Die Außenminister Maas (li.) und Le Drian flankieren den neuen ukrainischen Präsidenten Selenskyj. | Bildquelle: AP

Maas trifft Selenskyj "Menschen warten viel zu lange auf Frieden"

Stand: 31.05.2019 00:59 Uhr

Deutschland und Frankreich wollen die Friedensgespräche für die Südostukraine neu beleben. Die "Gunst der Stunde" müsse genutzt werden, sagte Außenminister Maas nach einem Treffen mit dem neuen Präsidenten Selenskyj in Kiew.

Seit rund einem Jahr sind die Friedensgespräche über den Konflikt im Südosten der Ukraine festgefahren - nun wollen Deutschland, Frankreich und die Ukraine die Verhandlungen wiederbeleben. "Die wichtigste Priorität jedes Ukrainers ist: Die Einstellung des Feuers, das Ende des Krieges", sagte der neue ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach einem Treffen mit den Außenministern Deutschlands und Frankreichs, Heiko Maas und Jean-Yves Le Drian.

Maas sprach von einem "außerordentlich guten Gespräch". Man werde weiter unter deutsch-französischer Vermittlung versuchen, Frieden in der Südostukraine zu erreichen. Man müsse die "Gunst der Stunde" nutzen. "Das haben die Menschen in der Ostukraine verdient, denn sie warten viel zu lange auf diesen Frieden." Nach wie vor werde geschossen und es kämen Menschen ums Leben. "Damit wollen wir uns nicht abfinden", betonte Maas.

Ukrainische Soldaten laden in ihrer Stellung in der Region Donezk Maschinengewehrgurte. (23. Mai) | Bildquelle: AFP
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Es ist ein kaum beachteter, aber "heißer" Konflikt - ukrainische Soldaten in ihrer Stellung in der Region Donezk (23. Mai)

Freilassung von Matrosen gefordert

Ein klares Zeichen Richtung Moskau war ein Treffen von Maas mit Angehörigen der 24 in Russland inhaftierten ukrainischen Matrosen. "Wir wollen, dass die ukrainischen Seeleute sofort freigelassen werden", sagte er. Maas verwies darauf, dass ihre Inhaftierung auch nach einem Urteil des Internationalen Seegerichtshofs in Hamburg unrechtmäßig sei.

Die Seeleute waren im vergangenen Jahr beim Versuch, aus dem Schwarzen Meer ins Asowsche Meer zu gelangen, von der russischen Küstenwache gewaltsam gestoppt und festgenommen worden. Ihnen drohen bis zu sechs Jahre Haft. Russland wirft ihnen Grenzverletzung vor und hält das Gericht in Hamburg für nicht zuständig, weil es sich um einen militärischen Vorfall gehandelt habe.

Schwierige Vermittlungsbemühungen

Im Südosten der Ukraine kämpfen seit 2014 prorussische, von Moskau unterstützte Separatisten gegen Regierungstruppen und ukrainische Paramilitärs. Auch in der weißrussischen Hauptstadt Minsk ausgehandelte Friedensabkommen konnten die Kampfhandlungen nicht gänzlich beenden.

Deutschland und Frankreich versuchen zwischen der Ukraine und Russland zu vermitteln. Das bislang letzte Außenministertreffen in diesem Vierer-Format - auch Normandie-Format genannt - liegt allerdings fast ein Jahr zurück.

Friedensprozess wieder in Gang bringen! - Außenminister Maas zu Besuch in Kiew
Sabine Stöhr, ARD Moskau
30.05.2019 23:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Mai 2019 um 06:30 Uhr.

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