehin gezeigt, dass er eher auf der dunklen Seite der Macht stehe.

Er selbst wird dagegen nicht müde zu betonen, dass er bisher keiner Partei angehört habe. Überhaupt: Grabenkämpfe zwischen rechts und links, das lenke nur von den wirklichen Aufgaben ab: "Ich bin kein Sozialist. Ich gehöre einer linken Regierung an, aber was hat das für eine Bedeutung? Wenn man Minister ist, ist man Minister der Republik und dient dem Allgemeinwohl. Das sind gleich zwei schöne Ausdrücke: dienen und Allgemeinwohl."

"Verrat an den Linken"

Gedient hat er bislang vor allem Francois Hollande: Als dieser Präsident wurde, gab Macron seinen Job als Investmentbanker auf und heuerte bei ihm als Berater für Wirtschafts- und Finanzfragen an. 2014 löste er den linken Wirtschafts- und Finanzminister Arnaud Montebourg ab und machte Ernst mit einem wirtschaftsfreundlichen Reformkurs. Das Gesetz, das seinen Namen trägt, hatte es in sich: Mehr Sonntagsarbeit, Liberalisierung verschiedener Berufszweige, schnellere Prozesse vor Arbeitsgerichten, freier Fernverkehr und dergleichen.

Die Zumutung war so groß, dass Premierminister Manuel Valls das Gesetz ohne Abstimmung am Parlament vorbei schleusen musste. Viele, vor allem linke Sozialisten, weinen Macron daher wie ihr Parteigenosse Gerard Filoche jetzt keine Träne nach: "Er hätte weder Berater noch Minister werden dürfen. Er ist der Minister von 1,3 Millionen Arbeitslosen mehr, er ist Minister eines endlos langen Gesetzes, über das niemand je abgestimmt hat. Dieser Verrat an der Linken ist wirklich umfassend."

Die Bewegung "En Marche"
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Mit der Bewegung "En Marche" im Rücken könnte Macron das Präsidentenamt anstreben.

Ein gewisser Glamour-Faktor

Bei seinen Landsleuten kommt Macron deutlich besser an. 36 Prozent wünschten sich bei einer Umfrage im Juli seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl. Der studierte Philosoph und begnadete Pianist bringt nicht nur politisch frischen Wind mit, sondern auch einen gewissen Glamour-Faktor, zum Beispiel mit Homestories über sich und seine 20 Jahre ältere Frau, die früher seine Französischlehrerin war.

Sollte er sich wirklich um das Präsidentenamt bewerben, wissen seine Mitbewerber in spe also, dass sie einen zumindest ernstzunehmenden Konkurrenten vor sich haben. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, einer dieser möglichen Mitbewerber, nahm es trotzdem mit Humor und twitterte: Wir hatten vier Jahre keine Wirtschaftspolitik, jetzt haben wir in vier Minuten keinen Wirtschaftsminister mehr. Das ist doch nur logisch!

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 31. August 2016 um 00:18 Uhr.

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